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Zur Neuigkeit
Papst Leo XIV. und die „künstliche Intelligenz“
„Magnifica Humanitas“
Rom / Regensburg, 3. Juli 2027
Papst Leo hat seine erste Enzyklika der „Künstlichen Intelligenz“ gewidmet: „Magnifica Humanitas“ handelt über die „Bewahrung des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz“. Das sozialethische Schreiben zeigt die Risiken künstlicher Intelligenz auf und betont angesichts der technischen Entwicklung die bleibenden christlichen Werte. Papst Leo stellt sich mit seiner ersten Enzyklika in eine Linie mit seinem Namenvorgänger Leo XIII., der mit der Enzyklika „Rerum Novarum“ als Begründer der katholischen Sozialethik gilt. Nicht zufällig unterzeichnete Leo XIV. „Magnifica Humanitas“, kurz „MH“, auf den Tag 135 Jahre nach „Rerum Novarum“.
Schon am Beginn seines Pontifikats machte Leo XIV. deutlich, dass er sich auf den „Arbeiterpapst“ Leo XIII. beziehen möchte. Nur wenige Tage nach seiner Wahl begründete Papst Leo XIV. in einer Ansprache vor dem Kardinalskollegium seine Namenswahl so: „Es gibt verschiedene Gründe, aber in erster Linie, weil Papst Leo XIII. mit der berühmten Enzyklika Rerum Novarum die soziale Frage im Zusammenhang mit der ersten großen industriellen Revolution angesprochen hat. Und heute bietet die Kirche allen den Schatz ihrer Soziallehre an, um auf eine weitere industrielle Revolution und auf die Entwicklungen der künstlichen Intelligenz zu antworten, die neue Herausforderungen im Hinblick auf die Verteidigung der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und der Arbeit mit sich bringen.“ Hier finden sich bereits am Beginn des Pontifikats zwei Gedanken, die sich auch in Magnifica Humanitas spiegeln werden: Auf der einen Seite die Kontinuität der katholischen Soziallehre, auf der anderen Seite die künstliche Intelligenz als „industrielle Revolution“ unserer Zeit, auf welche die Kirche eine Antwort geben will.
KI als „industrielle Revolution“
Künstliche Intelligenz ist bereits heute in vielen Lebensbereichen kaum mehr wegzudenken. Zahlreiche KI-Systeme automatisieren einfache Arbeitsschritte und ermöglichen einen schnellen Zugriff auf Informationen. KI kann bereits heute die Schriftsätze von Anwälten vorbereiten, Gedichte verfassen oder Texte übersetzen. Die technische Entwicklung wird zu immer weiteren „Fähigkeiten“ der KI führen. Zu Recht also kann man die künstliche Intelligenz als „industrielle Revolution“ unserer Zeit begreifen, die immer mehr Lebensbereiche nachhaltig verändern wird. Gerade hier zeigen sich die Parallelen zu Papst Leo XIII.
Papst Leo XIII., geboren 1819 als Gioacchino Pecci, war päpstlicher Diplomat und später für rund 30 Jahre Bischof im italienischen Perugia. 1878 wurde Pecci zum Papst gewählt – eigentlich als Kandidat des Übergangs gedacht, war Leo XIII. schließlich für rund 25 Jahre oberster Hirte der Kirche, bis er 1903 starb. Mit seiner Enzyklika „Rerum Novarum“ bezog der Papst Stellung zu den Konflikten seiner Zeit, die auch als „Arbeiterfrage“ in der Folge der industriellen Revolution bezeichnet wurden. Auf der einen Seite führte die industrielle Revolution zu der Ansammlung von Kapital in den Händen einiger, auf der anderen Seite zu einer Verarmung breiter Bevölkerungsschichten. In dieser Situation bezog der Papst eine klare und gleichzeitig vermittelnde Position. Für ihn war weder ein sozialistisches oder kommunistisches Ansinnen die Lösung, wonach Eigentum vergemeinschaftet werden sollte. Umgekehrt aber dürfen Arbeitgeber die Arbeitnehmer nicht wie Sklaven behandeln, sondern ihre Würde achten. Das Ziel: Eine gesellschaftliche Ordnung, in der jeder von seiner Arbeit leben kann.
„Rerum Novarum“: Meilenstein katholischer Soziallehre
„Rerum Novarum“ gilt heute als Meilenstein der katholischen Soziallehre. Der Papst machte deutlich, dass die Kirche angesichts der sozialen Fragen ihrer Zeit nicht schweigen kann. In der Folge bezogen Päpste immer wieder deutlich Stellung zu den sozialethischen Fragen ihrer Zeit. Verschiedene Päpste veröffentlichten Sozialenzykliken zu Jahrestagen von „Rerum Novarum“, zuletzt behandelte Papst Benedikt XVI. die Finanzkrise („Caritas in Veritate“) und Papst Franziskus die ökologische Frage („Laudato si‘“). In diese lange Tradition stellt sich nun auch Papst Leo mit „Magnifica Humanitas“.
