figur christkind fährt automatisch aus elektronischen opferstock

Elektrischer Opferstockautomat findet neue Heimat in den Sammlungen der Diözese

Ein Segen vom Christkind


Regensburg, 9. September 2026

Mechanische oder sogar elektrische Opferstockautomaten waren vor allem in der ersten Hälfte und Mitte des 20. Jahrhunderts in den Kirchen verbreitet. Sie verbinden das Sammeln von Spenden, Frömmigkeit und einer gewissen Attraktion für den Betrachter. Ein besonders faszinierendes Exemplar befindet sich nun generalüberholt in den Sammlungen der Diözese Regensburg. 

Das ist Stadtpfarrer Herrmann Höllmüller und Pfarrer Christian Süß von der Stadtpfarrei Münster St. Johannes zu Dingolfing zu verdanken, die den Automaten in der Gestalt eines Bergkirchleins Bischof Rudolf Voderholzer überließen. Beide Geistliche sind begeisterte Kenner der christlichen Alltagskultur. Ursprünglich stand das vorliegende Modell im Krankenhaus Nabburg, das von den Mallersdorfer Schwestern pflegerisch betreut wurde. Nach dem Weggang der Ordensschwestern überließen diese den Opferstockautomaten dem damaligen Kaplan von Nabburg, Christian Süß. Nach Umwegen über Wörth an der Isar entschloss man sich aber, dass ein geeigneter Ort für das geschichtlich bedeutende Stück die Sammlung der Diözese in Regensburg sei. 


Anschaulichkeit bis ins Detail

Der Opferstock stammt aus der Fertigung der Firma Josef Saum, die besonders aufwendige Automaten herstellte. Es zeigt sich als kleine Waldkapelle mit Stufentreppenanlage, einem kleinen Brunnen und Glockenturm samt Glöckner. Blickt der Betrachter in das Innere des Kirchleins entdeckt er die Detailverliebtheit des Ensembles: ein geschmückter Altar samt Marienbild lassen sich selbst in der filigranen Miniatur erkennen. Zum Zeitpunkt der Übergabe an den Regensburger Bischof funktionierte leider die Mechanik, bzw. Elektronik nicht mehr einwandfrei. Experten überholten das Gerät sodann vollständig. Auf Einladung von Bischof Rudolf hatten die Dingolfinger Geistlichen nun die Gelegenheit, den Opferstockautomat vollumfänglich funktionierend zu erleben: Wirft man eine Münze in den dafür vorgesehenen Schlitz, zieht der Mesner am Glockenseil, die Glocken erklingen und am Kirchenportal fährt das Christkind aus und segnet die Betrachter. In einem weiteren Modus erklingen zwei verschiedene Weihnachtslieder. 

Stadtpfarrer Herrmann Höllmüller und Pfarrer Christian Süß waren hocherfreut, dass der Automat wieder einwandfrei funktioniert, Bischof Rudolf dankte für die Überlassung, denn das vorliegende Exemplar ist eine Bereicherung für die Sammlung der Diözese. Im Nachgang führte der Regensburger Oberhirte die beiden Gäste noch in das nahegelegene Institut für Alltagskultur, wo sich weitere, zahlreiche Schätze der christlichen Kultur offenbaren.


Josef Saum und die Opferstockautomaten 

Seit Jahrhunderten stehen in Kirchen verschlossene Kästen oder Behälter, in die Gläubige Geld für bestimmte kirchliche oder karitative Zwecke einwerfen konnten. Im 19. Jahrhundert kamen zunehmend figürliche Sammelbüchsen hinzu. Die Firma Saum baute besonders aufwendige Exemplare. Die Firma existierte von 1925 bis Kriegsende in München. Danach übernahm Sohn Josef (1913-1985) die Werkstatt und zog in das hessische Salmünster, wo er bis 1975 eine Firma für Elektroapparatebau betrieb.

Text und Fotos: Jakob Schötz



Nachrichten