News Bild “Wir begleiten die Menschen überall dort, wo es Veränderungen gibt“: Interview mit der Arbeitsgemeinschaft Gemeindeberatung  Regensburg

“Wir begleiten die Menschen überall dort, wo es Veränderungen gibt“: Interview mit der Arbeitsgemeinschaft Gemeindeberatung Regensburg

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Am Freitag begrüßte Bischof Rudolf Voderholzer die Arbeitsgemeinschaft Gemeindeberatung Regensburg und informierte sich über deren Arbeit.

Im Anschluss an die Begegnung mit Bischof Rudolf stellten sich der Sprecher der Arbeitsgruppe, Reinhard Böhm, und dessen Stellvertreterin Bärbel Mader für ein Gespräch zur Verfügung.

 

Frage: Herr Böhm, Frau Mader, seit wann gibt es die „Arbeitsgemeinschaft Gemeindeberatung Regensburg“ und welche Aufgaben übernimmt sie?

Reinhard Böhm: Unsere Arbeitsgruppe besteht seit 1997 und berät sowohl Gemeinden als auch andere kirchliche Einrichtungen in unserer Diözese, wie beispielsweise Bildungswerke und -häuser, Kindergärten, Verbände oder Ordenseinrichtungen.

Wir übernehmen in unserer Arbeit ganz unterschiedliche  Aufgabenfelder:  Zum einen begleiten wir überall dort,  wo es Veränderungen gibt - beispielsweise in Pfarreigemeinschaften. Außerdem besprechen wir mit unseren Kunden mögliche Zielsetzungen, Strategien und Konzeptentwicklungen, Kommunikation und Formen der Zusammenarbeit sowie – in Konfliktsituationen – Konfliktberatung und Moderation.

Bärbel Mader: Ich denke, dass es sehr wichtig ist zu betonen, dass wir in der Tat nicht „nur“ Pfarreien mit unserer Arbeit unterstützen, sondern wirklich alle Menschen, die unter dem „Dach der Diözese“ arbeiten, sich bei uns melden können, wenn es um die bereits genannten Themen geht.

Stichwort Konfliktsituationen: Ist dies der häufigste Grund, warum mit Ihnen Kontakt aufgenommen wird?

Reinhard Böhm: Eigentlich nicht, denn bei Konflikten melden sich weniger die Pfarreien selbst, da hier in Konfliktsituationen meist das Miteinander blockiert ist und die Empfehlung dann eher von Seite der Diözesanleitung kommt.

Die häufigsten Anfragen erhalten wir in Fällen wie denen, dass sich Pfarrgemeinderäte nach Wahlen bei uns melden, um Ziele und Aufgaben festzulegen. Andere häufige Gründe sind der Wunsch, mehr Struktur und Effizienz in die Arbeit zu bekommen oder wenn der Eindruck entsteht, dass trotz intensivem Engagements in einer Gemeinde die Teilnahme am kirchlichen Leben nachlässt. Auch bei Wechseln im Hauptamtlichenteam oder bei der Bildung einer Pfarreigemeinschaft werden wir angefragt.

Vielleicht noch ein grundsätzliches Wort zu Konflikten: Natürlich können wir bei Konflikten bis zu einem gewissen Eskalationsgrad vor Ort die Beteiligten unterstützen, aber die Möglichkeiten sind – gerade im fortgeschrittenen Stadium – begrenzt.  Es wäre besser, wenn wir als Beratung in solchen Fällen früher angefragt werden, da Konflikte meist eine Folge davon sind, dass Themen vor Ort ungenügend besprochen werden.

Nach welchen Konzepten und Methoden gehen Sie bei Ihren vielfältigen Aufgaben vor?

Reinhard Böhm: Zunächst einmal achten wir vor allem auf Diskretion, um Offenheit zu ermöglichen, und gleichzeitig auf Transparenz, die für Entwicklungen nötig ist.

