tafelbild mit heiligem Petrus

Schmuckstücke im Bistum: Höfische Kunst aus Landshut

Die Apostelfürsten in Bonbruck


Regensburg/Bonbruck, 12. Februar 2026

Dr. Daniel Rimsl arbeitet als Kunsthistoriker bei der Abteilung Kunst- und Denkmalpflege des Bistums Regensburg. Als Leiter der Fachstelle Inventarisierung ist er ein wahrer Kenner der zahlreichen „Schmuckstücke“ in den Kirchen unseres Bistums. In unserer neuen Reihe stellt er uns regelmäßig besondere Kunstobjekte vor. In unserer dritten Folge führt uns Daniel Rimsl zu den Apostelfürsten Petrus und Paulus in Bonbruck.

Die Bonbrucker Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt erhebt sich stattlich am südöstlichen Rand des Dorfes. Mit ihrem hohen Spitzturm, den man noch von der Bahnlinie Mühldorf-Landshut aus sehen kann, und dem dreischiffigen, von Strebepfeilern umstellten Langhaus erscheint sie als ein Bau der Neugotik des späten 19. Jahrhunderts, und neugotisch zeigt sich auch das Innere. Die östlichen und westlichen Teile des Bauwerks haben aber ein weit höheres Alter: Der Turm im Westen geht noch auf die Romanik zurück, und wohl unter Leitung eines Landshuter Baumeisters wurde gegen Mitte des 15. Jahrhunderts der Chorraum im Osten errichtet, ein schlanker spätgotischer Bau. Man kann annehmen, dass das Adelsgeschlecht der Ebenhauser, damals Ortsherren in Bonbruck, den Bau und die Ausstattung finanzierten.

Ein Neubau des romanischen Langhauses sollte damals wohl auch noch folgen, unterblieb aber zunächst; das alte Schiff, das als eng, feucht und dunkel beschrieben wurde und viel niedriger war als der Chor, riss man erst 1892 ab und ersetzte es durch das bestehende neugotische Langhaus. Der Turm erhielt damals seinen achteckigen Oberbau samt Spitzhelm, und auch das Innere wurde damals neugotisch ausgestattet.

Von der spätgotischen Ausstattung haben sich aber noch einzelne Reste erhalten: So werden im Erdgeschoss des Turmes, das noch ein gotisches Rippengewölbe aufweist, zwei Holztafeln präsentiert, die zur Erstausstattung des spätgotischen Chores gehören könnten und aus dem Ende des 15. Jahrhunderts stammen. Sie stellen die Apostelfürsten Petrus und Paulus dar, die auf einer steinernen Thronbank sitzen.

Petrus erscheint als Papst mit Tiara – der dreifachen Papstkrone – und einem Pluviale (Rauchmantel), er hält als sein Attribut zwei Schlüssel. Paulus erscheint in der Art eines Gelehrten oder Stiftsherrn mit einem weiten roten Obergewand mit einer Almutia aus Hermelin – also einem Schulterkragen – und einer roten Kappe auf dem Kopf, in der Rechten hält er die aufrecht auf dem Schoß stehende Schrift, in der Linken das Schwert. 

Die Holztafeln schließen sich oben zu einem Kleeblattbogen zusammen: Mit großer Sicherheit bildeten sie ursprünglich die oberen Hälften von Flügeltüren eines Schreinaltares und wurden sichtbar, wenn der Schrein geschlossen war. Im Schrein stand vermutlich die Muttergottes, die heute auf dem nördlichen Seitenaltar der Bonbrucker Kirche steht.

Die Tafelbilder sind von bemerkenswerter Qualität. Die Gesichter mit der nachdenklich-konzentrierten Mimik sind lebensnah wiedergegeben, und besonders beim Gewand des Petrus wurde viel Wert auf die genaue Wiedergabe der Materialoberflächen gelegt: Seiner Mantelschließe ist ein Kristall aufgesetzt, in dem sich das Licht reflektiert, und das Licht bricht sich auch in den Perlen, mit denen der Saum des Mantels besetzt ist, und in den Goldfäden, die in sein Gewand eingewoben sind.

Die täuschend echte Wiedergabe verschiedener Stoffe und Materialien war eine Spezialität niederländischer Maler; berühmt waren sie auch für den Einsatz von Lichtreflexen auf Metall, Glas oder anderen glatten Oberflächen, die den dargestellten Szenen besondere Lebendigkeit verleihen. Als größter Vertreter dieser sogenannten Altniederländer gilt Jan van Eyck, der im frühen 15. Jahrhundert unter anderem für die Herzöge von Burgund gearbeitet hat. Diese künstlerischen Errungenschaften sorgten weit über die Grenzen der Niederlande hinaus für Aufsehen, die Anregungen aus dem Nordwesten wurden bis nach Südeuropa aufgegriffen.

Die großen profilierten und gebogenen Leisten mit den distelartigen Blättern, die die Bilder nach oben hin abschließen, finden sich ganz ähnlich in Arbeiten des in Landshut tätigen Malers Hans Wertinger, und auch die Gesichter der Apostelfürsten haben stilistische Gemeinsamkeiten mit Bildnissen, die Wertinger gemalt hat. Er gehörte zu den wichtigsten Malern der Zeit in der Residenzstadt, die damals eine künstlerische Blüte erlebte, und er arbeitete späterhin auch für die bayerischen Herzöge. Und auch er nahm offensichtlich teil an den internationalen Strömungen und künstlerischen Innovationen, wie seine Bonbrucker Tafeln zeigen.

Text: Dr. Daniel Rimsl, Redaktion: Jakob Schötz, Fotos: © Diözese Regensburg, Abteilung Kunst und Denkmalpflege / Daniel Rimsl



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