News Bild Südafrikareise - der zweite Tag steht im Zeichen der sozialen Projekte des "Duduza Care Centre"

Südafrikareise - der zweite Tag steht im Zeichen der sozialen Projekte des "Duduza Care Centre"

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Mitwoch, 4. Februar 2015:

Die Begrüßung war sehr herzlich. Die Schwestern, Novizinnen und Postulantinnen, die überwiegend dem Stamm der Zulu angehören, empfangen die Reisegruppe aus Deutschland mit Gesängen und Tänzen in ihrer temperamentvollen und fröhlichen Art.


Belebte Geschichte

Das idyllisch am Südhang eines Mittelgebirges inmitten der Provinz Kwazulu-Natal gelegene Maria Ratschitz wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Klosteranlage mit Kirche, Konvent- und Wirtschaftsgebäuden der Trappisten von Mariannhill erbaut. Der böhmisch klingende Name kommt nicht von ungefähr. Als der Gründerabt einen Förderer für dieses Projekt gefunden hatte, knüpfte dieser seine Unterstützung an die Bereitschaft, das neue Kloster dem Patronat der Gottesmutter zu unterstellen und in Verehrung der Schmerzhaften Mutter von Maria Ratschitz bei Osek in Nordböhmen am Fuße des Erzgebirges danach zu benennen. Durch die geschichtliche Entwicklung (Weltkriege, Apartheid, Zwangsaussiedlung der Zulu-Bevölkerung) hatte das Kloster keine Grundlage mehr und wurde verlassen. 1998 übernahmen die Nardini-Schwestern die stark heruntergekommenen Gebäude, bauten das Kloster wieder auf, renovierten die Kirche und entwickelten es zu einem diözesanen Zentrum.


„Duduza Care Centre“ – Trost und Hilfe aus dem Glauben

Maria Ratschitz ist heute für die Schwestern Ort des Postulats und des Noviziats, darüber hinaus Altersruhesitz für einige Geistliche und dann vor allem Organisationszentrum für zahlreiche unter dem Namen „Duduza Care Centre“ zusammengeschlossene soziale Projekte.

Der Mittwoch, 4. Februar, steht ganz im Zeichen des Besuches der verschiedenen Tätigkeitsbereiche und der Begegnung mit den Menschen.
Am Vormittag führt Schwester Collette, die Leiterin des Centers, die Gruppe zu fünf ausgewählten Häusern in der näheren und weiteren Umgebung. Sie werden vom Team von Sr. Collette regelmäßig besucht und unterstützt. Das Team besteht aus ca. 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie werden „Caregivers“ genannt, was man wörtlich mit „Hilfsbringer“ übersetzen könnte: Schwestern, Sozialarbeiter und Freiwillige.

Die Situationen sind vielfältig, aber immer in ihrer Not unmittelbar berührend:
Da ist die drogenabhängige, HIV-positive Mutter mit mehreren Kindern, die ihr Leben nur mithilfe der Caregivers einigermaßen ordnen kann. Auch im nächsten Haus ist kein Mann zu sehen, der Verantwortung für Frau und Kinder übernommen hätte. Häufig helfen die Caregivers durch Vermittlung von Medikamenten und Lebensmittelgaben, noch mehr aber durch Zuwendung und menschliche Nähe.

So auch im Falle einer Kinderfamilie: ein 19-Jähriger kümmert sich nach Kräften um seine beiden jüngeren Brüder und versucht, ihnen Vater und Mutter zu ersetzen, die ihre Familie verlassen haben. Der vierzehnjährige Sobo entflieht immer wieder dem unerträglichen Alltag durch Klebstoff-Schnüffeln, der billigsten Droge. Die Schwestern versuchen für ihn eine Rehabilitationsmaßnahme und für den älteren eine berufliche Ausbildungsmöglichkeit zu bekommen.

Eine gute Nachricht im nächsten Haus: Es ist gelungen, die Übertragung von Aids der beiden Eltern auf das Kind durch rechtzeitige Medikamentierung zu verhindern.

