Junge Männer und Bischof Voderholzer stehen vor Weihnachtskrippe

Priesterseminaristen aus Evron besuchen Bischof Voderholzer

Unter dem Zelt Gottes


Regensburg, 4. Januar 2026

„Die Krippe ist ein Medium der Verkündigung“, erklärte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer seinen Gästen aus Frankreich zur Begrüßung. Er traf am gestrigen Sonntagvormittag fünf deutschsprachige Priesterseminaristen aus St. Martin, Evron in Frankreich und ihre Eltern. Mit ihnen feierte er die Heilige Messe in der Hauskapelle des Bischöflichen Ordinariats. Anschließend führte er die Gäste durch die Krippensammlung der Diözese.

Die Ursprünge, die zur Ausprägung des Krippenbrauches geführt haben, sind durch die wenigen Andeutungen in Texten des Evangeliums bzgl. der Geburt Christi gegeben und ermächtigen zu einer großen Vielfalt, erläuterte Bischof Rudolf Voderholzer in seiner Predigt. Das Lukasevangelium gibt lediglich den Hinweis, dass Josef und Maria das Christuskind in eine Krippe legten und es in Windeln wickelten. Wo das genau stattgefunden hat, wird nicht gesagt. Das Matthäusevangelium spricht von einem Haus. Auch das Tagesevangelium nach Johannes (Joh 1,1–5. 9–14) trage ein Detail dazu bei: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt …“ Das lateinische „habitare“, also „wohnen“ bedeute im griechischen Sprachgebrauch „Zelt“. „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns ein Zelt aufgeschlagen – hat unter uns gezeltet“. Hier soll nicht der falsche Eindruck vermittelt werden, so der Bischof, Gott sei im Urlaub in einem Zelt unter uns gekommen, habe gecampt. Vielmehr müsse man den gesamtbiblischen Themenkomplex des Zeltes bedenken: Zum einem die provisorische Behausung des Zeltes Israels beim Auszug aus Ägypten, zum anderen vor allem das Bundeszelt: die Gesetzestafeln werden im Zelt mitgeführt und werden durch König Salomo in den Tempel zu Jerusalem überbracht. Gott hat durch sein in Stein gemeißeltes Wort seine Gegenwart und seine Weisungen dem Volk Israel geschenkt. Wenn nun das Johannesevangelium sagt, „das Wort ist Fleisch geworden“, so heißt das, dass sein Gebot und sein Beziehungsangebot nicht mehr in Stein gehauen vorliegen, sondern als Mensch und Menschenbruder, der allen uns gleich geworden ist, außer der Sünde. Das ist das große Thema des Zeltes: Er geht alle unsere Wege mit in dieser provisorischen Behausung, um uns einmal eine ewige Wohnung beim Herrn zu bereiten. Der Begriff des Zeltes hat sich in der Ausgestaltung unserer Kirchen fortgesetzt, denn, so die Erläuterung von Bischof Rudolf, sei der verschließbare Aufbewahrungsort für das Allerheiligste das „Tabernakulum“, was aus dem Lateinischen übersetzt, wiederum das „Zelt“ bedeute. Er hat unter uns sein Zelt aufgeschlagen und dieses Zelt ist weiterhin in der Mitte unserer Kirchen präsent, denn er hat uns seine Gegenwart in der Feier der Eucharistie zugesagt, so der Bischof abschließend.

Direkt nach der Feier der Heiligen Messe führte Bischof Rudolf die Gruppe durch die Krippensammlung im Bischöflichen Ordinariat. „Die Krippe ist keine Weihnachtsdekoration“, bekräftigte Bischof Rudolf und erläuterte zunächst seine private Krippe im Refektorium. Diese Krippe bekam er zu seiner Bischofsweihe geschenkt, sie ist mehrere Meter lang und wird stets um weitere Figuren und biblische Szenen erweitert. 

Auf zwei Stockwerken befinden sich zahlreiche Schätze religiöser Volkskunst. So befinden sich u. a. in einer Vitrine rund 400 Figuren einer Jahreskrippe, gefertigt aus Zirbenholz. Bischof Rudolf erläuterte die unterschiedlichen Materialien der Krippen, die von Holz und Stein über Glas bis hin zu Metall und Kunststoff reichen. Ebenso informierte er die begeisterten Priesterseminaristen über die Herkunft der Krippen, etwa aus Italien oder Südamerika. Die jungen Gäste und ihre Eltern bestaunten die umfangreiche Sammlung und die Vielfalt der Krippen in der Sammlung.

Die deutschen Priesterseminaristen von St. Martin und ihre Eltern treffen sich jedes Jahr in den Weihnachtsferien. „Wir pflegen diese Tradition seit Jahren“, erklärte Familie Haunschild aus Regensburg. Ihr Sohn Thomas besucht das Seminar in Evron, daher kam heuer der Kontakt nach Regensburg zustande. Die Familien reisten bereits am Samstag an und trafen sich in einem Hotel in Bad Gögging. Dorthin kamen am Sonntagnachmittag noch weitere Seminaristen. 

Die Gemeinschaft Saint-Martin wurde 1976 gegründet. Seit 2000 ist sie eine „öffentliche klerikale Vereinigung“ aus Priestern und Diakonen und direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt. Das Mutterhaus der katholischen Priestergemeinschaft liegt in der kleinen Gemeinde Evron in Frankreich. Derzeit leben über 100 Seminaristen in der Gemeinschaft, die in fünf Ländern präsent ist, darunter auch Deutschland und Österreich. Sie stellt vor allem viele Priester in Frankreich. Die Chorgebete erfolgen auf Latein, die Gemeinschaft St. Martin pflegt zudem den gregorianischen Gesang. Eine kleine Kostprobe davon gaben die Seminaristen am Samstagvormittag auch bei der Feier der Heiligen Messe. 

Text und Fotos: Claudia Erdenreich
(jas)



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