News Bild Staat und neuen säkularistischen Totalitarismus trennen - Katholiken leisten großen Beitrag zum Gemeinwohl - Ohne die Kirche ist kein guter Staat zu machen

Staat und neuen säkularistischen Totalitarismus trennen - Katholiken leisten großen Beitrag zum Gemeinwohl - Ohne die Kirche ist kein guter Staat zu machen

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(pdr) Die Christsozialen Katholiken in der CSU (CSK) sind eine katholische Plattform innerhalb der Christlich-Sozialen Union, die von Dr. Thomas Goppel, Staatsminister a.D., moderiert wird. „Wir stehen zum Gesellschaftsbild von Mann und Frau und zum Familienbild von Vater, Mutter, Kind. Wir sind das politische Sprachrohr für die Anliegen der katholischen Christen in Bayern“, erklärt das Forum sein Selbstverständnis. Dazu gehört auch, Persönlichkeiten des kirchlich-gesellschaftlichen Lebens zu Vortrag und Diskussion einzuladen. Am vergangenen Montagabend sprach Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller in München über das Thema „Kirche, die Staat macht - trauen wir uns das noch?“ Ort der Veranstaltung war der neue CSU-Fraktionssaal im Bayerischen Landtag. Die Quintessenz der Ausführungen des Bischofs von Regensburg war: „Ohne die Kirche ist bei uns kein Staat zu machen, jedenfalls kein guter Staat. Es würde viel schlechter gehen, wenn wir uns aus der Gesellschaft zurückziehen.“ Er erinnerte daran, dass die große Mehrheit der Gesellschaft in einem tragenden Konsens christlich geprägt ist. Auch ihre Herkunft sei christlich. Große Aufmerksamkeit erhielt der Bischof für seine deutliche Forderung, den Staat und den neuen säkularistischen Totalitarismus zu trennen.

In seinen von großer Aufmerksamkeit begleiteten Ausführungen stellte Bischof Gerhard Ludwig fest, dass die Kirche nicht vom Staat abhängt, sondern von Jesus Christus gestiftet ist. „Die Kirche ist allein Gott gegenüber verantwortlich. Der Staat und die Kirche sind zwei verschiedene Größen, deren Verhältnis zueinander aber rechtlich geregelt ist.“ Der Bischof kritisierte die Aussagen von grünen Abgeordneten aus Nordrhein-Westfalen, die Mitglieder der Zentralkomitees der Katholiken sind und die Abschaffung „der Privilegien der Kirche“ forderten: „Die Kirche in Deutschland hat keine Privilegien“, so der Bischof: „Als Christen und Bürger dieses Landes nehmen wir in Anspruch, dass wir uns für das Gemeinwohl einsetzen.“ Dass es freie Schulen gibt – darunter auch sehr viele katholische – , sei kein Zugeständnis des Staates, sondern ein im Grundgesetz verbrieftes Menschenrecht, das jeder staatlichen Gesetzgebung vorausgeht. „Die Refinanzierung ist kein Privileg, sondern sie ergibt sich aus der Partnerschaft von Staat und Kirche zugunsten der Gesellschaft“, sagte der Regensburger Bischof. „Die Steuergelder stehen nicht einfach einem Obrigkeitsstaat zur Verfügung, der dann schon weiß, was für seine Untertanen gut ist.“ Bischof Gerhard Ludwig erinnerte an die Tatsache, dass die Bürgergesellschaft aus Bürgern gebildet wird, der Staat aber zum Gemeinwohl aller beizutragen hat. Daher müsse der demokratische Staat für alle Initiativen dankbar sein.

