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Schöpfungstag 2022: „EnergieZukunft - regenerativ und innovativ“

Kreative, ressourcenleichte Lebensformen entwickeln

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Regensburg, 22.09.2022

Seit 2005 lädt das Bistum Regensburg im Rahmen der Ökumenischen Schöpfungszeit zu bunten Aktionstagen mit verschiedenen umweltrelevanten Schwerpunkten ein. Bei diesen Schöpfungstagen werden gemeinsam Naturschönheiten vor Ort erlebt, Hintergrundwissen geteilt und christlich-spirituelle Wurzeln gefeiert. Diese jährliche Zentralveranstaltung will dafür motivieren, den eigenen Lebensstil und das Handeln als Kirche schöpfungsfreundlich zu gestalten.

Der diesjährige Schöpfungstag findet am 24. September statt. Wir haben mit der Umweltbeauftragten des Bistums Regensburg Beate Eichinger über die Programmhighlights und über die Bedeutung des Umweltschutzes in der aktuellen Situation gesprochen.

Frau Eichinger, welches Thema steht in diesem Jahr im Fokus des Schöpfungstages?
Beate Eichinger: Der Schöpfungstag 2022 ist dem Thema „EnergieZukunft - regenerativ und innovativ“ gewidmet. Um unseren Energiehunger klimaverträglicher zu stillen, sind regenerative Techniken nötig. Die besten Strategien, die Umwelt zu schonen, bleiben jedoch: Energie einsparen und kreative, ressourcenleichte Lebensformen entwickeln. 
Die Verschärfung der Energiekrise seit dem Angriffskrieg Putins auf die Ukraine, die Preissteigerungen und die drohenden sozialen Verwerfungen verunsichern uns alle. Unabhängig davon ist es aber aus ökologischen und nicht nur aus finanziellen Gründen eine gute Idee, fossile Brennstoffe und unseren Stromverbrauch einzusparen.

Umweltbeauftrage des Bistums Regensburg Beate Eichinger

Gibt es besondere Programmhighlights?
Neben Exkursionen zu Wind- und Solaranlagen in der Umgebung, Mitmachaktionen und politischen Gesprächsrunden gibt es ein ganztägiges Begleitprogramm mit der interaktiven Ausstellung „um:welt“, kreative Spiel- und Bastelaktionen, Infostände u.v.m.
Großes Interesse findet schon im Vorfeld der Impulsvortrag von Prof. Dr. Michael Sterner, der auf die Entwicklung von neuen Speichertechnologien wie power-to-gas setzt und gleichzeitig zum Energie sparen aufruft, um die Schöpfung zu bewahren.
Die Abschlussandacht werden wir im Ökumenischen Miteinander feiern – neben der katholischen, evangelisch-lutherischen und griechisch-katholischen Kirche gestalten heuer zum ersten Mal auch ein Vertreter der Altkatholiken und eine Vertreterin der Neuapostolischen Gemeinde die liturgische Feier mit. Die Umrahmung durch den renommierten Kirchenchor von St. Anton Regensburg garantiert auch einen musikalischen Genuss.

Aufgrund von Energieknappheit und der daraus resultierenden hohen Preise wird derzeit wieder viel diskutiert über den Einsatz von Atomenergie. Was ist aus christlicher Sicht davon zu halten?
Zur christlichen Verantwortung für die Schöpfung gehören die Bemühungen um generationen- und regionenumgreifende Klimagerechtigkeit. Atomkraft bleibt eine risikobehaftete Technologie mit dem Potenzial von riesigen Schäden bei Unfällen oder Terroranschlägen, wie die gerade laufenden Befürchtungen rings um die ukrainischen Atomkraftwerke zeigen. Die Gefahren stehen in keinem Verhältnis zum Energie-Ertrag, wenn alles gut läuft.