Unser eigentliches „Handwerk“ jedoch ist die systematische Organisationsberatung. Wir schauen auf das Wechselspiel von Kommunikation, Zusammenarbeit, Zielen, Leitung, Ausstattung und Beziehungen – und zwar mit einer grundsätzlichen Haltung der Wertschätzung. Hinzu kommt, dass die Mitglieder unserer AG sich auch den Herausforderungen unserer Zeit stellen und sich permanent zu Themen wie Konfliktberatung, Strategie, Coaching, interkulturellen Fragen usw. fortbilden.

Außerdem arbeiten wir auch mit anderen diözesanen Fachstellen wie Supervision/Coaching, Fortbildung oder Geistliche Begleitung eng zusammen und passen in Abstimmung mit unserem bischöflichen Beauftragten Herrn DK Hubbauer unsere Beratungskonzepte den aktuellen Entwicklungen und dem Bedarf der jeweiligen Kunden an.

Sie nannten das Stichwort „aktuelle Entwicklungen“. Welche Herausforderungen – aber auch Chancen – sehen Sie denn grundsätzlich für die katholischen Gemeinden in naher Zukunft?

Bärbel Mader: Eine große Chance im Zuge der sinkenden Zahl der Gläubigen, des demographischen Wandels sowie der manchmal schwierigen Umgestaltung von kleineren Pfarreien zu Pfarreigemeinschaften besteht darin,  mit den Menschen neu über den Glauben ins Gespräch zu kommen sowie sich über neue Glaubensangebote Gedanken zu machen.  Wie dieser Prozess ganz am Schluss ausschauen wird, kann heute noch gar nicht gesagt werden. Er kann jedoch nur im Austausch miteinander gelingen und ich denke, dass bei grundsätzlicher Bereitschaft zur Kommunikation hierbei vieles erreicht werden kann.

Reinhard Böhm: Grundsätzlich kann man wohl sagen, dass wir in einer Zeit stetiger, schneller Veränderungen leben. Gemeinden und andere kirchliche Einrichtungen sind dem ausgesetzt. Oftmals ist dies den Beteiligten nicht einmal bewusst – sie spüren da eine grundsätzliche Unzufriedenheit, können diese aber manchmal gar nicht genauer artikulieren. Wenn Menschen zu uns in die Beratung kommen, dann brauchen sie teilweise auch erst einmal Zeit, um dieses genauer zu reflektieren.  Manchmal ist das Realisieren, sich von oftmals auch geliebten Dingen im Gemeindeleben  verabschieden zu müssen, mit Trauer verbunden.

Um in diesen Zeiten Gemeinde und Kirche aktiv gestalten zu können, braucht es dennoch den Mut, sich von so manchem Gewohnten zu verabschieden, aber dennoch im Blick auf die zentralen Glaubensinhalte des Christentums  hin Kirche zu gestalten. Dazu braucht es sowohl Zeit für Austausch als auch für Versuche, um herauszufinden ob etwas funktioniert oder auch nicht. Ich fühle mich hierbei auch sehr stark von Papst Franziskus inspiriert.

Dies ist dann wohl nicht nur eine organisatorische, sondern auch eine geistliche beziehungsweise spirituelle Aufgabe?

Reinhard Böhm: Auf jeden Fall. Auch in unserer Arbeit schöpfen wir verstärkt aus dem christlichen Glaubensschatz und aus den geistlichen Traditionen der Kirche. Es wäre töricht, die „Kernvision“ des Glaubens, die uns alle miteinander verbindet, nicht auszuschöpfen.

Bärbel Mader: Denken wir nur an die vielen Bilder aus der Bibel, die wir von Kindesbeinen an kennen und die wir auch versuchen nutzbar zu machen. Das Buch Exodus aus dem Alten Testament beispielsweise liefert mit dem Auszug der Israeliten aus Ägypten so viele Bilder für Entwicklungsprozesse, den  Mut zur Veränderung und gleichzeitig für Beharrlichkeit in Situationen des Wandels, dass wir auf diese hilfreichen Bilder nicht verzichten sollten. 

Nähere Informationen und Möglichkeiten der Kontaktaufnahme zur Arbeitsgemeinschaft Gemeindeberatung Regensburg finden Sie hier.