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Zur Neuigkeit
Schmuckstücke im Bistum: Zeugnis des Deutschen Ordens in Heiligenstadt
Wie kommt das Straußenei in die Kirche?

Regensburg/Gangkofen, 15. Januar 2026
Dr. Daniel Rimsl arbeitet als Kunsthistoriker bei der Abteilung Kunst- und Denkmalpflege des Bistums Regensburg. Als Leiter der Fachstelle Inventarisierung ist er ein wahrer Kenner der zahlreichen „Schmuckstücke“ in den Kirchen unseres Bistums. In unserer neuen Reihe stellt er uns regelmäßig besondere Kunstobjekte vor. In unserer ersten Folge führt uns Daniel Rimsl zu einem rätselhaften Straußenei im niederbayerischen Gangkofen.
Die Salvatorkirche in Heiligenstadt bei Gangkofen ist reich an bemerkenswerten Ausstattungsstücken. Eines der eigenartigsten hängt im Chorbogen: die Schale eines Straußeneis, das mit einer Kette am Chorbogenkreuz befestigt ist.
Der Deutsche Orden hatte seit 1279 eine Niederlassung in Gangkofen am südlichen Rande der Diözese Regensburg. Bereits damals stand auf der Anhöhe südlich des Marktes, jenseits des Flüsschens Bina, eine nova capella, eine neue Kapelle, ein Vorgängerbau der heutigen Wallfahrts- und Friedhofskirche St. Salvator in Heiligenstadt. Mit dem Deutschen Orden steht auch die Geschichte des Straußeneis in Verbindung: Ein Ordensritter soll es aus dem Heiligen Land mitgebracht haben. In Heiligenstadt wird es erstmals im späten 16. Jahrhundert erwähnt; die Gestalt der metallenen Reifen, mit denen das Ei montiert ist, könnte auf das frühe 16. Jahrhundert hindeuten.
In Palästina und Syrien lebte bis um die Mitte des 20. Jahrhunderts der Arabische Strauß. Er ist heute ausgestorben, weil er durch zu starkes Bejagen ausgerottet wurde. Über Jahrhunderte waren aber die großen, kräftigen Vögel in den Steppen des Nahen Ostens präsent.
Im Heiligen Land gehören Straußeneier seit Langem zum Inventar zahlreicher Kirchen, vor allem orthodoxer, wo sie auch oftmals durch Nachbildungen aus Keramik ersetzt sind. In Kirchenschätzen Europas lassen sich Straußeneier bereits seit dem 9. Jahrhundert nachweisen; am Ende des 11. Jahrhunderts ist eines im Augsburger Dom verzeichnet, 1127 im Bamberger Dom.
In den großen Eiern erkannte man einen schillernden Symbolgehalt, der vielfältige Deutungen zuließ. Allgemein galt das Ei als ein Sinnbild für die Auferstehung: Wie das Küken die Schale durchbricht, hat Christus die Ketten des Todes gesprengt.
Eine andere Deutung bot der Physiologus, eine spätantike Naturlehre, die zu verschiedenen Tieren, Pflanzen und Steinsorten die damals kursierenden Informationen sammelt und sie allegorisch auf das christliche Heilsgeschehen hin ausdeutet. Er dürfte bereits im 2. Jahrhundert in Alexandrien entstanden sein. Ursprünglich auf Griechisch verfasst, erfuhr er in den folgenden Jahrhunderten vielfach Ergänzungen und Erweiterungen und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt; er wurde viel gelesen und kann über das Mittelalter hinaus zum Allgemeinwissen gezählt werden.
Zum Strauß berichtet der Physiologus, dass er die Zeit zum Legen der Eier feststellt, indem er den Himmel beobachte: Erscheine das Sternbild der Plejaden, legt der Strauß seine Eier und bedeckt sie mit Sand. Und vergisst sie danach. Da aber zu dieser Zeit die größte Hitze herrscht, brütet die Sonne sie mit ihrer Wärme aus: Wie der Strauß also das Himmlische im Blick habe und das Irdische außer Acht lasse, solle es auch der Mensch machen, so die Folgerung des Physiologus.
Andere Quellen überliefern, dass der Strauß seine Eier mit dem bloßen Anschauen ausbrütet: Nach drei Tagen schlüpfen die Küken. Entsprechend wurde das Ei als der tote Christus gedeutet, der Blick der Straußenmutter als Gott, der seinen Sohn am dritten Tage wieder erweckt. – Und wiederum andere vergleichen das Ausbrüten durch die Sonnenwärme mit der jungfräulichen Geburt und der Zeugung Jesu durch den Heiligen Geist. Das Straußenei wird so auch zum Mariensymbol.


So waren die Straußeneier symbolisch stark aufgeladene Gegenstände, in denen mehrere Aspekte der Heilsgeschichte ein greifbares Gegenbild erhielten: Die Gestalt ist denkbar einfach, die Erscheinungsform aber erregte durch die Größe dennoch Staunen. Und dieses Staunen war denn auch ein weiterer wesentlicher Grund für die Ausbreitung der riesigen Eier: Sie waren immer auch Attraktionen, die beeindrucken und Menschen anziehen sollten.
Diese Eigenschaften trugen dazu bei, dass Straußeneier als Votivgaben verbreitet waren, und auf diesem Wege kam wohl auch Heiligenstadt zu seinem Straußenei: Ursprünglich war die nova capella bei Gangkofen wohl eine Grab-Christi-Wallfahrt, wie sie zur Zeit der Kreuzzüge vielfach entstanden sind; später wird von einer heilkräftigen Quelle berichtet, die im frühen 17. Jahrhundert versiegt ist. Spätestens in der Barockzeit kam zur Heilandswallfahrt noch eine Marienwallfahrt. Es liegt nahe, dass einer der Deutschherren das Ei der Wallfahrtskirche opferte, für deren Bau und Ausstattung ebenfalls die Gangkofener Kommende, also Niederlassung des Deutschen Ordens, verantwortlich war.
Ein Hinweis auf große Mengen von Wallfahrern ist die offene Vorhalle, die ausladend und geräumig der Westfassade der Kirche vorgesetzt ist. Im Innern ist der große, 1480 datierte Flügelaltar beherrschend, der zu den bedeutendsten Werken der Spätgotik im weiten Umkreis gehört. Gemessen an der Weite des Innenraumes, nimmt sich das Straußenei fast gering aus. Umso größer ist dafür der Seltenheitswert, den es in Süddeutschland hat.
Text: Dr. Daniel Rimsl, Redaktion: Jakob Schötz, Fotos: © Diözese Regensburg, Abteilung Kunst und Denkmalpflege / Daniel Rimsl