Dann sprach Bischof Gerhard Ludwig über das gute Recht der Katholiken und der Christen überhaupt, die Gesellschaft zu gestalten. „Wir treiben hier doch keine christliche Klientelpolitik, sondern als Christen arbeiten wir für das Gemeinwohl.“ Im Übrigen habe ein katholischer oder ein evangelischer Bürgermeister ohne weiteres das Recht, in seinem Amtszimmer ein Kreuz aufzuhängen. Der Kirche gehe es darum, das Evangelium zu verkünden und sich im Rahmen der bewährten Prinzipien der christlichen Soziallehre, deren Bedeutung für das Gelingen der Bundesrepublik Deutschland nicht überschätzt werden kann, für ein humanes Zusammenleben einzusetzen. „Das Christentum hat eine wesentliche bindende Kraft, eine Alternative ist in diesem Bereich nicht zu sehen“, so der Bischof. Das gelebte Christentum ist der Garant der inneren Freiheit. Angesichts der derzeitigen Wahlerfolge der sogenannten „Piraten“ sprach sich Bischof Gerhard Ludwig gegen Protest- und Denkzettelwahlen aus: „Ein solches Verhalten, das von den eigenen Gefühlen getrieben ist, das ist für das Gemeinwohl schädlich und mit der christlichen Einstellung nicht vereinbar.“

Den Nationalsozialismus nannte der Regensburger Bischof den „Gegenentwurf zum Christentum“. Mit eindringlichen Worten erinnerte er an die Tatsache, dass die Weimarer Republik scheiterte, „weil es zu wenige Demokraten gab“. Außerdem warnte er: „Das ideologische Potential dieser Zeit ist nicht verschwunden, sondern subkutan weiterhin vorhanden.“ Angesichts des Totalitarismus von früher und von heute fand der Bischof ebenfalls eindringliche Worte: „Das Wesen des Totalitarismus ist es, dass er die Menschenrechte einschränkt. Es gibt aber kein Menschenrecht darauf, die Menschenrechte einzuschränken.“ In diesem Zusammenhang sprach sich Bischof Gerhard Ludwig gegen die Giordano-Bruno-Gesellschaft und den „Bund für Geistesfreiheit“ aus, die die Kirche ins Private abdrängen wollten, während sie selbst den öffentlichen Raum besetzen. Weiter kritisierte Bischof Gerhard Ludwig Menschenbilder, die den Menschen auf seine Bestandteile oder auf seinen Nutzen reduzieren. „Jeder Mensch ist unabhängig von seinem maximalen wirtschaftlichen Nutzen, jeder Mensch ist ein Spiegel des unendlichen Gottes“, so der Bischof. Gegen die Verzweckung des Menschen stehe das Grundgesetz der Bundesrepublik selbst, das die Auffassung vertritt, dass der Mensch eine vor Gott nicht zu manipulierende Wirklichkeit ist. Außerdem sprach sich der Regensburger Bischof für den unbedingten Schutz des menschlichen Lebens aus. Er bemängelte den Verfall der Sterbekultur: „Menschen werden verbrannt und anonym unter einem Baum verscharrt. Es ist aber jeder bei seinem Namen gerufen, was Ausdruck für die Personwürde des Menschen ist.“ Abschließend empfahl der Regensburger Bischof den Gegnern der Stillen Feiertage, statt ihre Abschaffung zu fordern sich am Karfreitag einmal die Zeit zu nehmen, um anhand der Verurteilung Jesu Christi zu überlegen, was es mit der Gewalt auf sich hat, die es in der Welt gibt, und sich auf das Zusammenleben mit Menschen anderer Konfessionen zu besinnen.

Der Bischof forderte eine eigene Justiz- und Medienethik, die für die Gesellschaft dringend notwendig sei. Politisch sein, das heiße eben auch, sich nicht vor dem medialen Gegenwind zu fürchten, so der Bischof: „Wenn die Kirche als Verbrecherorganisation hingestellt wird, dann hat das nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Da müsste das Zentralkomitee der Katholiken seine Stimme erheben.“ CSK-Initiator Thomas Goppel dankte Bischof Gerhard Ludwig für seine profunden Ausführungen: „Wir müssen deutlich machen, dass die Bischöfe in der Kirche Rückendeckung haben.“