News Bild Statthalter Schnieders über das Wirken des Ritterordens vom Heiligen Grab
Statthalter Schnieders über das Wirken des Ritterordens vom Heiligen Grab

Ziel: das himmlische Jerusalem

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Regensburg, 17. November 2022.

Kürzlich hat in Regensburg die Herbstinvestitur des Ordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit hat der Großprior der Deutschen Statthalterei, Kardinal Reinhard Marx, 19 Kandidaten aufgenommen. Am Rande des Wochenendes vom 30. September bis 2. Oktober 2022 stand der Statthalter der Deutschen Statthalterei, Dr. Michael Schnieders, für ein Interview zur Verfügung. Die Fragen stellte Prof. Dr. Veit Neumann.

Sehr geehrter Herr Statthalter Dr. Schnieders, was machen die Ritter und Damen des Ordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem?

Der Ritterorden kümmert sich in erster Linie um die Christinnen und Christen im Heiligen Land. Er hat zudem die Aufgabe, die einzelnen Mitglieder in der religiösen Überzeugung zu stärken, ihnen geistliche Heimat zu sein. Das heißt, wir kümmern uns umeinander. Als dritter Schritt pilgern wir ins Heilige Land und unterstützen dort konkrete Projekte. Wenn Sie mich fragen, welche Beispiele es dafür gibt, kann ich Ihnen sagen: Unterstützung von Universitäten, Unterstützung von Altenheimen, in denen Menschen betreut werden, und, um auf die Investiturspende hier in Regensburg zurückzukommen: Unterstützung junger Menschen in ihrer geistlich-religiösen Ausbildung. Allgemein gesprochen lauten unsere Aufgaben also primär: Christen im Heiligen Land Heimat gewähren, ein christliches Leben und Zukunft im Heiligen Land ermöglichen, damit es nicht nur Steine im Heiligen Land gibt, sondern Menschen, die diese Steine auch lebendig machen.

Sie sind der Verantwortliche der Deutschen Statthalterei. Wo können wir diese Statthalterei verorten?

Die Deutsche Statthalterei sieht sich im weltweiten Geflecht des Ritterordens vom Heiligen Grab, der in mehr als 33 Ländern in der ganzen Welt vertreten ist. Das Großmeisteramt, die Zentrale des Ordens in Rom, die für uns zuständig ist, sagt uns, dass wir ganz weit vorne stehen, auch was das Spendenaufkommen angeht. Wir nehmen in Europa ebenfalls eine führende Stellung ein. Ich will in diesem Zusammenhang nicht den Begriff „Primus inter pares“ anführen. Aber zusammen mit unseren europäischen Nachbarfreunden setzen wir uns dafür ein und sorgen dafür, dass es mit unseren Zielen, Christen im Heiligen Land zu unterstützen, gut vorwärts geht.

Heute spricht man nicht mehr so sehr von Problemen, sondern lieber von Herausforderungen. Ich darf Sie fragen, welchen Herausforderungen sich die Statthalterei insbesondere in der kommenden Zeit gegenüber sieht.

Ich beginne meine Antwort etwas unkonventionell und sage Ihnen: Wir Damen und Ritter vom Heiligen Grab bieten Menschen, die eine geistliche Heimat suchen, auch und gerade in diesen unwägbaren und durchaus manchmal auch unwegbaren Zeiten, einen geschützten Raum, eine Atmosphäre des gegenseitigen Wertschätzens und des positiven Miteinanders, der Geborgenheit und der Vertiefung geistlich-religiöser Praxis. Wir brauchen, wenn es um schwierige Zeiten geht, nur zu denken an die Stichwörter Ukrainekrieg, Coronapandemie, Inflation, und an das, was wir überhaupt an schwierigen Themen in der Gesellschaft zu bewältigen haben, nicht zuletzt mit Blick auf die Situation unserer katholischen Kirche in Deutschland. All das bringt es mit sich, dass wir nach meiner Wahrnehmung für Katholiken heute mindestens attraktiv sind, wenn nicht mehr. Deswegen habe ich persönlich gar nicht so sehr die Sorge, ob wir als Ritterorden noch attraktiv sind, sondern vielmehr: Wie kommen wir mit den Themen in unserer Zeit gut klar. Und da geht meine persönliche Wahrnehmung dahin: Auf dem Fundament der Auferstehungskirche, unseres Auferstehungsglaubens haben wir eine feste Verankerung und auch eine feste Zielrichtung für das himmlische Jerusalem. Wenn das, was in uns brennt, den anderen erreicht - mein Gegenüber, meinen Nebenstehenden -, dann bewegen wir uns als Gemeinschaft gut vorwärts. Um die Frage jetzt vom Eingang her zu beantworten: Wir stellen uns den Themen, die sich heute für uns alle stellen.

Sehr geehrter Herr Statthalter, können Sie sagen, was die Spiritualität des Ordens Ihnen persönlich bedeutet?

Die Spiritualität unseres Ordens ist für mich existentiell. Ich bin von Hause aus katholisch erzogen worden und bin schon in jungen Jahren nicht nur als Messdiener, sondern später auch als Kirchenorganist tätig gewesen. Die tägliche Glaubenspraxis und der sonntägliche Kirchbesuch haben mir immer am Herzen gelegen; und das, obwohl oder gerade weil ich aus einer Gegend komme, die sehr evangelisch geprägt war. Das hat sich auch in der von manchen als schwierig angesehenen Pubertät fortgesetzt und im Erwachsenenalter. Der Glaube hat mir schon immer etwas bedeutet, und das gerade in der Zeit, als ich vor einigen Jahren meine Eltern im Abstand von nur elf Monaten verloren habe. Ich erinnere mich noch gut, dass ich meiner Frau sagte, als sich der Verlust meines Vaters abzeichnete: Möglicherweise ist jetzt die Situation gekommen, in der sich die Frage stellt: Kann ich das leben, was ich die ganze Zeit geglaubt habe? Sie bemerken anhand der Fragestellung, wie wichtig mir persönlich Glaube und eine tiefe Verwurzelung in diesem Glauben sind. So viel kann ich sagen: Meine Familie und mich hat der Glaube auf jeden Fall gut durch die Zeit getragen. Wir fühlen uns auch und gerade in der Gemeinschaft des Ritterordens sehr gut aufgehoben und getragen und deswegen heimisch.

Weitere Infos

Der Gesprächspartner: Dr. jur. Michael Schnieders, geboren 1967 in Oldenburg (Niedersachsen), verheiratet, zwei erwachsene Kinder, 1986 bis 1991: Studium der Rechtswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, 1991 bis 1993  Dissertation (Sonntagsarbeit nach dem neuen Arbeitszeitgesetz), 1993 bis 1995 Rechtsreferendariat, 1995 Zweites juristisches Staatsexamen, 1996 Doktorgrad Rechtswissenschaften, 2013 Zertifizierter Güterichter, 1998 bis heute Prüfer im 1. Juristischen Staatsexamen bei den Prüfungsämtern der Oberlandesgerichte Hamm und Köln (pausiert: 2009 bis 2014), 1995 bis 2005 Richter bei dem / am  Verwaltungsgericht Aachen, 2005 bis 2015 Richter am Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Münster, 2015 bis heute Vorsitzender Richter am Oberverwaltungsgericht, 2008 bis heute Mitglied des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, 2010 bis 2016 Leitender Komtur der Komturei St. Ludgerus Münster, 2016 bis 2019 Präsident der Ordensprovinz Rheinland-Westfalen, 2019 bis heute Statthalter der Deutschen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.