Bunt geschmückter Osterbrunnen in der Konradsiedlung.

Brauchtum in Ostbayern: Rekord-Osterbrunnen und „Kannenbaum“

Osterbrunnen – ein „junger“ Brauch


Regensburg, 4. April 2026

In immer mehr Orten in Altbayern kann man um Ostern prächtig geschmückte Brunnen sehen, verziert mit Hunderten von Eiern, bunten Bändern und frischem Grün. Dieser in Niederbayern und der Oberpfalz noch junge Brauch wurde zuvor vor allem in der Fränkischen Schweiz gepflegt. Seit über 100 Jahren werden dort jedes Jahr zur Osterzeit Brunnen und Quellen farbenprächtig dekoriert. 

Unklarer Ursprung

Zum genauen Ursprung des Brauchs gibt es nur wenige, zum Teil widersprüchliche Theorien. Tatsache ist, dass besonders auf der Hochebene der Fränkischen Schweiz zu allen Zeiten das Wasser knapp war, was es deshalb für die Menschen besonders wertvoll machte. Die Quellen sprudelten nur in den Tälern, und so musste das Wasser mit dem „Reef“ – einem Fässchen mit Tragegestell – mit Wasserbutten oder mit dem Ochsengespann mühsam auf die Hochflächen transportiert werden. Mancherorts wurden sogar bis zu hundert Meter tiefe Stollen gegraben, um an das Grundwasser zu gelangen. Trotzdem waren die Bewohner in den Wintermonaten oft vom Wasser abgeschnitten. Im Frühjahr wurden die Brunnen dann gründlich gesäubert, das Wasser konnte wieder fließen und die Menschen sollen sich mit dem Brunnenschmücken für das reine Quellwasser bedankt haben. 

„Brunnenputzen“ und „Brunnenfegen“

Beim „Brunnenputzen“ war die Arbeit früher streng aufgeteilt. Die Burschen übernahmen die Reinigung der Quellen und Brunnen, das sogenannte „Brunnenfegen“, denn erst wenn die Brunnen sauber waren, durfte mit dem eigentlichen Schmücken begonnen werden. Als die Dörfer der Fränkischen Schweiz Mitte des 20. Jahrhunderts an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen wurden, geriet der Brauch der Osterbrunnen in Vergessenheit. Erst in den 1980er Jahren wurde er wieder neu belebt und ist inzwischen auch in anderen Regionen übernommen worden.

Ausflug zum Osterbrunnen

Vor allem in der Oberpfalz erfreut sich diese Tradition wachsender Beliebtheit. Im Landkreis Amberg-Sulzbach werden sogar spezielle Bustouren angeboten. Die Halbtagestour führt nicht nur zu den schönsten Osterbrunnen im Amberg-Sulzbacher Land, von der Reiseleitung erfährt man ganz nebenbei auch viel Wissenswerten über alte Traditionen und Bräuche zu Ostern. Ein Oberpfälzer Osterbrunnen hat es sogar ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft: der mit über 20 000 Eiern geschmückte Brunnen in Sulzbach-Rosenberg. 

Der Kannenbaum

Eine besonders originelle Alternative zum klassischen Osterbrunnen lockt die Besucher nach Schmidmühlen. Um an der Osterbrunnenaktion im Landkreis Amberg-Sulzbach teilnehmen zu können, fehlte der Marktgemeinde eigentlich nur ein eines: Ein Brunnen. Und so kam die Schmidmühlener die Idee, anstatt eines Brunnens einfach einen Baum zu schmücken. Allerdings nicht mit Eiern, die für den 20 Meter hohen Baum ungeeignet wären, sondern mit Gießkannen. Etwas 250 bunte Gießkannen werden seitdem jedes Jahr vor Ostern an die Zweige gehängt, die dann bis Allerheiligen am Baum bei Ortseinfahrt von Schmidmühlen hängen.

 

Text: Judith Kumpfmüller

Bild: Matthias Wille

(to)

Weitere Infos

Mehr Beiträge aus der Reihe Brauchtum und Geschichte in Ostbayern



Nachrichten