St. Peter in Rom, stilisiert, Papst Leo XIV.

Papst Leo XIV. reist nach Spanien

Politischer Zwist überschattet Besuch


Rom / Regensburg, 29. Mai 2026

Papst Leo XIV. wird ab dem 6. Juni 2026 Spanien besuchen.  Die Reise findet in einem politischen und gesellschaftlichen Umfeld statt, das von einer starken Polarisierung geprägt ist. Die angespannte Stimmung fällt zudem mit einem in der spanischen Demokratie beispiellosen Ereignis zusammen: der Anklage wegen mutmaßlicher Korruption gegen einen ehemaligen Regierungschef, den Sozialisten José Luis Rodríguez Zapatero; dieser war im dieses Amt, als Benedikt XVI. vor 15 Jahren das Land besuchte. Zudem lancieren Kirchenfeinde in Barcelona Boykottaufrufe gegen den Papstbesuch.

Die für den kommenden 2. Juni – nur vier Tage vor der Papstreise – vorgesehene Anklageerhebung gegen Zapatero vor der Audiencia Nacional im Zusammenhang mit seiner mutmaßlichen Verwicklung in einen Skandal rund um die staatliche Rettung der Fluggesellschaft Plus Ultra im Jahr 2021 erhöht den Druck auf ein ohnehin schon angespanntes politisches Umfeld. All dies wirkt sich auf die Stabilität der Regierung von Pedro Sánchez aus – der sich am Mittwoch im Vatikan mit dem Papst treffen wird –, die auch von einigen seiner Koalitionspartner in Frage gestellt wird, wie etwa der Baskischen Nationalistischen Partei, die es als „Verantwortungslosigkeit“ bezeichnet hat, vor Jahresende keine Parlamentswahlen anzusetzen.

Trotz dieses Kontextes bleibt der Erzbischof von Madrid, José Cobo, bezüglich der Auswirkungen des Falls auf den Papstbesuch demonstrativ gelassen. „Wir sind es gewohnt, mit vielen Ereignissen im politischen Leben umzugehen. Das gehört nun einmal zum Leben dazu, und die Schlagzeilen wechseln ständig“, erklärte er in einem Interview mit EWTN. Die Polarisierung beschränkt sich jedoch keineswegs auf den politischen Bereich, sondern hat die Gesellschaft tiefgreifend durchdrungen. Laut dem Polarisierungsatlas von More in Common (2025) haben im letzten Jahr fast fünf Millionen Spanier aufgrund ideologischer Meinungsverschiedenheiten eine persönliche Beziehung abgebrochen, und drei von fünf Bürgern vereiden es, über Politik zu sprechen, um Konflikte zu vermeiden.

Für den Juristen Rafael Domingo Oslé, Professor für Römisches Recht an der Universität von Navarra, spiegelt dieses Phänomen eine gravierende Verschlechterung des öffentlichen Raums wider. „Spanien erlebt eine Zeit tiefer sozialer Zersplitterung, die durch eine politische Klasse verschärft wird, die unfähig ist, den Ton zu mäßigen“, erklärte er in einem Interview mit ACI Prensa, der Partneragentur von CNA Deutsch. Seiner Meinung nach ist die Zahl der persönlichen Brüche „ein Symptom dafür, dass wir den Respekt verlieren, der notwendig ist, damit eine Gesellschaft nicht zerfällt“.

Sánchez trifft sich am Mittwoch mit dem Papst

All dies wirkt sich auf die Stabilität der Regierung von Pedro Sánchez aus – der sich am Mittwoch im Vatikan mit dem Papst treffen wird –, die auch von einigen seiner Koalitionspartner in Frage gestellt wird, wie etwa der Baskischen Nationalistischen Partei, die es als „Verantwortungslosigkeit“ bezeichnet hat, vor Jahresende keine Parlamentswahlen anzusetzen. Trotz dieses Kontextes spielte der Erzbischof von Madrid, José Cobo, die Auswirkungen des Falls auf den Papstbesuch herunter. „Wir sind es gewohnt, mit vielen Ereignissen im politischen Leben umzugehen. Das gehört nun einmal zum Leben dazu, und die Schlagzeilen wechseln ständig“, erklärte er in einem Interview mit EWTN.