Die momentane Energiekrise ist in erster Linie eine Heizkrise, Atomkraftwerke erzeugen jedoch Strom und sind sehr schwerfällig beim Hoch- und Runterfahren. Sie liefern keinen sinnvollen Beitrag zur Abfederung von kurzfristigen Bedarfen. Mit Blick auf die Zukunft unserer Schöpfung ist das schärfste Gegenargument die nach wie vor ungelöste Frage der Zwischen- und Endlagerung des hochgiftigen Atommülls.
Als kirchliche Umweltbeauftragte lehne ich also sowohl aus verantwortungsethischen als auch aus technischen Gründen ein andiskutiertes Zurück zur Atomenergie ab.

Wie setzt sich das Bistum Regensburg für den Umwelt- und Klimaschutz ein?
Schöpfungsspiritualität und Umweltbildung sind bereits seit vielen Jahren wichtige Arbeitsschwerpunkte, die bereits seit 2005 im jährlichen Diözesanen Schöpfungstag ihren Höhepunkt finden.
Seit 2019 entwickelte eine abteilungsübergreifende Steuerungsrunde ein Klimaschutzkonzept mit dem offiziellen Ziel, die Hälfte der bisherigen CO2-Emissionen bis 2030 einzusparen. Die Diözese stellt zur Umsetzung des Klimaschutzprojektes seit Januar 2020 zur Verfügung: € 1 Mio Klimafonds, Klimaschutzmanagerin, Heizungstausch- und Solaroffensive, ein Dienstleistungsvertrag mit der Energieagentur Regensburg. Das 109-seitige Konzept zum Klimaschutzkonzept samt Maßnahmenkatalog sowie der Weg dorthin findet sich auf: https://www.oekosoziales-bistum-regensburg.de/klimaschutzkonzept/
Einen Schwerpunkt bildet natürlich der Austausch der fossil betriebenen Heizungen hin zu regenerativen Heizsystemen sowie die Kompensation des Strombedarfs durch die Erzeugung von Solarstrom mit PV-Anlagen auf kirchlichen Dächern. Für beide Offensiven stellen wir den Pfarreien auf Kosten des diözesanen Klimafonds die Fachexpertise der Energieagentur bereit und fördern die Initiativen mit finanziellen Anreizen / Förderbausteinen. Unsere Klimaschutzmanagerin berät und begleitet die Pfarreien beim Antrags- und Genehmigungsverfahren.
Alle zentralen Liegenschaften werden mit 100% Ökostrom mit dem allerstrengsten Gütesiegel Grüner-Strom-Label versorgt, die zentralen Gasheizungen mit klimaneutralem Gas, d.h. mit 20% Biogas-Beimischung und 80% Kompensation.
Auch die naturnahe Gestaltung von kirchlichen Flächen wird unterstützt, um die Artenvielfalt rings um kirchliche Gebäude zu fördern.
Dies nur als ein paar Schlaglichter...

Wie kann jeder Einzelne seinen Beitrag leisten?
Schöpfungsverantwortung umfasst alle Lebensbereiche vom Konsum von Lebensmitteln und anderen Verbrauchsgütern, Energieverbrauch, die Art zu Wohnen und zu Reisen bis hin zur Gartengestaltung und zum Einsatz für politische Veränderungen. Jede kleine Entscheidung für das Gemeinwohl und gegen einen verschwenderischen Lebensstil hilft sowohl der Mitwelt als auch dem eigenen positiven Lebensgefühl.
Der gemeinsame Einsatz für ein schöpfungsbewusstes Leben als Privatmensch, als kirchliche Gruppe und als gesellschaftliche Gemeinschaft ist kein Verzicht, sondern macht Freude. Es geht nicht nur darum, den kommenden Winter gut zu überstehen. Sparsamer Energieverbrauch und die Nutzung regenerativer Energiequellen sind gelebte Schöpfungsverantwortung und fördern die Zukunftsfähigkeit von Kirche.  

(jw)
Titelbild: Jakob Schötz