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Zur Neuigkeit
Weihbischof Dr. Josef Graf feiert 90 Jahre Weihe der Kirche in Poppenreuth
Kirche ist mehr als ein Haus aus Holz und Stein
Poppenreuth, 21. September 2025
Weihbischof Dr. Josef Graf hatte bei seinem Besuch in Poppenreuth am vergangenen Sonntag mehrfach Grund zur Freude: Er feierte mit der Expositurgemeinde das 90jährige Jubiläum ihrer Kirche Mariae Heimsuchung, er segnete die neue Orgel und er genoss die Uraufführung der „Festmesse zur Orgelweihe“.
„90 Jahre Expositurkirche Mariae Heimsuchung in Poppenreuth, bei so einem jüngeren Kirchenjubiläum denke ich immer erst an die Erbauungszeit,“ leitete der Weihbischof ein. „Wie eine Burg ist diese Kirche. Damals waren die Menschen hier sicher nicht reich, es war keine einfache Zeit. Daher gehört Ihren Vorfahren höchster Respekt, sie haben damals große Opfer für den Bau der Kirche erbracht.“ Er fuhr fort: „90 Jahre für eine Kirche entsprechen einem Geburtstag im Jugendalter für einen Menschen, in der Zeit, wo man aufbricht, wo man das Leben selbst in die Hand nimmt und gestaltet, wo die Menschen auch ein kritisches Bewusstsein haben.“
Weihbischof Josef Graf zieht den Vergleich weiter: „Die gegenwärtige Lage der Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden, als geistige Wirklichkeit, ist heute mit vielen kritischen Fragen konfrontiert. Es gibt immer mehr Menschen, die fragen: Wozu soll die Kirche denn überhaupt noch da sein? Wir brauchen keinen Glauben, keinen Gott mehr, wir leben auch so glücklich.“ Josef Graf setzt ganz klar dagegen: „Ich glaub´s nicht, ich glaube, dass es dann zu Ersatz-Religionen kommt, die nicht glücklicher machen.“
Aber trotzdem müsse sich die Kirche kritischen Fragen stellen, die auch von katholischen Christen kommen, die zu ihrer Kirche stehen. „Liebe Schwestern und Brüder, bitte halten Sie in Poppenreuth der Kirche weiter die Treue. Bewahren Sie sich den Glauben, dass die Kirche uns etwas geben kann, was die Welt sich selbst nicht geben kann. Da bin ich ganz überzeugt davon.“ Mit „Ich wünsche Ihrer Gemeinde, dass sie Zukunft hat – und zwar um der Menschen willen“ schloss der Hauptzelebrant seine Ansprache. Der Weihbischof freute sich sehr über die Abordnung der Stadt Waldershof. Die erste Bürgermeisterin Margit Bayer kam mit ihren beiden Stellvertretern Helmut Härtl und Gisela Kastner sowie einem Großteil des Stadtrats. „Das zeigt ein schönes Miteinander. So selbstverständlich ist das heute nicht mehr.“
Begonnen hatte der feierliche Tag mit der Begrüßung des Gastes aus Regensburg durch Messdienerin Elisabeth: „Kirche ist mehr als ein Haus aus Holz und Stein“, sagte sie, „Kirche sind die Menschen, die das Gotteshaus besuchen. Herr Bischof, wir bitten Sie um Ihren Segen für unser Gotteshaus und unser Leben.“ Es folgte der Kirchenzug durch den Ort, der musikalisch von den Steinwaldmusikanten begleitet wurde. Pfarrer Bernd Philipp aus Waldershof, zu dessen Pfarrgemeinde die Expositurgemeinde Poppenreuth gehört, hieß Weihbischof Josef dann in der Kirche herzlich willkommen. Philipp dankte allen, die das Fest und den Gottesdienst vorbereitet hatten und mitfeierten.
