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Papst-Lied und Zulu-Musik

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Inkamana/Südafrika. Als gegenseitiges Geben und Nehmen hat Bischof Gerhard Ludwig Müller den Missionsauftrag der Kirche im 21. Jahrhundert bezeichnet. Bei einem großen Fest in der südafrikanischen Benediktiner-Abtei Inkamana dankte er am Sonntag sowohl den Missionarinnen und Missionaren aus dem Bistum Regensburg als auch den Klosterschwestern und Priestern aus Afrika, die in Ostbayern wirken. Inkamana liegt in der Nähe der Stadt Vryheid in der Region Kwazulu-Natal, wo 1955 erstmals Mallersdorfer Schwestern zum Missionseinsatz kamen.

Auch der Festgottesdienst in der 1953 geweihten Abteikirche stand ganz unter dem Motto von Geben und Nehmen. So teilten sich in die musikalische Gestaltung die Regensburger Domspatzen und der Novizinnen-Chor der Nardini Sisters, wie die Mallersdorfer Schwestern in Südafrika heißen. Die Domspatzen, die Bischof Müller auf seiner Pastoralreise begleiten, übernahmen den Großteil der liturgischen Musik: Sie sangen den Messkanon in Vertonungen von Mendelssohn-Bartholdy und Gutiérrez de Padilla, aber auch das Ave verum von Mozart und die inoffizielle Hymne der Südafrika-Visite, Ubi caritas et amor von Duruflé.

Die sechs Nardini-Novizinnen gestalteten zwei Prozessionen, mit denen das Lesungsbuch und die Opfergaben zum Altar geleitet wurden. Der stampfende Rhythmus der Zulu-Musik, die bunten Tücher, die sich die jungen Schwestern um ihr Habit geschlungen hatten, aber auch die Gesten des Säens und Erntens vermittelten den 350 Messbesuchern einen lebendigen Eindruck von der südafrikanischen Religiosität.

Einer der Höhepunkte war gleich zu Beginn das Lied Wer glaubt, ist nie allein der Hit des Papstbesuchs in Regensburg. Textautor Hagen Horoba als Leiter der Arbeitsstelle Weltkirche einer der Hauptorganisatoren der Südafrika-Reise hatte dazu eine eigene englische Übersetzung beigesteuert. Begleitet von Domkapellmeister Roland Büchner an der Orgel, sangen die Gläubigen also nun aus voller Kehle: „In faith we aren´t alone“.

Viele von den 31 Regensburger Missionarinnen und Missionaren, die heute noch im südlichen Afrika tätig sind, waren persönlich nach Inkamana gekommen unter ihnen die ältesten Nardini Sisters, Sr. Sola Schaumann und Sr. Carmelina Zinkl. Zu den Mitzelebranten gehörten die drei Bischöfe Hubert Bucher, Oswald Hirmer und Fritz Lobinger, die nicht nur als Oberhirten der Diözesen Bethlehem, Umtata und Aliwal North von sich reden gemacht hatten, sondern auch durch ihre Förderung speziell afrikanischer Glaubenspraktiken etwa das Bibelteilen, das mittlerweile weltweit bekannt ist. So war unmittelbar einsichtig, warum der Abt von Inkamana, Gottfried Sieber, in seiner Begrüßung sagen konnte: „Was wäre die katholische Kirche Südafrikas ohne die Diözese Regensburg!“.

In seiner Predigt bedankte sich Bischof Gerhard Ludwig Müller bei allen Schwestern, Brüdern, Priestern und Bischöfen, die von Regensburg nach Südafrika gekommen sind. In besonderer Weise würdigte er das Wirken der Mallersdorfer Ordensgemeinschaft: Die Nardini Sisters geben Zeichen und Wunder von einer selbstlosen Liebe zu ihren Nächsten. Sie leben zusammen mit kranken und armen Mitmenschen und teilen mit ihnen alles, was sie brauchen.

Die gegenwärtige Pastoralreise, so Bischof Müller weiter, solle die Unterstützung des Bistums Regensburg für die südafrikanische Kirche zum Ausdruck bringen. Diesen Gedanken nahm der Bischof noch einmal auf, als Abt Gottfried Sieber beim anschließenden Empfang darum bat, uns auch in Zukunft nicht zu vergessen. Gerhard Ludwig Müller wörtlich: „Wir wollen die Kirche von Südafrika weiterhin unterstützen auch finanziell“.

Nach dem Dankgottesdienst am Sonntagvormittag und einem bunten Programm am Nachmittag wurde das Konzert der Regensburger Domspatzen am Abend zu einem weiteren Höhepunkt des Festes. Alte Meister und moderne Kirchenkomponisten, liturgische Grundmuster und freie musikalische Formen der Frömmigkeit in der Abteikirche boten die jungen Sänger die ganze Bandbreite ihres Repertoires dar. Mit besonderer Spannung war die Uraufführung von Enjott Schneiders Sonnengesang des hl. Franziskus erwartet worden. Das achtstimmige Werk greift einerseits auf kompositorische Techniken des Hochmittelalters zurück, setzt aber auch moderne Mittel wie chorisches Flüstern, Cluster und Intervallrückungen ein.

Pochende Welterschaffungsrhythmen drängen zur Manifestation der gewordenen Dinge, aus archaisierendem Urgrund steigt das Licht von Zeit und Gegenwart auf.
Der Regensburger Domchor arbeitete all diese Facetten plastisch heraus in der hymnischen Anrufung der Schöpfung als Bruder Sonne, Schwester Mond oder Mutter Erde immer verbunden mit dem leitmotivisch wiederkehrenden Preis Gottes: „Gelobt seist Du, mein Herr“.

Der Arbeit der Missionarinnen und Missionare in den sozialen Brennpunkten Südafrikas besonders nahe kamen die Passagen, in denen Franziskus von Krankheit, Drangsal und Tod handelt: „Selig sind alle, die solches ertragen in Frieden, denn von Dir, Höchster, werden sie gekrönt werden“. Schon im Vorfeld der Südafrika-Reise hatte Domkapellmeister Roland Büchner betont, er wolle die von den Domspatzen in Auftrag gegebene Komposition dem franziskanischen Geist widmen, der in der karitativen Tätigkeit der Mallersdorfer Schwestern und der anderen geistlichen Helfer aus dem Bistum Regensburg wirksam ist. So wurde die Uraufführung in der Abteikirche von Inkamana zu einem klingenden Symbol christlicher Barmherzigkeit.

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Die Predigt des Bischofs in englischer Sprache finden sie hier.