Tobias Haberl mit Bischof Rudolf Voderholzer

Tobias Haberl spricht bei Recollectio im Regensburger Priesterseminar

Ermutigung für die Glaubensweitergabe


Regensburg, 30. März 2026

Am Montag der Karwoche treffen sich Priester des Bistums Regensburg traditionell zur Recollectio, einem Tag der Besinnung und Gemeinschaft, bevor sie am frühen Abend im Regensburger Dom St. Peter ihr Weiheversprechen erneuern. In der Chrisammesse weiht Bischof Rudolf Voderholzer die Heiligen Öle für die Sakramente der Kirche.

Bei der diesjährigen Zusammenkunft im Regensburger Priesterseminar begrüßten die Anwesenden mit Hausherr Regens Daniel Stark Tobias Haberl als Redner. Der 50-jährige Journalist (Süddeutsche Zeitung), geboren in Haselbach im Bayerischen Wald, machte mit seinem 2024 erschienen Buch „Unter Heiden. Warum ich trotzdem Christ bleibe“ von sich reden. Im Zentrum seines Werks, das auch Grundlage für seinen Vortrag in Regensburg war, steht die Erfahrung, als gläubiger Mensch in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft zu leben. 

Bischof Rudolf Voderholzer war es ein Anliegen Tobias Haberl als Redner zu gewinnen, versteht er doch die Inhalte seines Buches als Ermutigung für Priester, pastorale Mitarbeiter und alle Gläubigen. Bischof Rudolf betonte, dass er gerne den Begriff des „Weltchristen“ verwendet, zeuge doch das Wort „Laien“ von jemanden, der kein Wissen um den Glauben habe. Am Beispiel von Haberl betonte er, dass es die „Christen in der Welt“ seien, die an ihrem jeweiligen Platz Zeugnis ihres Glaubens geben. Sei dies in der Familie, im Freundeskreis, am Krankenbett oder am Arbeitsplatz. Die persönlichen Erfahrungen, die der Autor in seinem Buch zusammengestellt hat, seien dafür ein besonderes Beispiel, wofür er dem Gastredner ausdrücklich dankte.

Das Buch versteht sich als persönliches Glaubenszeugnis. Haberl berichtet, dass der religiöse Glaube in seinem beruflichen aber auch privaten Umfeld kaum noch verstanden wird, bzw. eine Rolle spielt. Meist, so der Autor, würde die Kirche nur noch auf Skandale oder Klischees reduziert. Heutzutage sich als gläubiger Christ zu outen, bedeute, schnell als Außenseiter und Exot wahrgenommen zu werden. Eine zentrale These Haberls ist, dass der moderne Mensch den Glauben verloren hat, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein. 

Trotzdem seien sehr viele Menschen auf der Suche nach Sinn, Orientierung und Glück für ihr Leben, suchen danach aber meist an den falschen Orten. Daraus resultiert eine greifbare Leerstelle im Leben der Menschen. Glaube heißt für Haberl aber auch, dass dieser nicht immer perfekt und widerspruchsfrei sein müsse. Zweifel und Unsicherheiten gehören für ihn untrennbar dazu. Christsein bedeutet nicht asketische Strenge oder moralische Überlegenheit, sondern ein Ringen um Sinn im Alltag eines modernen Lebens. Glaube bedeutet für den Autor Hoffnung und Transzendenz – eine spürbare Ausrichtung auf den Mehrwert jenseits des rein Diesseitigen. Tobias Haberl beschreibt den Glauben in seinem Leben als das „Strahlende“. Dazu gehören für ihn: Trost, Schönheit, Gemeinschaft und die Erfahrung, sich nicht allein auf sich selbst zurückgeworfen zu fühlen. Haberl zeigt auf, dass Glaube auch im 21. Jahrhundert plausibel und lebenspraktisch sein kann – gerade in einer Zeit, die von Orientierungslosigkeit und Sinnsuche geprägt ist. 

Im Anschluss an den Vortrag mit nachfolgender Möglichkeit, dem Autor Fragen zu stellen, feierten die Priester und Seminaristen eine Eucharistische Anbetung mit Möglichkeit zum Empfang des Bußsakramentes in der Hauskapelle des Regensburger Priesterseminars, bevor die Feier der Chrisammesse in der Kathedreale St. Peter begann.

Text und Fotos: Jakob Schötz
(jas)



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