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Prof. Dr. Alexander Fried ist verstorben

Der Jude und der Mönch aus Melk

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Tirschenreuth / Weiden / Wien / Amberg, 20. Dezember 2022.

In der vergangenen Woche, am 12. Dezember 2022, ist der bekannte jüdische Historiker Prof. Dr. Alexander Fried im 98. Lebensjahr in Weiden verstorben. Er wurde am Dienstag, 20. Dezember, auf dem Jüdischen Friedhof in Amberg begraben. Sein Leben war auch durch die akademische Beziehung zu dem Benediktinerpater Prof. Dr. Hugo Hantsch geprägt, der ihn 1953 in seinen Schülerkreis aufgenommen und 1956 an seiner Promotion im Fach Geschichte in Wien mitgewirkt hatte. Fried hatte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs keine Zukunft mehr in Prag gesehen, wo ein spätstalinistischer Antisemitismus wirkte, der sich etwa im Slansky-Prozess, einem Schauprozess, ausdrückte. P. Hugo Hantsch war Mönch im niederösterreichischen Stift Melk und der Doyen der österreichischen Geschichtswissenschaft der Nachkriegszeit. Er kümmerte sich um den jungen Alexander Fried in Not. A. Fried hatte wenige Jahre zuvor den Holocaust überlebt - durch viel Glück und Fügung. Einen Tag vor Kriegsende in Europa, am 7. Mai 1945, hatte Fried seinen 20. Geburtstag.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte A. Fried nach einem abwechslungsreichen und erfüllten Leben in Tirschenreuth. Im Februar 2016 heiratete er Dr. Dorothea Wojciechowski-Fried, die aus einer jüdischen Familie stammt, in Weiden. Im Dezember 2018 erhielt Prof. Fried das Bundesverdienstkreuz aus der Hand des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Berlin. Im Raum Tirschenreuth und Weiden sowie überhaupt in der Oberpfalz und darüber hinaus unterhielt Prof. Fried viele persönliche Freundschaften.

Kulturdezernent des Zentralrats der Juden

Fried arbeitete nach der Promotion an der Universität Wien u.a. als Kulturdezernent des Zentralrats der Juden in Düsseldorf (1960-64); in Wien hatte er außerdem Unterricht im Hebräischen erteilt. Er lehrte als Associate Professor of History and Chairman des Departement of History des Prince of Wales College in Charlottetown in Kanada und, wenige Jahre nach der Konzilserklärung von 1965 „Nostra Aetate“, als Associate Professor an der katholischen Mount St. Vincent University im kanadischen Halifax, ein Engagement, das auch sein Doktorvater unterstützt hatte. Das Thema der Dissertation bei P. Hugo Hantsch, einem Sudetendeutschen aus Teplitz-Schönau (1895-1972), war die Tätigkeitsperiode von Tomas Garrigue Masaryk als österreichischer Politiker im Wiener Parlament von 1891 bis 1893. Masaryk war später der erste Präsident der Tschechoslowakei.

Aufgewachsen in der Slowakei

Fried war 1925 in Korolewo in Transkarpatien geboren, das damals zur Tschechoslowakei gehörte und heute in der Ukraine liegt. Er wuchs in Sillein in der Slowakei auf. Da A. Fried, dessen Mutter und zahlreiche weitere Verwandte ermordet worden waren, drei Konzentrationslager und einen Todesmarsch überlebt hatte, hatte er in die Abgründe der Unmenschlichkeit geblickt. Diese Erfahrung hat sein Leben geprägt. Trotzdem hat er in vielen Jahren immer wieder öffentliche Vorträge, nicht zuletzt an Schulen, über diese seine Erfahrungen sowie über die Notwendigkeit von Versöhnung und Humanität gehalten, damit sich ein nationalsozialistischer Terror nicht wiederholt. Nicht zuletzt für seine Friedensarbeit wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Biographie: Dos Pintele jid

Alexander Fried war ein hochgebildeter, viele Sprachen sprechender und vor allem: ein gütiger Mensch. Noch 2016 reiste er im Alter von 91 Jahren nach Wien, wo er im Melker Hof bei einer Buchvorstellung, die das Stift Melk organisiert hatte, über seinen akademischen Lehrer P. Hugo Hantsch OSB in Anwesenheit des Rektors der Universität Wien sprach. Im Melker Hof hatten stets die Privatissima P. Hugo Hantschs mit den Doktoranden stattgefunden. Hugo Hantsch war nach dem März 1938 in mehreren Konzentrationslagern interniert. Übrigens war er Mitglied der katholischen Verbindung Ferdinandea im Cartellverband (CV), die in Prag gegründet wurde und die heute in Heidelberg existiert.

Der Journalist Jürgen Herda hat in den vergangenen Jahren nach zahlreichen Gesprächen mit Prof. Dr. Fried und Dr. Dorothea Wojciechowski-Fried eine Serie von journalistischen Beiträgen verfasst, die in oberpfälzischen Medien veröffentlicht wurden. Bereits 2014 hatte Ulrike Wendt die Biographie des A. Fried in dem Band „Dos Pintele jid“ veröffentlicht. „Dos Pintele jid“ lässt sich nur unter Bedeutungsverlusten übersetzen. Jedenfalls bedeutet es tatsächlich etwas wie „das jüdische Pünktchen“ - das den Unterschied ausmacht, oder doch einen Unterschied ausmacht. 

Text: Prof. Dr. Veit Neumann; Fotos von Stift Melk: C.Stadler/Bwag

Weitere Infos

Literatur zu dem Thema: Neumann, Veit, Hugo Hantsch und sein jüdischer Schüler Alexander Fried. Die Bedeutung des akademischen Lehrers in Wien für den slowakischen Überlebenden der Shoah, in: Glaßner, Gottfried OSB, Niederkorn-Bruck, Meta (Hg.), Universität und Kloster. Melk als Hort der Wissenschaft im Bannkreis der Universität Wien – fruchtbarer Austausch seit 650 Jahren, Thesaurus Mellicensis Bd. 3, Melk 2016, S. 275-284.