News Bild Von Schottland bis Regensburg: Wie der Hl. Columban von Iona und seine Nachfolger den Glauben weitergaben

Von Schottland bis Regensburg: Wie der Hl. Columban von Iona und seine Nachfolger den Glauben weitergaben

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Ohne ihn würde es möglicherweise heutzutage in Schottland kein Christentum geben – und die Auswirkungen des durch ihn entstandenen schottischen Christentums sind sogar bis nach Regensburg zu spüren. Die Rede ist vom hl. Columban von Iona (521/522-597), dessen Gedenktag katholische und anglikanische Christen am 9. Juni begehen.

 

Wie ein ins Exil Verbannter das christliche Schottland erschuf

Der irische Mönch und Missionar, einst ein Schüler des hl. Finnian von Clonard (470-549),  begründete schon in jungen Jahren einige Klöster und rund fünfzig Kirchen in Irland – wie beispielsweise um 546 das Kloster Daire Calcaich (Doire, Derry) sowie das um dieselbe Zeit gegründete Kloster Durrow.

563 oder 565 begab er sich nach dem von ihm verursachten sogenannten „Bücherkrieg“ (er schrieb unerlaubterweise ein Buch aus der Bibliothek des hl. Finnian ab, woraufhin es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Columbans Sippe und Hochkönig Diarmait mac Cerbaill kam) ins Exil. Er entging möglicherweise nur knapp der Exkommunikation - aber die von ihm angetretene „peregrinato“, wie man einen (zu damaliger Zeit durchaus üblichen) Gang ins Exil mit dem damit verbundenen Bußritual der Verbreitung des christlichen Glaubens bezeichnete, bewahrte ihn davor.

Gemeinsam mit zwölf Gefährten gelangte Columban per Boot nach Alba (das heutige Schottland)  und gründete schließlich mit seinen Begleitern ein Kloster auf Iona, einer kargen, aber auch malerischen Insel der Inneren Hebriden. Von dort aus begann er, die dortigen keltischen Ureinwohner – die Pikten – zu missionieren – und legte den Grundstein für das heutige schottische Christentum. Er reiste noch einige Male nach Irland zurück, aber starb schließlich als christlicher Weiser hochverehrt auf Iona.

Einer seiner Nachfolger als Abt von Iona – der hl. Adomnan von Iona (628-704) - fertigte ein gutes Jahrhundert später eine Hagiographie über ihn an: die „Vita Columbae“ („Das Leben des heiligen Columban“, ca. 697 fertiggestellt), in der vor allem die Wundertaten des hl. Columban aufgeführt werden – inklusive der wohl allerersten Erwähnung des Ungeheuers von Loch Ness. Denn im 23. Kapitel der „Vita Columbae“ beschreibt Adomnan, wie Colomba bei einer Bootsüberfahrt einem Seeungeheuer erfolgreich befiehlt, von einem seiner Gefährten abzulassen.

Iona – das geistliche Zentrum des christlichen Schottlands

Iona bildete - inspiriert durch die sowohl an irische Heilige wie Patrick und Finnian als auch an die ägyptischen Wüstenväter anknüpfende monastische Spiritualität des hl. Columban - über Jahrhunderte hinweg das geistliche Zentrum Schottlands – und galt mehrere Jahrhunderte lang auch als Heilige Stätte. Einige Schottisch-irische und norwegische Könige sollen auf dem Friedhof „Reilig Odhráin“ bestattet sein: So war Iona Begräbnisstätte der Könige von Dalriada und deren Nachfolger – der frühen Könige von Schottland. Auch Macbeth – Inspirationsfigur zu Shakespeares gleichnamigem Drama – soll hier beerdigt sein.

Die Klosteranlage bestand bis ins 11. Jahrhundert. In der Folge entstand ein zweites Kloster 1203 als Benediktiner-Abtei und Kathedrale der Inseln. Das Kloster bestand bis in die Reformationszeit, verfiel dann und wurde ab 1939 wieder aufgebaut. Bereits ein Jahr zuvor, 1938,  gründete ein Pfarrer der Church of Scotland, George MacLeod auf Iona die „Iona Community“, eine christliche, ähnlich wie die Gemeinschaft von Taizé der Ökumene verpflichtete Gemeinschaft, die heutzutage vor allem junge Menschen anzieht.

Auch ansonsten ist die Insel des hl. Columban  bis auf den heutigen Tag ein Publikums- und Touristenmagnet.

Das sichtbare Erbe des iroschottischen Christen- und Mönchtums in Regensburg

Doch nicht nur die Christen Großbritanniens verdanken dem hl. Columban und seinen Nachfolgern viel – auch bis ins Bistum Regensburg kamen iroschottische Christen und Mönche und gaben  ihren Glauben weiter.

Ein berühmtes Beispiel ist das ehemalige Regensburger Schottenkloster, in dem heute das Priesterseminar St. Wolfgang der Diözese Regensburg untergebracht ist. Es entstand im Zuge einer letzten Welle irischer Klostergründungen auf dem europäischen Kontinent am Ende des 11. Jahrhunderts. Auf der Pilgerfahrt nach Rom gründete der Ire Marianus Scottus mit seinen Begleitern um 1070 in Regensburg zunächst das Kloster Weih-Sankt-Peter vor den Toren der Stadt (in der Nähe des heutigen Hauptbahnhofs). Da die Niederlassung schon bald für die stetig wachsende Gemeinschaft zu klein wurde, baute man um 1110 im Westen der Stadt ein neues Kloster. Das dem Apostel Jakobus dem Älteren und der hl. Gertrud geweihte Kloster wurde mit Hilfe des Burggrafen Otto von Regensburg und angesehener Bürger der Stadt gegründet.

Nachdem in der Reformationszeit die Klöster dieses irischen Verbandes untergegangen waren, wurde ab 1515/16 das Kloster von schottischen Benediktinern neu besiedelt. Das Regensburger Kloster diente in den folgenden drei Jahrhunderten als Ausbildungsstätte für schottische Priester. Erst 1862 wurde das Kloster auf Drängen des Regensburger Bischofs Ignatius von Senestrey wegen Personalmangel von Papst Pius IX. aufgelöst und an das Bistum Regensburg übergeben. Nach Umbaumaßnahmen zwischen 1866 und 1872 bezog das Priesterseminar des Bistums die ehemaligen Klosterräume.

Die Schottenkirche St. Jakob zeugt noch bis auf den heutigen Tag vom Erbe der iroschottischen Christen und Mönche.