symposium religion - podiumsteilnehmer

Symposium zur Freiheit der Religionsausübung tagte in Amberg

Religion im öffentlichen Raum


Amberg, 5. Juli 2026

Zum Thema „Religion im öffentlichen Raum“ lud das „Symposium zur Freiheit der Religionsausübung“ ein. Begrüßt von Oberbürgermeister Michael Fritz, seinem Vorgänger Michael Cerny und dem Bayrischen Staatsminister Joachim Herrmann referierten 12 hochrangige und renommierte Persönlichkeiten aus ganz Europa. MdB Susanne Hierl, Professorin Dr. Anja Seibert-Fohr, Richterin am EUGH, und Marc Jost, einem Mitglied des Schweizer Nationalrats, oblag die Moderation jeweils einer der drei Einheiten, während Notar Dr. Lovro Tomasic die Tagesmoderation und die Vorstellung aller Referenten übernahm. 

Dem gebürtigen Amberger und mittlerweile in München tätigen Notarassessor Dr. Toni Fikentscher war es gelungen, mit viel Engagement diese außergewöhnliche Veranstaltung in den Rathaussaal der Stadt Amberg zu holen. Mit der Stadt Amberg und der KEB Amberg-Sulzbach fand er verlässliche Mitveranstalter für die Organisation, sowie weitere freundliche Unterstützung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben“, der Sparkasse Amberg-Sulzbach, der Conference of European Rabbis und dem Bayerischen Verein für Toleranz, Demokratie und Menschenwürde e.V. Der Honorarverzicht aller Referenten ermöglichte einen kostenlosen Eintritt und eine breite Öffentlichkeit honorierte dieses Angebot mit einem zahlreichen Besuch des Symposiums. 

Sein brisanter aktueller Bezug wurde bereits bei der Eröffnung deutlich. Politische Grundlagen, Grenzüberschreitungen, gute Balance und gegenseitiger Respekt nach der Katastrophe der Naziherrschaft waren die beherrschenden Themen. Bedrückender „Elefant im Raum“ waren aber immer wieder die Ideologien von Antisemitismus und politisch motiviertem Islamismus.

Im ersten 90minütigen Panel wurde „Die Religionsfreiheit als Wertegrundlage des demokratischen Verfassungsstaates“ von Dr. h.c. Egils Levits, dem ehemaligen Staatspräsidenten der Republik Lettland und Richter am EUGH, dem Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt und Johannes Singhammer, dem Bundestagsvizepräsidenten a. D. dargelegt. Die doppelte staatliche Sicherung durch Schutz und Begrenzung, die Gefahr durch Populismus und Dekonstruktion der Normen erfordern „freie Selbstverpflichtung“, Toleranz und Bildung als Grundlage, so die Referenten.

„Das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften und dessen Grenzen; religiöse Symbole im öffentlichen Raum“ hieß das zweite Panel mit Professor Dr. Henning Radtke, Richter am Bundesverfassungsgericht, Prof. Dr. Juliane Kokott, Generealanwältin am EUGH, Dr. Kari Kuusiniemi, Präsident des Obersten finnischen Verwaltungsgerichtshofes und Dr. Reinhard Müller von der FAZ. Bei diesem juristisch diffizilen Thema, bei dem sich die religiösen Gruppen auf einem Balanceakt zwischen „Verkündigungsbetrieb“ und Rechtsklarheit bewegen, käme es auf die Courage eines jeden Einzelnen an, hörte man. Ansonsten drohten rechtsfreie Räume und eine Spaltung der Gesellschaft bis hin zur „Selbstausschaltung des derzeitigen Staates“, was derzeit populistisch und aggressiv vom äußeren rechten und linken Spektrum betrieben werde.

Das nachmittägliche dritte Panel lautete: „Negative Religionsausübungsfreiheit: Der Schutz des Rechtsstaates vor dem Gottesstaat“. Seyran Ates, Berliner Autorin, Frauenrechtlerin, Imanin, Gründerin einer liberalen Moschee und eines freien Bildungswerkes zeigte sich in großer Sorge vor totalitären Kalifaten und zunehmender gesellschaftlicher Intoleranz. „Derzeit steht vieles auf dem Spiel“ betonte sie und warnte vor scheinheiligem Missbrauch der Demokratie, nicht nur in der Türkei. „Sie springen auf diesen Zug auf und steigen ab, wenn sie erreicht haben, was sie wollen“. Doch dann folge ein „totalitärer Albtraum“, warnte sie. Engagiert plädierte sie für Freiheit, die keine Gnade sei, sondern der Prüfstein der Demokratie und einen Staat, der den Menschen zutraut, dass jeder seinen Weg findet. Dr. Ludwig Spänle bestätigte ihr ein „seltenes Körperteil“, nämlich Rückgrat, forderte ebenfalls einen verlässlichen rechtlichen Rahmen und Bildung gerade durch und über Religionsgemeinschaften. Der österreichische Abgeordnete im europäischen Parlament, Mag. Dr. h.c. Lukas Mandl, betonte: „Toleranz der Intoleranz führt zu immer mehr Intoleranz“ und postulierte eine Trennung von sakralen und politischen Sphären. Die Madrider Professorin Dr. Cristina Hermida del Llano mahnte zu Besonnenheit und Vernunft, einer „Einheit in Vielfalt“ und riet allen Religionen „ihren eigenen Garten gut zu pflegen“. Dr. Dr. Stefan Mückl, Professor für Staatskirchenrecht an der päpstlichen Universität Santa Croce in Rom, erinnerte daran, dass die derzeitige Kirche das Ergebnis der Säkularisation sei, die klug Geistliches und Weltliches zu trennen wisse. Dabei sollte sie aber wieder „mehr Salz der Erde und nicht Puderzucker“ sein.

„Sehr angetan vom hochkarätigen Symposium“ zeigte sich nicht zuletzt auch der später hinzugekommene Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in einem abschließenden Grußwort. Auch er warnte vor exklusiven und radikalen Tendenzen, die mit der katholischen Kirche unvereinbar seien.

Text und Fotos: Marianne Moosburger
(jas)



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