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Zur Neuigkeit
Von der AIDS-Hauptstadt KwaZulu-Natals zu den Vereinten Nationen
Hoffnung für Afrika
Regensburg/Zululand, 7. Juli 2026
Die Liebe Gottes spürbar machen – das setzt Missionsbenediktiner Pater Gerhard Lagleder mit seiner Hilfsorganisation der Malteser in Südafrika jeden Tag um. Er kümmert sich vor allem um Kranke und Sterbende. Jetzt konnte er vor Kurzem über seine Arbeit vor den Vereinten Nationen in New York berichten.
Die Geschichte eines kleinen Behandlungszentrums, das Hoffnung inmitten einer der größten Gesundheitskrisen Afrikas brachte:
Als ich am 23. Juni 2026 im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York über HIV/AIDS sprach, dachte ich an die vielen Menschen, denen ich in den vergangenen Jahrzehnten in Zululand begegnet bin. Ich dachte an junge Mütter, die ihre Kinder zurücklassen mussten. An Familien, die mehrere Angehörige innerhalb weniger Monate verloren. An Großmütter, die plötzlich für ganze Scharen von AIDS-Waisen verantwortlich waren. Und ich dachte an die vielen Patienten, die wir in den 1990er Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends auf ihrem letzten Weg begleiteten. Damals war AIDS in weiten Teilen Afrikas ein Todesurteil.
Als die Brotherhood of Blessed Gérard 1992 in Mandeni in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal gegründet wurde, stand die HIV-Epidemie noch am Anfang. Doch schon wenige Jahre später entwickelte sich die Region zu einem der am stärksten betroffenen Gebiete der Welt. Krankenhäuser waren überfüllt. Familien zerbrachen. Die Zahl der Waisen stieg dramatisch an. 1997 bezeichnete das südafrikanische Magazin Drum Sundumbili, das Township von Mandeni, als „Death City – The AIDS Capital of KwaZulu-Natal“. Für die Menschen vor Ort war dies keine journalistische Übertreibung. Fast täglich mussten wir Beerdigungen begleiten. In jenen Jahren bestand unsere Arbeit vor allem darin, Sterbende zu pflegen. Das Blessed Gérard's Hospice versorgte Menschen mit fortgeschrittenen AIDS-Erkrankungen, behandelte Schmerzen, bekämpfte opportunistische Infektionen und spendete Trost in Situationen, die oft aussichtslos erschienen. Doch gleichzeitig begann weltweit eine medizinische Revolution.
In Europa und Nordamerika verwandelte die hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) HIV von einer tödlichen Krankheit in eine chronisch behandelbare Erkrankung. Während Patienten in reichen Ländern Zugang zu lebensrettenden Medikamenten erhielten, blieben diese Therapien für die meisten Menschen in Afrika unerreichbar. Hinzu kam eine politische Krise. In Südafrika stellte die Regierung von Präsident Thabo Mbeki lange Zeit die wissenschaftlichen Erkenntnisse über HIV/AIDS infrage und zögerte die Einführung antiretroviraler Programme hinaus. Während Wissenschaftler, Ärzte, Kirchen und zivilgesellschaftliche Organisationen auf einen schnellen Zugang zu Medikamenten drängten, verloren Hunderttausende Menschen ihr Leben.
Mitten in dieser Auseinandersetzung erhielten wir im September 2003 einen Anruf vom AIDS-Büro der Südafrikanischen Bischofskonferenz. Die katholische Kirche plante gemeinsam mit internationalen Partnern eines der ersten großen kirchlichen HIV-Behandlungsprogramme Afrikas. Blessed Gérard's Hospice wurde als eines von fünf Pilotzentren ausgewählt. Für uns war dies eine enorme Herausforderung.
Viele Experten bezweifelten damals, dass eine komplexe antiretrovirale Therapie in einer armen ländlichen Gemeinde funktionieren könnte. Die Medikamente mussten täglich eingenommen werden. Es waren regelmäßige Untersuchungen notwendig. Patienten mussten geschult und begleitet werden. Viele Menschen lebten weit entfernt von medizinischen Einrichtungen. Trotz aller Zweifel begannen wir mit der Vorbereitung. Berater wurden ausgebildet. Hausbesuchsprogramme wurden aufgebaut. Patienten nahmen an Therapievorbereitungskursen teil. Freiwillige begleiteten Familien. Die gesamte Gemeinschaft wurde in den Kampf gegen HIV einbezogen.