Die Polarisierung beschränkt sich jedoch keineswegs auf den politischen Bereich, sondern hat die Gesellschaft tiefgreifend durchdrungen. Laut dem Polarisierungsatlas von More in Common (2025) haben im letzten Jahr fast fünf Millionen Spanier aufgrund ideologischer Meinungsverschiedenheiten eine persönliche Beziehung abgebrochen, was 14 Prozent der Bevölkerung entspricht. Zudem vermeiden drei von fünf Bürgern es, über Politik zu sprechen, um Konflikte zu vermeiden.

Für den Juristen Rafael Domingo Oslé, Professor für Römisches Recht an der Universität von Navarra, spiegelt dieses Phänomen eine gravierende Verschlechterung des öffentlichen Raums wider. „Spanien erlebt eine Zeit tiefer sozialer Zersplitterung, die durch eine politische Klasse verschärft wird, die unfähig ist, den Ton zu mäßigen“, erklärte er in einem Interview mit ACI Prensa, der Partneragentur von CNA Deutsch. Seiner Meinung nach ist die Zahl der persönlichen Brüche „ein Symptom dafür, dass wir den Respekt verlieren, der notwendig ist, damit eine Gesellschaft nicht zerfällt“.

Gefahr der Instrumentalisierung

Der Papstbesuch ist in einem Klima starker Polarisierung nicht ohne Risiken. „Die eine Partei wird das hervorheben, was ihr nützt, und den Rest verschweigen. Eine andere wird das Gegenteil versuchen. Das ist unvermeidlich“, warnte Domingo. Er hob jedoch die Erfahrung des Heiligen Stuhls hervor, „Reden zu verfassen, die in ihrer Gesamtheit Bestand haben“: „Den Papst aus dem Zusammenhang zu reißen ist relativ einfach, ihn zu widerlegen ist viel schwieriger.“

Kardinal Cobo teilt diese Sorge angesichts der Möglichkeit parteipolitischer Interpretationen der Rede, die der Papst vor dem Parlament halten wird: „Ich glaube, dass dies auch eine sehr kirchliche Geste ist, denn sie bedeutet, auch der christlichen Tradition zuzuhören, wenn sie über Politik spricht – allerdings über Politik mit großem P. In einer Gesellschaft, in der wir es gewohnt sind, von Parteien zu sprechen, ist dieser Moment wichtig. Die Befürchtung ist nämlich, dass wir versuchen könnten, eine Rede über Politik mit großem P in eine parteipolitische Rede zu zwängen, als stünden sie sich gegenseitig gegenüber. Das ist die Befürchtung.“

Der Kontext wird zudem durch den Aufschwung identitären Diskurses rund um das Christentum verschärft. Der Soziologe Rafael Ruiz Andrés, Professor an der Universidad Complutense, warnte in einem Interview mit ACI Prensa, es gebe „eine ganze Reihe von Gruppierungen, die vor allem im rechtsextremen Spektrum angesiedelt sind, konkret in Spanien in der Partei Vox, die in ihren Grundsätzen die Verteidigung der christlichen Kultur vorgeben wollen“. Er schränkte jedoch ein, dass es sich „nicht unbedingt um eine Verteidigung auf religiöser Grundlage“ handle, sondern vielmehr um eine Verteidigung, die mit „der identitären Kultur und in vielen Fällen im Gegensatz zum Islam“ verbunden sei.

Seiner Ansicht nach ist eine der Sorgen von Papst Leo XIV. gerade „diese Art der Vereinnahmung des Christentums durch die Politik“. In diesem Zusammenhang deuteten Informationen, die nach einem Treffen mit der Bischofskonferenz veröffentlicht wurden, auf die Besorgnis des Vatikans über Versuche hin, „die Kirche zu instrumentalisieren“, auch wenn die Bischöfe später klarstellten, dass der Papst allgemein über „die Risiken, den Glauben Ideologien zu unterwerfen“, gesprochen habe, ohne sich auf eine bestimmte Gruppe zu beziehen.

EWTN überträgt alle öffentlichen Programmpunkte der Spanien-Reise von Papst Leo XIV. live im Fernsehen sowie online im Stream. Die Programmpunkte mit genauen Uhrzeiten sowie die entsprechenden Links für den Stream finden Sie HIER.

Text: CNA Deutsch

(sig)



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