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Zur Neuigkeit
Person der Woche: Pia Weiland, Schiftführerin Verein zur Förderung religiöser Volkskunst e.V.
Ein Institut für ein fast vergessenes Kulturerbe
Regensburg, 27. Februar 2026
Im Rahmen unserer Reihe „Person der Woche” stellen wir jede Woche interessante Persönlichkeiten aus dem Bistum Regensburg und darüber hinaus vor. In diesem Interview geht es um die Eröffnung des neuen “Instituts für religiöse Alltagskultur”. Im Interview erläutert Kunsthistorikerin Pia Weiland, die zugleich Schriftführerin des Fördervereins ist, warum die Eröffnung des Instituts für religiöse Alltagskultur einen entscheidenden Meilenstein darstellt, welche Bedeutung die wissenschaftliche Erschließung und Vermittlung religiöser Volkskunst für das Verständnis europäischer Kulturgeschichte besitzt und weshalb die Bewahrung dieses kulturellen Erbes eine zentrale Aufgabe für kommende Generationen ist.

Was bedeutet die Eröffnung des Instituts für religiöse Alltagskultur für den Verein zur Förderung religiöser Volkskunst?
Die Eröffnung des Instituts für religiöse Alltagskultur ist für unseren Verein ein entscheidender Meilenstein. Mit ihr kann unsere eigentliche Arbeit nun konkret beginnen. Unser Vereinszweck besteht ja darin, dieses Institut ideell und finanziell zu fördern, und erst mit seiner Eröffnung gibt es also den institutionellen Rahmen, den wir unterstützen können.
Jetzt können wir gezielt dazu beitragen, dass wissenschaftliche Arbeitsplätze eingerichtet, Werkstätten ausgestattet, Sammlungsbestände bearbeitet und Bildungsangebote umgesetzt werden. Die operative Arbeit liegt beim Institut. Unsere Aufgabe ist es, die notwendigen Mittel einzuwerben, Öffentlichkeit zu schaffen und langfristige Unterstützung zu sichern.
Dabei ist das Projekt in hohem Maß auf Spenden angewiesen. Da kirchliche und öffentliche Mittel begrenzt sind, sind private Förderer und Unterstützer unverzichtbar. Nur durch diese finanzielle Hilfe kann die nachhaltige Betreuung der inzwischen rund 5300 Objekte umfassenden Sammlung gewährleistet werden.
Kurz gesagt: Mit der Eröffnung beginnt für uns die konkrete Förderarbeit. Wir setzen uns dafür ein, die notwendigen Ressourcen zu mobilisieren, damit dieses bedeutende Kulturgut bewahrt, erforscht und vermittelt werden kann und dass das damit verbundene Wissen nicht verloren geht.
Der Verein möchte auch die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit des Instituts unterstützen. Welche Rolle spielt dabei die Vermittlung an jüngere Generationen, die mit diesen Formen religiöser Alltagskultur oft nicht mehr vertraut sind?
Die Vermittlung an jüngere Generationen ist ein zentrales Anliegen sowohl des Instituts als auch des Vereins. Religiöse Volkskunst erzählt Geschichten von Glauben, Hoffnung und den Traditionen vergangener Generationen. Wenn junge Menschen diese Zeugnisse entdecken, erhalten sie einen lebendigen Zugang zur Geschichte und zu ihren kulturellen Wurzeln. Viele (junge) Menschen denken heute, religiöse Volkskunst habe nichts mehr mit ihnen zu tun, etwa weil sie sich mit der Kirche nicht verbunden fühlen. Doch diese Objekte sind weit mehr als historische Artefakte. Sie sind Ausdruck gelebten Glaubens und zugleich Vermittler dieses Glaubens. Über Generationen hinweg haben sie religiöse Inhalte anschaulich gemacht, Glaubensvorstellungen weitergegeben und spirituelle Orientierung geboten.
