Jerusalem

Patriarch von Jerusalem startet Forschungsinitiative

„In deinen Toren“


Jerusalem / Regensburg, 9. September 2026

Am Montag ist in Jerusalem durch Kardinal Pierbattista Pizzaballa, dem lateinischen Patriarch von Jerusalem, die Forschungsinitiative „Within Your Gates“ gestartet worden, zu deutsch: „In deinen Toren“. Das interdisziplinäre Zentrum soll laut Untertitel – „forum for the universal vocation of Jerusalem“ – die universelle Berufung der Stadt, die drei Weltreligionen heilig ist, wissenschaftlich würdigen und beleuchten.

Mit Blick auf die vielen Probleme, die eine Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern behindern, erklärte der lateinische Patriarch von Jerusalem bei der Vorstellung der Initiative am Montag, so werde man zwar die Welt nicht ändern – wolle aber dennoch eine diskrete, klare und, wenn nötig, auch unbequeme Präsenz darstellen. Es müsse ein anderes Narrativ entstehen, um Frieden zu erreichen.

„Über Frieden zu sprechen, scheint mir im Moment sicherlich etwas Erstrebenswertes, aber nichts Reales zu sein; dennoch müssen wir weiter darauf bestehen und gemeinsam einen Weg finden“, so Kardinal Pierbattista Pizzaballa im Gespräch mit Journalisten am Rande der Präsentation des Ständigen Forums „Within your gates: the forum for the universal vocation of Jerusalem“, das in Zusammenarbeit mit dem akademischen Zentrum der Universität Notre Dame in Jerusalem entwickelt wurde.

Ein neues Narrativ schaffen

Der Wunsch, der diese Einrichtung antreibt, sei in erster Linie, die Situation zu verstehen, sie zu analysieren und zu versuchen, konkrete Lösungen zu finden. Das bedeute allerdings nicht, „Krankenhäuser zu bauen“ – was zweifellos der humanitären Sache der Menschen im Heiligen Land diene, das von einem nie ganz erloschenen Konflikt heimgesucht wird –, „sondern Möglichkeiten im Bereich der Bildung und der Wissenschaft zu schaffen“, so der Kardinal.

„Es gibt viele Vereine, Gruppen und Bewegungen, die sich mit Jerusalem und dem Dialog beschäftigen, doch das Ziel dieses Forums ist es gerade, die Voraussetzungen zu schaffen und dabei zu helfen, ein Narrativ zu entwickeln, das dann auch zum Frieden führen kann – ausgehend von diesem Ort und den damit verbundenen Problemen, die leider auf schmerzhafte Weise das Leben der Einwohner Jerusalems und des Heiligen Landes im Allgemeinen berühren“, erklärte der Patriarch. Dem Projekt des Friedens und der Versöhnung  stünden noch immer zu viele Hindernisse im Weg: „Gegensätze, Polarisierungen, tiefer Hass, das Misstrauen zwischen den Bevölkerungsgruppen, ganz zu schweigen von dem allgemeinen Gefühl des Verlusts, das zu einer Ablehnung all dessen geführt hat, was die eigene Identität und Geschichte nicht garantiert und schützt“.

Ein Land für alle

Mit Blick auf die Stimmung im Monat der israelischen Wahlen bekräftigte der Patriarch von Jerusalem die Notwendigkeit, durch das neu geschaffene Forum „unterschiedliche, aber friedliche Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen all diese unterschiedlichen Positionen und Seelen auf neue Weise miteinander in Dialog treten können“, bei einer Distanzierung von dem, was die Politik heute biete. „Wir“, fügt er hinzu, „werden die Welt nicht verändern, wir werden die Gesellschaft nicht verändern, wir werden nicht alles verändern, aber wir wollen dennoch unseren Beitrag leisten, indem wir eine diskrete, klare, wenn nötig auch unbequeme Präsenz sind, die jeden daran erinnert, dass dieses Land für alle da ist.“

Damit ein Dialog echt und wirksam sei, so der Kardinal, dürfe man nicht nur mit denen sprechen, die einer Meinung seien, sondern brauche den Mut zur echten Auseinandersetzung: „Wir müssen allen zuhören und hier fest verwurzelt und in dieser Realität verankert sein, die zwar schmerzhaft, aber auch reich an Möglichkeiten ist.“ Die Mission des „irdischen Jerusalems“ bestehe darin, „zum Abbild und Spiegel des himmlischen Jerusalems zu werden, eine Prophezeiung und ein Versprechen jener universellen Versöhnung und jenes Friedens, die Gott für die gesamte Menschheitsfamilie wünscht“, hatte der Patriarch, der das Amt des Vorsitzenden des Förderrats des Forums innehat, zuvor erklärt.

Text: Vatican News

(sig)



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