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Sankt Kathrein

Der Tag, an dem die Räder stillstanden

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Regensburg, 20. November 2022

Der Tag der heiligen Katharina, der 25. November, bedeutete früher das Ende aller Festlichkeiten, allen lauten Trubels und Lärmens. Der Advent steht vor der Tür, und mit Kathrein begann die so genannte geschlossene Zeit. „Kathrein stellt den Tanz ein“ oder „Kathrein schließt Geig und Bass ein“, diese beiden Sprüchlein kennt man in Bayern noch heute. Nach Kathrein galt das Tanzverbot für die Adventszeit, deshalb war an diesem Tag die letzte Gelegenheit für ausgelassene öffentliche Tanzveranstaltungen. Und noch heute sind an Kathrein ganze Zeitungsseiten mit Anzeigen von Kathreintänzen gefüllt.

Traditionelle Märkte

Doch nicht nur Kathreintänze fanden statt. Beliebte Anziehungspunkte waren auch die Kathreinmärkte, die in zahlreichen Orten abgehalten wurden. Immer mehr Städte und Gemeinden haben diese Tradition in den vergangenen Jahren wieder ins Leben gerufen, darunter Plattling, wo am 20. November ab 10 Uhr der Markt auf dem Stadtplatz öffnet, oder Weiden mit dem traditionellen Kathreinmarkt in der Fußgängerzone.

Das zerbrochene Rad

Der Legende nach lebte Katharina im 3. und frühen 4. Jahrhundert. Sie war die Tochter des Königs Costus von Zypern und wurde durch einen Einsiedler zum christlichen Glauben bekehrt. Nachdem sie sich weigerte, den römischen Kaiser Maxentius zu heiraten, habe er angeordnet, Katharina solle gerädert und gevierteilt werden, doch die Räder brachen und töteten stattdessen die Folterer. Deshalb mussten früher am Kathreintag alle Räder ruhen, kein Spinnrad, Mühlrad oder Wagenrad durfte sich drehen.

Die „geschlossene Zeit“

An Kathrein begann die so genannte geschlossene Zeit – das große Adventsfasten. Es dauerte bis nach der Christmette am Heiligen Abend, doch öffentliche Tanzveranstaltungen und „Lustbarkeiten“ waren erst nach dem Ende der kirchlichen Weihnachtszeit am 6. Januar wieder erlaubt. Allerdings nicht allzu lange, denn schon von Aschermittwoch bis Ostern musste während der Osterfastenzeit das nächste Tanzverbot eingehalten werden.  

Die Stille nach Kathrein

In früherer Zeit war Kathrein auch die letzte Möglichkeit, noch in diesem Jahr zu heiraten („Kathrei spring ma no schnell ei“), denn mit der Hochzeit war ja auch immer ein Tanzvergnügen verbunden. Außerdem sollte man sich in der kommenden Adventszeit, in der nach altem Aberglauben die Geister umherzogen, möglichst unauffällig verhalten, um nicht den Zorn der dunklen Mächte zu erregen. An Kathrein begann die Zeit der Spinnstuben und Rockaroas. Die Frauen und Mädchen kamen in den Stuben zum Spinnen oder Nähen zusammen, und auch die Männer und Burschen haben vorbeigeschaut –so manche Liebschaft hat hier wohl ihren Anfang gefunden.

„Sankt Kathrein lässt den Winter herein“

Nach dem Martinstag war Kathrein der Tag, der nun endgültig den Anfang des Winters ankündigte. Nicht nur für das Großvieh war die Weidezeit zu Ende, auch Hühner und Schafe wurden nicht mehr ins Freie gelassen: „Kathrein stellt die Hut (= das Hüten) ein“ und „Kathrei tuat d’Henna und d’Schaf rei, der Winter ziagt ein“. In manchen Gegenden war es Brauch, die Bienenstöcke an diesem Tag mit Weihwasser zu besprengen, um sie so vor Krankheit zu schützen.

Tag der Wettervorhersagen

Auch als Wetterlostag war der 25. November von Bedeutung. „Wie das Wetter um Kathrein, wird’s den ganzen Winter sein“, lautet eine alte Bauernregel oder „Wie der Tag zu Sankt Kathrein, wird der nächste Februar sein“ (trocken oder nass). Uns so erstaunlich es klingt, meteorologische Aufzeichnungen haben bestätigt, dass diese Wetterregel mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 80 Prozent auch zutrifft.

Champagner zum Namenstag

Die heilige Katharina gehört mit der heiligen Barbara und der heiligen Margaretha zu den Heiligen drei Jungfrauen und seit dem 14. Jahrhundert auch zu den 14 Nothelfern. Nach der Gottesmutter Maria war sie in früherer Zeit die meist verehrte Heilige. Katharina ist unter anderem Patronin der Mädchen, Jungfrauen und Ehefrauen, der Theologen und Gelehrten, der Wagner, Müller Töpfer, Gerber, Spinner, Seiler, Buchdrucker, Schiffer, Anwälte, Notare und Näherinnen. Noch heute heißen die Schneiderinnen in Pariser Modehäusern nach ihr „Cathérinettes“. Und bis heute feiern die Näherinnen dort ihren Namenstag mit Champagner. 
Um ihre Fürbitte betete man bei Zungenleiden und Migräne sowie zur Abwendung eines plötzlichen Todes.

Die Heilige Katharina sollte auch bei der Suche nach Ertrunkenen helfen.

Neben dem 25. November wird in Regensburg auch der 5. Juli, der Tag der Übertragung der Gebeine, als Gedenktag der Heiligen gefeiert.

 

Text: Judith Kumpfmüller

Titelbild: Die mystische Vermählung von Katharina (links) mit Jesus (dem Kind), rechts Barbara, 15. Jahrhundert, in der Kapuzinerkirche in Schwyz in der Schweiz (c) Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon

©Joachim Schäfer - www.Heiligenlexikon.de.

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