Äthiopischer Codex mit Buchmalerei

Äthiopiens katholische Bischöfe mahnen dringend zum Frieden

Gegen Krieg und Gewalt


Addis Abeba / Regensburg, 6. Januar 2026

Angesichts von Krieg, politisch-religiösen Konflikten und wachsender Gewalt haben die katholischen Bischöfe Äthiopiens öffentlich Stellung bezogen. Zum Abschluss ihrer Vollversammlung riefen sie zu Mut, Dialog und Frieden auf.

„Unser Land ist mit Schmerz getränkt“, schreiben Äthiopiens Bischöfe mit Blick auf Bürgerkrieg, lokale Gewalt sowie Konflikte, die religiös, ethnisch und politisch begründet seien. Frieden sei nicht allein die Abwesenheit von Krieg, „sondern die Gegenwart von Gerechtigkeit und das Aufblühen der menschlichen Würde“. Die Bischöfe verweisen auf wirtschaftlichen Zusammenbruch, Vertreibung, ethnischen Hass und eine zunehmende Radikalisierung öffentlicher Debatten in Äthiopien.

„Unser größtes Versagen könnte unsere Unfähigkeit zum Dialog sein“, so die Bischöfe. Sie beschreiben eine Gesellschaft, in der Menschen einander nicht mehr zuhören und sich in ideologischen Lagern gegenüberstehen. Diese Entwicklung gefährde den Gemeinsinn. „Wir riskieren, den Sinn für das Gemeinwohl zu verlieren – dafür, dass das Wohlergehen jedes Einzelnen mit dem Wohlergehen aller verbunden ist.“

Spannungen mit Eritrea

Hintergrund des Schreibens ist die angespannte Sicherheitslage am Horn von Afrika. Anfang Dezember hatte Premierminister Abiy Ahmed dem Nachbarland Eritrea offen damit gedroht, den Hafen Assab unter Kontrolle Äthiopiens zu bringen. In einem Grenzkrieg zwischen den beiden Staaten Ende der 1990er Jahre hatte Äthiopien seinen Zugang zum Meer verloren. Zudem ist die Gewalt in der nördlichen Region Tigray an der Grenze zu Eritrea nicht unter Kontrolle. Zwar setzte ein Waffenstillstand 2022 dem dortigen Bürgerkrieg ein Ende, dennoch sind in der Region nach wie vor viele bewaffnete Gruppen und lokalen Angaben zufolge Soldaten aus Eritrea aktiv. 

Mindestens zwei Millionen Menschen wurden durch den Konflikt zu Binnenvertriebenen oder Flüchtlingen. Die Lage dieser Landsleute greifen die katholischen Bischöfe Äthiopiens in ihrer aktuellen Stellungnahme auf. Viele Äthiopier seien gezwungen, „ein prekäres Leben im Ausland“ zu führen. „Als Kirche können wir angesichts dieses Leidens nicht schweigen“, erklären die Bischöfe. Die Kirche sei berufen, „Werkzeug des Friedens zu sein, für die Sprachlosen einzutreten und unermüdlich für Versöhnung zu arbeiten“.

„Eltern sehen hilflos zu, wie ihre Kinder hungrig zu Bett gehen“

Die Bischöfe verurteilen überdies Hunger in einem an sich ressourcenreichen Land. Auch auf die Folgen des Klimawandels verweisen sie, auf Dürren und Umweltzerstörung. Für viele Familien sei „das tägliche Leben unerträglich geworden, steigende Preise machen Grundnahrungsmittel zu einem Luxus. Eltern sehen hilflos zu, wie ihre Kinder hungrig zu Bett gehen.“ Dies sei die Folge von Verstößen gegen die katholische Soziallehre, der zufolge wirtschaftliche Strukturen der Menschenwürde dienen müssen.

Die Erklärung entstand am Ende der Vollversammlung der Bischofskonferenz, die von 8. bis 10. Dezember tagte, der Agentur aciafrica aber erst am 4. Januar vorlag. Sie richtet sich ausdrücklich nicht nur an Klerus und Katholiken, sondern an „alle Menschen guten Willens“, und steht unter dem mehrfach wiederholten Leitwort „Fürchtet euch nicht“. Dieser Aufruf sei kein Verdrängen der Realität, betonen die Bischöfe. „Wir verkünden dies nicht als Leugnung des tiefen Leidens und der Angst, die unser Land ergreifen, sondern als glaubensvolle Bekräftigung, dass Gott mit uns ist.“

Erstmals Verlesung in den Kirchen

Auffällig ist nicht nur der Inhalt, sondern auch die Form der Veröffentlichung. Die Bischöfe haben veranlasst, dass die Botschaft in den Pfarreien verlesen wird. Ein mit der Kirche in Äthiopien vertrauter Missionsmitarbeiter bezeichnete gegenüber aciafrica diesen Schritt als neu. „Die Tatsache, dass die katholischen Bischöfe die Erklärung verbreiten und bitten, sie in den Pfarrmessen zu verlesen, ist etwas Neues“, sagte er. Die Kirche habe sich früher sehr zurückhaltend gezeigt. „Vielleicht ist dieses ‚Fürchtet euch nicht‘ ein neuer Anfang für eine marginale Kirche.“

Äthiopien hat Schätzungen zufolge etwa 130 Millionen Einwohner. Die katholische Kirche stellt eine kleine Minderheit von unter einem Prozent der Bevölkerung dar. Der überwiegende Teil der Christen gehört der äthiopisch-orthodoxen Kirche an.

Text: Vatican News

(sig)



Nachrichten