Leo XIV. betont zunächst, „wie rasch und tiefgreifend Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik unsere Welt verändern.“ (MH 4). Dabei sei technischer Fortschritt nicht grundsätzlich schlecht. Angesichts dieses „Epochenwandels“ müsse sich die Menschheit allerdings fragen: „Auf welches Ziel wollen wir uns ausrichten?“ (MH 6). Für die Beantwortung dieser Frage weist der Heilige Vater auf zwei biblische Bilder hin: Den Turmbau zu Babel einerseits, indem die Menschen stolz und ohne Bezug auf Gott ihr Werk verrichten wollen – und andererseits den Wiederaufbau der Mauern Jerusalems, bei dem das Volk gemeinsam ans Werk geht, „bei dem Gott im Mittelpunkt steht“ (MH 8).
KI kann nicht „verstehen“
Der Papst beschreibt den Charakter der „künstlichen Intelligenz“: KI übertrifft menschliche Leistungen oft an Geschwindigkeit und Rechenleistung. Doch besteht ein wesentlicher Unterschied zum Menschen: „Diese Leistungsfähigkeit hat jedoch ausschließlich mit der Datenverarbeitung zu tun: Sogenannte Künstliche Intelligenzen machen keine Erfahrungen, besitzen keinen Leib, empfinden weder Freude noch Schmerz, reifen nicht in Beziehungen, wissen nicht von ihrem Inneren her, was Liebe, Arbeit, Freundschaft und Verantwortung bedeutet. Sie haben auch kein moralisches Gewissen: Sie unterscheiden nicht zwischen Gut und Böse, sie erkennen nicht den eigentlichen Sinn von Situationen.
Vor allem aber muss immer bedacht werden: Sogenannte Künstliche Intelligenzen nehmen die Last der Konsequenzen nicht auf sich. Sie können Sprache, Verhalten und Beurteilungen imitieren, sie können Empathie oder Verständnis simulieren, aber sie verstehen nicht, was sie damit bewirken, denn sie bewegen sich nicht in jenem affektiven, relationalen und geistigen Horizont, in dem der Mensch zur Weisheit gelangt.“ (MH 99). Ausgehend davon – könnte man ergänzen – ist künstliche „Intelligenz“ eben nicht intelligent wie ein Mensch. KI kann Wahrscheinlichkeiten berechnen, aber nicht eigenständig „denken“.
KI ist nicht „moralisch neutral“
Der Papst wendet sich nicht gegen den Einsatz von KI, nicht gegen den technischen Fortschritt. Doch mahnt er an die Risiken dieser Technologie und ihrer Begleiterscheinungen. KI ist eben nicht „moralisch neutral“ (MH 104). Künstliche Intelligenz geht mit zahlreichen Risiken einher: KI darf nicht so konzipiert sein, dass bestimmtes menschliches Leben als weniger wert erscheinen würde (vgl. MH 104). Die Entwicklung von KI-System kann dazu führen, dass die Macht derer gestärkt wird, „die bereits über wirtschaftliche Ressourcen, Kompetenzen und Zugang zu Daten verfügen.“ (MH 108). Weiter erinnert der Papst daran, dass der Mensch gerade durch seine Endlichkeit ausgemacht wird; Begrenztheit ist nicht nur Makel, sondern Voraussetzung des Menschseins: „Wenn die Endlichkeit in Wahrheit angenommen wird, macht sie den Menchen nicht arm, sondern öffnet ihn für die Erkenntnis des Antlitzes Gottes und des Nächsten.“ (MH 122). Der Mensch kann seine Grenzen nicht immer weiter hinausschieben – und sei es durch KI; er muss sie am Ende annehmen.
In einem weiteren Kapitel wendet sich der Papst konkreten Bereichen zu, in denen die Folgen künstlicher Intelligenz bereits heute spürbar sind: So etwa im Bereich der Kommunikation, der in besonderer Weise die Demokratien und Schulen herausfordert, aber auch im Bereich der Arbeit. Der Papst betont: „Die Arbeit [ist] nicht ein bloßes Mittel, sondern sie bringt die Würde unseres Lebens zum Ausdruck und stärkt sie.“ (MH 149).
Plädoyer für die Würde des Menschen
Magnifica Humanitas ist ein starkes Plädoyer für die Würde des Menschen, die auch und gerade im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz geschützt werden muss. Ausführlich erinnert der Papst an die Entwicklung, Grundlagen und Prinzipen der katholischen Soziallehre. Dieser ausführliche Teil zeigt: Auch wenn jede Zeit vor ihren eigenen Herausforderungen steht und die Entwicklung der künstlichen Intelligenz nicht ohne weiteres mit den „industriellen Revolutionen“ früherer Zeiten zu vergleichen ist, tragen die Grundüberzeugungen christlicher Sozialehtik doch durch die Zeiten hindurch.
Technischer Fortschritt ist nicht per se schlecht; doch er kann dazu führen, dass sich der Fokus verschiebt: Weg vom Menschen hin zu wirtschaftlicher oder technologischer Macht; weg von den natürlichen Begrenztheiten des Menschen hin zu einem fortwährenden Streben nach immer größerer Perfektion. Magnifica Humanitas wird kaum das letzte Wort von Leo XIV. zur Künstlichen Intelligenz sein. KI prägt unsere Zeit, sie wird auch dieses Pontifikat prägen. Die Enzyklika zeigt: Die katholischen Kirche hat gerade in dieser „industriellen Revolution“ eine starke Stimme, die an den Wert und die Würde des Menschen erinnert.
Text: Benedikt Bögle
(sig)