Die neue Orgel
Der hochgewachsene Weihbischof Josef musste seine Mitra absetzen, als er die steile und enge Treppe zur Empore hochstieg: Der dafür nötige Platz war schlichtweg nicht da. Oben angekommen konnte er den feinen Orgelprospekt in Augenschein nehmen. Mit dem Segnen der Orgel übergab er das Instrument seiner Bestimmung: „Die Kirchenmusik kennt zwei Richtungen: Vertikal zur Ehre Gottes und horizontal zur Erbauung der Menschen.“ Und er ergänzte: „Christus hat den Lobgesang auf die Erde gebracht.“
Die neue Orgel ist ein elektronisches Instrument. Die 21 großen Pfeifen von der alten Orgel, die in drei Gruppen aufgehängt sind, sind nur noch Blickfang, eine Funktion haben sie nicht mehr. Hinter den schmalen hellbraunen Holzleisten sind die acht Lautsprecher und der große Subwoofer untergebracht, die den Klang in die Kirche bringen. Den Orgelprospekt hat Organist Sebastian Greim selbst geplant.
Hervorragende musikalische Gestaltung
Organist Sebastian Greim spielte die Orgel vom neuen Spieltisch aus so virtuos, wie er auch das alte Instrument beherrschte. Der junge, aber bereits sehr versierte Musiker komponierte die „Festmesse zur Orgelweihe“ selbst, die zum Jubiläum uraufgeführt wurde. Chorleiterin Christa Köllner zog nach dem Gottesdienst kurz Bilanz: „Die Segnung unserer neuen Orgel und die Aufführung der neuen Messe heute sind ein absoluter Höhepunkt für unseren Chor.“ Ein halbes Jahr lang studierte sie die neue Messe intensiv mit dem Poppenreuther Kirchenchor ein. Alle Mühen haben sich gelohnt: Die Gottesdienstbesucher lobten den Gesang in höchsten Tönen. Musiker Martin Fippl von den Steinwaldmusikanten pries ihn mit „Gesang ist eine Gabe Gottes. Und das heute war ein himmlischer Gesang!“ Und auch aus den eigenen Reihen des Chores kam Anerkennung: „Die Messe ist perfekt für die neue Orgel geschrieben und hat gezeigt, welche musikalische Dynamik möglich ist“, stellte Jessica Nettles aus dem Sopran fest.
Gedanken nach dem Fest-Gottesdienst
Erste Bürgermeisterin Margit Bayer gratulierte „der wunderbar lebendigen Expositurgemeinde“ herzlich zum Weihejubiläum: „Eine tolle neue Orgel, eine musikalische Gestaltung der Extraklasse, eine liebevolle Sanierung der Kirche mit viel ehrenamtlicher Arbeit und ein top organisiertes Fest!“ Ältere Besucher erinnerten sich beim gemeinsamen Essen im Festzelt an die vielen Feste, die sie in der Kirche gefeiert haben. An ihre Kommunion und die eigene Hochzeit, an die Taufe ihrer Kinder, deren Hochzeiten und die Taufen der Enkelkinder, aber auch an die Trauerfeiern für die eigenen Eltern. „Freude und Leid haben wir hier erlebt.“
Geschichte der Pfarrei
Das erste Gotteshaus in Poppenreuth war die 1721 geweihte Schlosskapelle der Familie Notthafft. Pfarrlich aber gehörte das Dorf damals zu Waldershof, so dass die Gottesdienste von den Gläubigen dort zu besuchen waren. Ab dem Jahr 1908 wurde Poppenreuth selbständiger und ein Expositurverein wurde gegründet. Man baute ein Expositurhaus und 1930 wurde Kooperator Karl Rüth mit der Seelsorgestelle Poppenreuth betraut. Die Schlosskapelle war nicht mehr zeitgemäß und zu klein. Daher sollte eine neue Kirche erbaut werden. Dora, Freifrau von Gemmingen-Hornberg zu Friedenfels, selbst evangelischen Glaubens, schenkte der Kirchenverwaltung ein Grundstück, weiter stellte sie Holz, Granitsteine und Fuhrdienste kostenlos zur Verfügung. Viele Handwerker wie Steinhauer, Maurer und Zimmerleute aus der Umgebung arbeiteten mit am Bau der Kirche. Die Altäre wurden aus der Schlosskapelle übernommen. Bereits nach zwei Jahren konnte Erzbischof Dr. Michael Buchberger aus Regensburg das fertige Gotteshaus feierlich weihen: Ein großes Fest für das ganze Dorf!
Text und Fotos: Peter Pirner
(jas/chb)