Mr. Vania, ein Familienvater, der im Unterschied zu vielen anderen Männern einer geregelten Arbeit nachgeht, ist untröstlich. Aufgrund einer Unachtsamkeit seines Vaters mit einer Kerze ist das Haus durch einen Brand so zerstört, dass es unbewohnbar wurde und abgerissen werden muss. Das Rathaus hat ein Plastikzelt zur Überbrückung zur Verfügung gestellt, aber er braucht dringend für seine Familie ein neues Haus. Es ist beeindruckend, wie er sich vorbildlich um Frau und Kinder kümmert. Auf Nachfrage schildert er, dass das Material für einen Neubau umgerechnet ungefähr 5000 Euro kosten würde. Die Schwestern sagen alle erdenkliche Hilfe zu. Bei der Weiterfahrt entsteht die Idee, in Deutschland zu Spenden für diese Familie aufzurufen. Nähere Informationen gibt es auf der Internetseite des Bistums.



Nach dem Mittagessen in Maria Ratschitz geht es sofort weiter mit dem Besuch von zwei der vier Suppenküchen in den Dörfern der Umgebung. Die Schwestern organisieren dabei nicht nur ein regelmäßiges warmes Mittagessen für Kinder, deren Angehörige ihnen keine ausreichende und gesunde Ernährung gewährleisten können. Sozialhelfer im Team von Schwester Collette helfen auch bei den Hausaufgaben und reagieren auf Probleme und Notsituationen, die ihnen die Kinder anvertrauen. Die kleinere der „Soupkitchen“ wird von knapp 50, die größte von gut 100 Kindern und Jugendlichen aufgesucht.

In Maria Ratzschitz wartet mittlerweile Bischof Graham Rose von Dundee. Seine Biographie ist bemerkenswert. Sohn eines schottischen Vaters und einer australischen Mutter ist er wie schon die Eltern in Südafrika zur Welt gekommen und beschreibt sich als einen „Euro-Afrikaner“ (analog zu „Afro-Amerikaner“). In einem ausführlichen Gespräch schildert er die pastorale Situation. Seine Diözese liegt fast ganz im Zulu-Gebiet und umfasst ca. 100.000 Katholiken, was etwa sieben Prozent der Bevölkerung entspricht. Sorgen macht ihm der Traditionsbruch, dem die von der westlich geprägten städtischen Lebensweise angezogene Jugend ausgesetzt ist. Gleichzeitig fördere es nicht den Familienzusammenhalt, wenn der südafrikanische Präsident sich stolz als Polygamist bezeichnet. Immer wieder äußert der Bischof seine große Freude und seine Dankbarkeit über das Wirken der Nardini-Sisters in Maria Ratschitz. Vielleicht gelingt es ihm, die Wallfahrt zur Schmerzhaften Mutter noch stärker zu beleben.Ein besonderes Erlebnis war am Abend die Begegnung mit der schon bettlägerigen 81-jährigen Schwester Isentraut, einem Wiesenfeldener Original. Mit leuchtenden Augen erzählt sie von ihrem Widerstand gegen die Apartheid als Schulleiterin in Vryheid in den 1970er und 1980er Jahren. Als sie schwarze Schüler ebenso wie weiße aufnahm, verbot die Schulbehörde die Teilnahme an schulübergreifenden Sportwettkämpfen. Alle möglichen Drohungen gegen Leib und Leben konnten sie nicht beeindrucken. Die einzig wirkliche Sorge war, sie könnte abgeschoben werden. Der Erzbischof von Durban hielt aber schützend seine Hand über sie. Heute sagt sie rückblickend: „Es musste jedem vernünftig denkenden Menschen klar sein, dass die Apartheid keine Zukunft haben würde.“Zur Sozialarbeit der Schwestern gehört schließlich der Unterhalt eines Hospizes mit Palliativstation für zwölf Patienten, das die Regensburger Gruppe nach dem gesungenen Morgengebet besuchte. Viele von den Patienten leiden an den Folgen von Aids oder Lungentuberkulose. Krebspatienten werden ebenso gepflegt wie Menschen mit schweren Behinderungen in ihrer letzten Lebensphase.Mit einem Gebet im Hospiz und dem bischöflichen Segen verabschiedet sich die Gruppe am Morgen des 5. Februar in Richtung Nkandla.


Weitere bildliche Eindrücke gibt's im Bilderalbum Pastoralreise nach Südafrika- Zweiter Reisetag.