News Bild Schuman gilt als Vater der Europäischen Union. Leiten ließ er sich von seinem katholischen Glauben.

Schuman gilt als Vater der Europäischen Union. Leiten ließ er sich von seinem katholischen Glauben.

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Robert Schuman hat ein europäisches Leben geführt, wie wohl nur wenig andere. Die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts hat er am eigenen Leib erfahren: Schuman wurde 1886 in Luxemburg geborgen, hatte die deutsche Staatsbürgerschaft inne. So arbeitete der Jurist Schuman während des Ersten Weltkrieges auch innerhalb der deutschen Verwaltung, wurde aber nach dem Krieg französischer Staatsbürger. Während des Zweiten Weltkriegs setzte Schuman sich gegen das Nazi-Regime ein und wurde Teil der Résistance, des Widerstandes gegen Hitler-Deutschland. Nach dem Krieg wurde Schuman Finanzminister und Außenminister Frankreichs, später auch französischer Ministerpräsident.

 

Vom Christentum geprägt

Dabei war Schuman tief vom katholischen Glauben geprägt. Er war nicht nur in katholischen Studentenverbindungen aktiv, sondern überlegte nach dem Tod seiner Mutter wohl sogar, Priester zu werden. Als Politiker wurde Schuman vor allem für den nach ihm benannten „Schuman-Plan“ bekannt: 1950 schlug er als Außenminister vor, die deutsche und französische Stahlproduktion unter eine gemeinsame Behörde zu stellen. Diese Organisation sollte auch anderen europäischen Ländern offenstehen. Daraus entwickelte sich die sogenannte „Montanunion“, die als Vorgänger der Europäischen Union gilt. Schuman stieß damit eine Entwicklung der europäischen Integration an, die – im Rahmen der heutigen Europäischen Union – zu einem historisch wohl einzigartigen Friedensprojekt wurde. Nur fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war dieser Plan auch ein Zeichen der Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland.

 

Erster Parlamentspräsident

Als Folge dieser intensiven Bemühungen um die europäische Integration wurde Schumann 1958 der erste Präsident des neuen europäischen Parlaments. Als Schuman 1963 starb, hatte er einen Impuls der Friedensbewegung in Europa gegeben, die nicht mehr aufzuhalten war. Dabei hatte sich der Politiker immer auch von seinem christlichen Glauben leiten lassen. Für die katholische Theologie steht fest: Ein Christ kann sich von den um ihn herum herrschenden Umständen nicht unbeeindruckt zeigen. Die Botschaft vom Reich Gottes, die Jesus Christus verkündete, steht immer im Spannungsverhältnis zwischen zwei Polen: Einerseits wird aus der Verkündigung Jesu deutlich, dass das Reich Gottes in dieser Welt nicht vollendet werden kann; das große Reich des Friedens wird sich erst in der Vollendung bei Gott in seinem ganzen Umfang verwirklichen. Und dennoch hat dieses Reich Gottes schon begonnen, es wächst schon mitten unter uns.

 

Berufen zum Aufbau des Gottesreiches

Dem Christen kann deshalb Krieg und Folter, Menschenrechtsverstöße und Unterdrückung nicht gleichgültig sein: Wo Unrecht herrscht, zeigt sich das glatte Gegenteil vom Reich Gottes. Alle Christen sind zum Aufbau dieses Reiches berufen.

 

„Das Gemeinwohl fördern“

Auch die Politik kann ein wichtiger Baustein für das Reich Gottes sein: Sie kann sich für menschenwürdiges Leben einsetzen und kann für Frieden und Gerechtigkeit kämpfen. Im Dekret über das Laienapostolat „Apostolicam Actuositatem“ (AA) formulieren die Konzilsväter auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil: „In Liebe gegenüber ihrer Nation und in treuer Erfüllung ihrer bürgerlichen Aufgaben sollen die Katholiken sich verpflichtet wissen, das wahre Gemeinwohl zu fördern und das Gewicht ihrer Meinung stark zu machen, damit die staatliche Gewalt gerecht ausgeübt wird und die Gesetze der sittlichen Ordnung und dem Gemeinwohl entsprechen.“ (AA 14) Diese Aufgabe können Politiker wahrnehmen, Christinnen und Christen aber auch in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen. Ein Vorbild für diesen Einsatz kann Robert Schuman sein.