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Postulator Dr. Nicola Gori über Bischof Georg Michael Wittmann

Seit drei Jahren “ehrwürdiger” Diener Gottes

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Regensburg, 28. November 2022

Vor drei Jahren wurde Georg Michael Wittmann (1760 - 1833) der heroische Tugendgrad verliehen, er wurde von Papst Franziskus zum ehrwürdigen Diener Gottes ernannt. Über den Regensburger Priester und Bischof schreibt Dr. Nicola Gori. Er ist seit 2022 Postulator der Causa Bischof Wittmann. In enger Zusammenarbeit mit der Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse beim Bischöflichen Konsistorium Regensburg will er das Seligsprechungsverfahren weiter voranbringen und durch Anerkennung eines Wunders zum Abschluss bringen.

Papst Franziskus hat am 28. November 2019 Bischof Georg Michael Wittmann (1760- 1833) für “ehrwürdig” erklärt. Damit wurden die heldenhaften Tugenden dieses Regensburger Priesters gewürdigt, der sein Leben ganz in den Dienst der kirchlichen Gemeinschaft gestellt hat. Anlässlich des dritten Jahrestages seiner Ernennung zum ehrwürdigen Diener Gottes hielt ich es als neuer Postulator der Sache für angebracht, einige Überlegungen zu äußern.

Wittmann war ein echter Hirte im Dienste seiner Herde. Er war es mit seinem Wort, mit seiner Predigt, mit dem Zeugnis seines Lebens und mit seiner caritativen Tätigkeit. Er war ein Priester, der die Pflicht, die ihm anvertrauten Seelen zu retten, als Verantwortung empfand. Sein Hauptziel war es, seine Zeitgenossen zu einer Begegnung mit Christus und seiner Freundschaft zu führen, um das Reich Gottes auch in den Herzen der Fernsten zu verankern. Aus heutiger Sicht könnte man sagen, dass er sich um die Bedürftigsten kümmerte, um diejenigen, die von der Gesellschaft verstoßen wurden, wie die Armen, die ihrem Elend überlassen wurden. Er begab sich an jene existenziellen Randgebiete, auf die Papst Franziskus oft verweist.

Er war ein Priester, der sich um die Ausgestoßenen der Gesellschaft kümmerte, und war zusammen mit der seligen Karolina Maria Theresia von Jesu Gerhardinger (1797-1879) Mitbegründer der Kongregation der Armen Schulschwestern Unserer Lieben Frau. Wittmanns Arbeit ist noch bedeutsamer, wenn man den historischen Kontext betrachtet, in dem der Bischof sie durchführte. Es war 1809, als infolge der Erstürmung Regensburgs durch napoleonische Truppen das katholische Schulwesen der Stadt zusammengebrochen war. Wittmann, der über den Augenblick hinausblickte, wählte drei seiner besten Schülerinnen (darunter Gerhardinger) aus, um sie auf das Unterrichten vorzubereiten. Er war sich bewusst, dass politische, wirtschaftliche und soziale Situationen vorübergehen, aber Christus für immer bleibt. Mit großem Einfühlungsvermögen legte er den Grundstock für eine Zukunft, für eine damals höchst notwendige Aufgabe: die Erziehung neuer Generationen. Als sich die politische Situation in Bayern änderte und die Gründung von Nonnenschulen wieder erlaubt wurde, hatte Wittmann die Idee, eine neue Ordensgemeinschaft zu gründen, die sich in besonderer Weise der schulischen Bildung der Kinder widmen sollte.

Auch wenn die Erziehung der Jugend zu den Prioritäten des ehrwürdigen Dieners Gottes gehörte, konzentrierte sich seine Arbeit auch stets auf die Ausbildung des Klerus, denn ab 1802 war er Regens des Priesterseminars, ein Amt, das er über 30 Jahre lang innehatte. Er war für viele junge Männer auf dem Weg zum Priestertum ein wahrer Vater und Lehrer. Man schätzt, dass er etwa 1.500 von ihnen zur Priesterweihe begleitet hat.  Eine der Herausforderungen für die Kirche ist damals wie heute die Ausbildung der Priesteramtskandidaten. Um die Größe der priesterlichen Berufung und Sendung, die Unvorhersehbarkeit und den Reichtum des menschlichen und christlichen Lebens zu begreifen, die eine ständige Weiterbildung erfordern, die im Seminar zwar beginnt, aber das ganze Leben hindurch andauert, wollte er die Seminaristen Christus ähnlich machen.

