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Prof. Knoll: so nötige Nähe!

Corona und der Gott der Liebe

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Am Montagabend hat Prof. Dr. Alfons Knoll die neue Reihe „Corona und der liebe Gott“ eröffnet. Die Produktion der Katholischen Erwachsenenbildung, des Akademischen Forums Albertus Magnus und der Bischöflichen Presse- und Medienabteilung des Bistums Regensburg fand im virtuellen Raum statt, war aber in ihrem ersten Durchgang sehr substantiell und regte nach dem Vortrag des Fundamentaltheologen zu sehr ernsthaften Diskussionen an. Der Vortrag trug den Titel: „Alles erschüttert? Religion, Offenbarung und Kirche in der Corona-Krise.“ Wolfgang Stöckl, Bischöflicher Beauftragter für Erwachsenenbildung, hob die Bedeutung der neuen Reihe hervor. Prof. Dr. Sigmund Bonk, Direktor des Akademischen Forum Albertus Magnus, würdigte die Fundamentaltheologie Prof. Knolls, der an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Regensburg lehrt. Die Moderation lag bei der Germanistin und Theologin Julia Wächter, die als Redakteurin der Medienabteilung wirkt.

Übel „in die Schuhe schieben“

Die Problematik brachte Prof. Knoll zu Beginn auf den Punkt: „Unsere Mitmenschen können uns anstecken. Wir müssen auf Distanz gehen, obwohl wir ihre Nähe doch so nötig hätten.“ Der Theologe fragte, warum Gott eine Welt schaffen sollte, in der so etwas vorkommt. Wenn alles von Gott stammt, habe er auch diese Übel geschaffen oder doch zugelassen. Er habe direkt oder indirekt das Corona-Virus geschaffen. Im Monotheismus gebe es keine andere Instanz, der man dieses Übel „in die Schuhe schieben“ könnte. Prof. Knoll verwies auf die Religion. Sie sehe sich nämlich nicht als Problem, sondern als Lösung des Problems im Verhältnis zu Gott. „Ohne Gott ist erst recht keine Lösung“, und das Vertrauen in Naturwissenschaft, Medizin, Technik und noch mehr sei wichtig, „ja sogar grandios“. Aber all dies Menschenmögliche könne nicht das Virus ausrotten, sondern allenfalls besser leben helfen. Dr. Knoll: „Dass es die Welt gibt, in der es Pandemien gibt, damit sind wir alle konfrontiert.“ Halt böten hier die Religionen (ob alle gleich, das hänge von den Perspektiven der Religionen ab).

Leid nicht? Auch ich nicht

Im Weiteren sprach Theologe Knoll von Hiob, dem Leidensmann, dessen Geschichte im Alten Testament berichtet wird. Demnach können Gottes Wege nicht wirklich durchschaut werden. Gott ist mitten im Leid da. Und zu überlegen ist schließlich: Gäbe es das Leid nicht – auch mich gäbe es nicht … Hiob allerdings erfährt Gott als das Gegenüber, auf den er sich unbedingt und für alle Zeiten verlassen kann.

Verschwörungstheorien …

Im Übrigen gab A. Knoll zu bedenken: Wenn Gott nicht mehr Fluchtpunkt in dieser Situation ist, würden andere Punkte dies übernehmen: Macht, Verschwörungstheorien … Covid könne nur mit Gott, nicht jedoch gegen Gott bewältigt werden – „das ist nicht zwingend, kann sich aber sehen lassen“, sagte der Fundamentaltheologe. Es gelte, in Gott den letzten Halt zu finden und uns nach ihm auszustrecken. Gott selbst hat insofern versucht, im Kreuz alle Übel der Welt einzuholen.

Nach diesen grundlegenden Gedanken fragte Prof. Dr. Alfons Knoll, ob „unsere christliche Erfahrung durch Corona erschütterbar ist“. Wir müssten Menschen verstehen, die angesichts des Kreuzes nicht getröstet werden, aber auch erkennen, dass Gott abgrundtief Liebe ist: „Was uns als Liebe an sich zieht, in diesem Punkt ist das Christentum ganz bei sich selbst“, sagte der Professor.

Gott ziehe den Menschen aus seiner Wirklichkeit heraus. Für den Menschen geht es dabei um das Wagnis der Liebe. Weder einzeln noch gemeinsam werden wir die Not der Welt besiegen können. Es gelte aber, in der Religion den letzten Halt zu finden – zum Beispiel in der momentanen Coronakrise.

Von digitalen Basiliken

Im dritten und letzten Gang sodann wählte der Vortragende den pastoralen und den anthropologischen Blickwinkel. In diesem Sinne hätten wir nämlich auch erlebt, „dass es schwieriger wird, Kirche zu sein“, denn manches – Bibelkreise und noch viel mehr – wurde abgesagt. Knoll kritisch: „Kann man sich in digitalen Basiliken versammeln? Und: Sind Kirchengebäude in Zukunft noch entbehrlicher?“ Er erinnerte daran, dass Romano Guardini und Karl Rahner vor der Übertragung der Messen gewarnt hatten.

Atmen und sich räuspern

Nach dem Quantensprung bei der Anwendung der Digitalisierung wissen wir nun auch, wo ihre Grenzen liegen, auch was das kirchliche Leben betrifft. Versammlung heiße schließlich nicht zuletzt, „aus dem eigenem Nest hinauszugehen, zu atmen, sich zu räuspern, eine Erfahrung, die durch nichts zu ersetzen ist“. Kirche ist reale Gemeinschaft. Also sollte nicht nur von der Erschütterung der Kirche gesprochen, sondern ihr Wesen konkreter gemacht werden. Dies sollte durchaus leibhaft, nahe und an den Sorgen der Menschen orientiert geschehen.

Nicht erst Corona kratzt sozusagen an der Gottesfrage. Immer wieder sei neu zu erkennen, was es heißt, von Gott her Halt zu finden. Nicht nur Corona im Verhältnis zum lieben Gott ist zu betrachten, sondern, letztlich: Corona und der Gott der Liebe.