News Bild Was bleibt vom Papstbesuch in Regensburg vor 10 Jahren? Gedanken von Bischof Rudolf Voderholzer

Was bleibt vom Papstbesuch in Regensburg vor 10 Jahren? Gedanken von Bischof Rudolf Voderholzer

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Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer stellt sich die Frage, was nach 10 Jahren vom Besuch Papst Benedikts XVI. in Regensburg bleibt. Seine Gedanken können Sie im Folgenden lesen:

 

Die Begegnung mit dem Heiligen Vater bewegte Menschen. Bayern und Regensburg waren und sind für Benedikt eine Herzenssache. Das haben die Menschen gespürt. Sie begrüßten ihn als „einen von uns“. „Einer von uns“ und gleichzeitig der Seelsorger und oberste Hirte für 1,2 Mrd. Katholiken rund um die Welt: für viele war das ein ganz besonderes Kirchenerlebnis.

Dieses Kirchenerlebnis kann man nachempfinden, wenn man auf das Mottolied dieses Besuches sieht: „Wer glaubt ist nie allein.“ Es gehört heute zum festen Repertoire unserer Lieder im Bistum und ist auch in etliche Diözesananhänge des neuen Gotteslobes, in Deutschland und Österreich, aufgenommen worden. Wir singen es, um die Zusammengehörigkeit im Glauben zu betonen. Es ist ein Lied, das ermutigt, neue Aufbrüche im Glauben zu wagen. Ein Lied, das ins Ohr geht und zugleich den Inbegriff des päpstlichen Pastoralbesuches erklingen lässt. Wie oft hat man das? Ein Papstwort wird zum Refrain eines Kirchenhits. Dr. Christian Dostal und Hagen Horoba haben auf der Grundlage der Papstworte ein bleibend gültiges Werk geschaffen.

Das Lied hat Bistumsgrenzen und sogar Landesgrenzen überschritten und verbindet die Menschen im frohen, klangvollen Bekenntnis ihres Glaubens.

 

Löste der Papstbesuch eine Evangelisierungswelle aus?

Ich war ja im September vor 10 Jahren nicht dabei. Ich kenne diesen Besuch vor allem aufgrund unzähliger Erzählungen. Denn dieser Besuch ist bis heute ein Thema. Im ganzen Bistum stellen mir Eltern strahlend ihre herangewachsenen Kinder vor, die der Papst damals gesegnet hat. Den Weg zum Islinger Feld kenne ich mittlerweile von allen Richtungen. Ministranten, Gastwirte, Anwohner, Passanten, evangelische Mitchristen, zufällige oder geplante Besucher oder Journalisten: Sie alle tragen Bilder und Erinnerungen in ihren Herzen und berichteten mir davon. Ihre Erzählungen erlauben mir mittlerweile eine sehr genaue Vorstellung der Eindrücke, die bis heute diese Menschen erfüllen. Ich glaube, man kann berechtigt davon sprechen, dass der Heilige Vater mit seinem Besuch den Glauben gestärkt und zum Glauben ermutigt hat.

Die Regensburger Einladung zum Dialog der Kulturen

Das sind Eindrücke und Wahrnehmungen, wie ich sie als Bischof und Seelsorger erleben darf. Weit darüber hinaus weisend muss ich auf die Regensburger Rede zu sprechen kommen. Gerade aus der 10-Jahres-Distanz betrachtet erscheint sie wie ein prophetischer Appell an unsere Zeit. Dass Räuber, Mörder und Kriegstreiber ihre Verbrechen mit Verweis auf Allahs Willen religiös rechtfertigen wollen, ist eine ungeheure Gotteslästerung. Wir dürfen das nicht hinnehmen. Als Christen nicht, als Bürger nicht. Als Mitmenschen in dieser Welt nicht.

Benedikt XVI. wies den Weg des Dialogs und er lud dazu ein. Er verwies auf den universalen Bezugspunkt der Vernunft als analoges Spiegelbild göttlichen Schöpfungsgeistes. Es ist diese Vernunft, die verlangt, das Verhältnis des Glaubens zur Gewalt und zur Freiheit zu bestimmen. Und zwar aus dem Innersten des Glaubens heraus. Nicht vernunftgemäß zu handeln, etwa gewaltsam bekehren zu wollen, das sei dem Wesen Gottes zuwider, der den Menschen als in Freiheit entscheidende Person schuf.

Im Audimax der Regensburger Universität sprach der Papst mit seiner klaren und hellen Stimme die Einladung der Kirche aus: „Mut zur Weite der Vernunft, nicht Absage an ihre Größe – das ist das Programm, mit dem eine dem biblischen Glauben verpflichtete Theologie in den Disput der Gegenwart eintritt. In diesen großen Logos, in diese Weite der Vernunft laden wir beim Dialog der Kulturen unsere Gesprächspartner ein.“

Ich empfinde dieses Gesprächsangebot Benedikts XVI. geradezu als Zukunftsschlüssel in einer Welt, die zunehmend einer Kleinstadt gleicht, in der Menschen aller Überzeugungen und Prägungen eine faktische und benachbarte Menschheitsfamilie bilden. Es war der Papstbesuch vor 10 Jahren, in dessen Rahmen der Papst diese Einladung zum Dialog der Kulturen für alle Zeiten mit dem Namen der Stadt Regensburg verband.  

 

Denkmal

Natürlich freuen wir uns, wenn sich die Stadt Regensburg entscheidet, dieses Papstbesuches zu gedenken. Gerne beteiligen wir uns an den Kosten und begleiten auch die Entscheidung, wie dieses Gedenken gestaltet werden kann. Die Gedenkstatue vor der Jakobskirche ist auf einem guten Weg. Selbstverständlich wird die Öffentlichkeit über alle Schritte bis dahin informiert werden.