Darüber hinaus spiegeln sie kulturelle Identität, Tradition und gesellschaftliche Entwicklungen wider. Gerade deshalb können sie auch heute noch relevant sein: Sie eröffnen Zugänge zu religiösen Fragen, machen Glauben sichtbar und greifbar und helfen, die eigenen Wurzeln besser zu verstehen. Indem wir die Bildungsarbeit des Instituts fördern, tragen wir dazu bei, dass religiöse Volkskunst nicht nur bewahrt, sondern auch als lebendiger Glaubens- und Kulturvermittler wahrgenommen wird. Wir möchten das Institut dabei unterstützen, Interesse zu wecken und zu zeigen, dass diese Objekte nicht nur historische Relikte, sondern Ausdruck gelebter Spiritualität und Kreativität sind. So wird kulturelle Identität gestärkt und das Bewusstsein für den Wert dieses Erbes geschärft.
Religiöse Volkskunst dokumentiert nicht nur Glauben, sondern auch kulturelle Identität und gesellschaftliche Entwicklung. Welche neuen Perspektiven eröffnet die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesen Objekten für das Verständnis europäischer Kulturgeschichte?
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit religiöser Volkskunst ermöglicht es, Kulturgeschichte auf sehr anschauliche Weise zu verstehen. Beispiel dafür lieferte kürzlich ein Vortrag bei uns im Verein von Klemens Unger über „Die Krippe in der Grotte – Bethlehem in Europa“.
Er zeigte, dass die Darstellung der Geburtsgrotte Jesu nicht nur in Bethlehem selbst, sondern auch in zahlreichen europäischen Nachbildungen wie in Schönbühel, Prag oder Grüssau über Jahrhunderte hinweg gepflegt wurde. Diese Nachbildungen erzählen nicht nur von religiösem Brauchtum, sondern auch von politischer und kultureller Vernetzung: Adlige und geistliche Orden kannten die heiligen Stätten, kopierten sie in Europa und nutzten sie zur Andacht und spirituellen Bildung. Solche Beispiele zeigen, dass religiöse Volkskunst nicht isoliert betrachtet werden kann. Die Objekte spiegeln Glaubensleben, soziale Strukturen, Kunstgeschichte und kulturelle Identität wider. Eine Zusammenfassung dieses Vortrags kann man auf unserer Webseite lesen.
Durch die wissenschaftliche Untersuchung religiöser Volkskunst wird deutlich, wie eng Alltagskultur, Spiritualität und europäische Kulturgeschichte miteinander verwoben sind.
Genauso sollte Kulturgeschichte nicht nur aus der Perspektive großer Ereignisse oder berühmter Kunstwerke betrachtet werden, sondern auch aus dem Blickwinkel des Alltäglichen. Das eröffnet neue, differenzierte Perspektiven auf die Identität und die kulturelle Entwicklung in Europa.
Mit Blick auf die Zukunft: Welche Ziele verfolgt der Förderverein in den kommenden Jahren, insbesondere im Hinblick auf eine stärkere Verankerung im öffentlichen Bewusstsein?
Für uns als Förderverein ist es ein zentrales Ziel, die Öffentlichkeit auf das Institut für religiöse Alltagskultur aufmerksam zu machen und zugleich auf den Verein zu verweisen, der versucht, diese Arbeit finanziell zu ermöglichen.
Wir möchten, dass religiöse Volkskunst nicht auf Dachböden verstaubt oder in Vergessenheit gerät, sondern wieder dorthin kommt, wo sie hingehört: zu den Menschen. Das Institut möchte religiöse Volkskunst durch Ausstellungen, Publikationen, Vorträge und Bildungsangebote erlebbar machen und verdeutlichen, wie eng Kunst, Glauben und Kulturgeschichte miteinander verbunden sind.
Kurz gesagt: Unser Ziel ist es, dazu beizutragen, Volkskunst als lebendiges Kulturerbe in die Gesellschaft zu bringen und ihre Bedeutung sichtbar zu machen.
Die Fragen stellte Dr. Stefan Groß
Text: Pia Weiland, Kunsthistorikerin
Fotos: Christian Beirowski/Stefan Groß
(chb)
Weitere Infos
Sehen Sie sich weitere Menschen unserer Diözese an, die wir Ihnen als Person der Woche vorgestellt haben.
Alle weiteren Informationen finden Sie auf der Homepage des Vereins zur Förderung religiöser Volkskunst