Am 7. September 2004 erhielt der erste Patient des Blessed Gérard's Care Centre seine antiretrovirale Therapie. Dieser Tag markierte einen Wendepunkt. Zum ersten Mal konnten wir Menschen nicht nur beim Sterben begleiten, sondern ihnen eine realistische Chance auf Leben geben. Die Ergebnisse waren erstaunlich. Patienten, die wenige Wochen zuvor bettlägerig gewesen waren, erschienen Monate später wieder gesund in unserer Klinik. Menschen nahmen an Gewicht zu, fanden Arbeit und konnten ihre Familien versorgen. Kinder mussten ihre Eltern nicht mehr verlieren.
Eine dieser Patientinnen war Nelisiwe. Sie hatte selbst HIV-Patienten beraten und war später schwer an AIDS erkrankt. Durch die antiretrovirale Therapie gewann sie ihre Gesundheit zurück und konnte wieder ein normales Leben führen. Ein anderer Patient war Mvelo, ein HIV-positiver Junge, der seine Eltern durch AIDS verloren hatte. Dank konsequenter Behandlung und Betreuung konnte er wieder zur Schule gehen und eine Zukunft aufbauen. Solche Geschichten wiederholten sich immer wieder. Aus einem Hospiz für Sterbende wurde Schritt für Schritt ein Zentrum für Leben und Hoffnung. Die Zahl der Patienten stieg von 35 im ersten Jahr auf über 700 Menschen in langfristiger Behandlung. Insgesamt wurden inzwischen mehr als 1.600 AIDS-Patienten betreut. Noch heute erhalten über 500 Menschen ihre lebensrettende Therapie am Blessed Gérard's Care Centre.
Der Erfolg beruhte nicht allein auf Medikamenten. Entscheidend war ein gemeindebasierter Ansatz. Hausbesuche, Therapiebegleitung, psychosoziale Unterstützung, Ernährungsberatung und seelsorgliche Betreuung wurden zu einem festen Bestandteil des Programms. Diese Erfahrung enthält eine wichtige Botschaft für die internationale Gemeinschaft.
Der Kampf gegen HIV/AIDS wird nicht allein in Forschungslaboren, Ministerien oder internationalen Konferenzen entschieden. Er wird auch in kleinen Kliniken, ländlichen Gemeinden und Familien geführt. Dort entscheidet sich, ob wissenschaftlicher Fortschritt tatsächlich die Menschen erreicht, die ihn am dringendsten benötigen.
Mehr als zwanzig Jahre nach der Einführung von HAART stehen wir erneut an einem Wendepunkt. Die Welt verfügt heute über die wissenschaftlichen Mittel, AIDS als Bedrohung der öffentlichen Gesundheit zu beenden. Gleichzeitig gefährden Finanzierungslücken, soziale Ungleichheit und politische Instabilität die bisherigen Erfolge. Die Geschichte von Mandeni zeigt jedoch, dass Hoffnung möglich ist. Was in einem kleinen Hospiz in Zululand begann, führte schließlich bis in die Vereinten Nationen nach New York. Nicht weil unsere Geschichte außergewöhnlich wäre, sondern weil sie die Geschichte von Tausenden Menschen erzählt, die trotz Krankheit, Armut und Ausgrenzung die Chance erhielten, weiterzuleben.
Sie erinnert uns daran, dass hinter jeder Statistik ein Mensch steht. Und dass jeder gerettete Mensch ein Grund zur Hoffnung ist.
Text und Fotos: Pater Gerhard Lagleder
(chb)
Weitere Infos
Kontaktdaten von Pater Gerhard Lagleder(OSB):
Der Terminkalender von Pater Gerhard Lagleder ist online einsehbar bei: http://lagleder.net/termine.htm
Er ist auch erreichbar über E-Mail: father(at)bbg.org.za
Oder per Handy/WhatsApp: +27 82 492 4043 (in Afrika) und +49 151 1082 1467 (ab 06. Oktober in Europa).
Hier finden Sie alle wichtigen Informationen über die vielfältigen Dienste durch das Blessed Gérard's Care-Zentrum
Radiobeitrag über die Arbeit von Pater Gerhard Lagleder: Die Liebe Gottes spürbar machen
Lesen Sie hier auch den aktuellen „Tätigkeitsbericht 2025“ der Hilfsorganisation