Er wollte bei den Kandidaten die Freundschaft mit Jesus, der Quelle der Freude und der Hoffnung eines jeden Christen, stärken, indem er den Seminaristen half, die Hindernisse, die beim Wachstum des geistlichen Lebens auftreten, besser zu verstehen. Als Regens versuchte er, das richtige Gleichgewicht zwischen Aktion und Bildung des Herzens zu finden. Er wollte den neuen Priestern die notwendigen Fähigkeiten vermitteln, um Christus auch in den schwierigsten Kontexten zu finden. Dazu wollte Wittmann eine solide geistliche Ausbildung gewährleisten, die die Grundlage für die gesamte seelsorgerische Tätigkeit der Neupriester sein sollte. Für ihn war der Vorrang des Geistes und des Gebetes ein grundlegendes Element, ohne das kein geistliches Handeln möglich ist. Der ehrwürdige Diener Gottes wollte Priester nach dem Vorbild Christi und keine Funktionäre.

Ein weiterer Aspekt, der das Leben des Bischofs kennzeichnete, war seine glühende Nächstenliebe. Sein großer Mut, seinen Mitbürgern während der Erstürmung Regensburgs durch französische Truppen am 23. April 1809 zu helfen, ist in den Chroniken der Zeit erhalten geblieben. Damals verfolgten französische Truppen unter der Führung Napoleons die Österreicher und belagerten die Stadt.

In diesen dramatischen Momenten, unter dem Beschuss durch Kanonenkugeln zeigte der Bischof große Nächstenliebe. Als die Brände den südlichen Teil Regensburgs erfassten, setzte Wittmann unter Mithilfe der Seminaristen alles daran, so viele Menschen wie möglich aus den Flammen zu retten und in unbeschädigten Gebäuden in Sicherheit zu bringen. Da sich das Priesterseminar ebenfalls in dieser Gegend befand, galt seine erste Sorge der Sicherheit der Seminaristen. Indem er sein eigenes Leben riskierte, konnte er viele seiner Mitbürger vor dem Tod bewahren. Er handelte in der Gewissheit des Glaubens.  Er verließ sich auf die Vorsehung und scheute sich nicht, sich unermüdlich für das Wohl der anderen einzusetzen, angetrieben von einer Nächstenliebe, die ihr Fundament im Herzen Christi fand.

Um die Figur des Bischofs besser kennen zu lernen, empfehlen wir den neuen Film "Georg Michael Wittmann - Bischof einer Zeitenwende". Unter anderem sprechen im Film Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, der Professor für Kirchengeschichte Dr. Klaus Unterburger sowie Schwester Annemarie Bernhard von den Armen Schulschwestern in München. „Durch diesen Film soll der ehrwürdige Diener Gottes weltweit bekannt gemacht und besonders der jüngeren Generation als vorbildlicher Priester und Bischof sowie als ‚guter Hirte‘ vorgestellt werden“, sagt Domvikar Schwager, Leiter der Abteilung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse im Bistum Regensburg.

Bischof Wittmann

Der Film auf Englisch.

Es bleibt nichts anderes übrig, als das Beispiel dieses ehrwürdigen Dieners Gottes zu bewundern und ihn um seine Fürbitte anzurufen, damit der Herr auf seine Fürsprache uns ein Wunder schenke und die Kirche ihn seligsprechen kann.

(mk)

Weitere Infos

Gebetserhörungen melde man bitte an:

Domvikar Msgr. Georg Schwager
Obermünsterplatz 7
D-93047 Regensburg
georg.schwager(at)bistum-regensburg.de