News Bild "Nicht Biedermeier-Dichter sondern christlicher Humanist": Bischof Dr. Rudolf Voderholzer spricht in der Ostdeutschen Galerie Regensburg über Adalbert Stifter

"Nicht Biedermeier-Dichter sondern christlicher Humanist": Bischof Dr. Rudolf Voderholzer spricht in der Ostdeutschen Galerie Regensburg über Adalbert Stifter

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Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Mit ... inKOGnito im Museum" des Kunstforums Ostdeutsche Galerie in Regensburg brachte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer einem interessierten Auditorium den österreichischen Dichter und Maler Adalbert Stifter (*1805 Oberplan, Böhmen † 1868 Linz, Donau) auf ganz persönliche Weise näher. Sinn und Zweck der Reihe ist es eben, das Regensburger Persönlichkeiten Künstler vorstellen, die sie in besonderer Weise berührt haben. Wäre Adalbert Stifter und sein umfangreiches Werk nicht gewesen, wer weiß, ob Rudolf Voderholzer als Priester und Bischof an diesem Abend vor der Zuhörerschaft gestanden hätte. So konnte die Direktorin Dr. Agnes Tieze in ihren Willkommensworten freudig feststellen, dass die Zusage des Bischofs für einen Vortrag ganz unkompliziert über die Bühne gegangen sei und er sogar ein Thema vorgeschlagen habe "Adalbert Stifter - Dichter und Maler".

 

Berufungs-Impuls Adalbert Stifter

Bischof Rudolf hatte sich bereits als 18jähriger Gymnasiast in München mit dem Werk Adalbert Stifters im Rahmen einer Facharbeit im Leistungskurs Deutsch auseinandergesetzt. In seiner Berufs- besser gesagt Berufungsfindungsprozess, hatte ein Stifter-Zitat aus dem Roman "Der Nachsommer" ihn in dieser entscheidenden Phase seines Lebens mitten ins Herz getroffen: "der Mensch [ist] nicht zuerst der menschlichen Gesellschaft wegen da, sondern seiner selbst willen. Und wenn jeder seiner selbst willen auf die beste Art da sei, so sei er es auch für die menschliche Gesellschaft." Nach einem Überblick über die verschiedenen, oft sehr turbulenten Lebensstationen des Dichters, Malers und Pädagogen, stellte Bischof Rudolf zwei seiner bedeutenden Bildungsromane vor, "Der Nachsommer" (1857) und das dreibändige Werk "Wittiko" (1865-1867). "Man braucht viel Geduld und Muße für die Stifter-lektüre", so bemerkt Bischof Rudolf, "aber man wird dafür auch reichlich belohnt". Beider Romane leisteten einen guten Beitrag zur Entschleunigung und hätten als verbindendes, zentrales Thema die Familie: "Alles, was im Staat und in der Menschlichkeit gut ist, kommt von der Familie" (Der Nachsommer).

Geistige Appetitanreger

Wem der Zugang zu Adalbert Stifter über dessen umfangreiche Werke noch zu aufwendig sei, so der Bischof, dem könne er zwei kürzere Texte als "geistige Appetitanreger" empfehlen: Zum einen die Beschreibung der Sonnenfinsternis in Wien am 8. Juli (1842) und zum anderen "Der arme Wohltäter" in "Bunte Steine: Kalkstein" (1847). Bei der Sonnenfinsternis 1999 habe er sich, damals in München lebend, Stifters Text als Lektüre vorgenommen. Besonders habe ihn dabei angesprochen, das Stifter die Sonnenfinsternis im Lichte des Glaubens gedeutet habe. Bei der Lektüre von "Der arme Wohltäter" habe er fast Tränen in den Augen gehabt, so habe ihn die Erzählung des Landpfarrers gerührt, der sein ganzes Leben für den Bau einer Schule gespart habe und dessen Beispiel viele angeleitet habe, das Projekt dann auch umzusetzen.

Mehr als nur ein Vertreter des Biedermeiers

Stifter als einen Vertreter des Biedermeisers zu bezeichnen, sei das Ergebnis einer eher oberflächlichen Lektüre. "Er hat ein außerordentlich politisches Interesse, einen pädagogischen Eros, Sinn für Geschichte," so führte Bischof Rudolf aus, "In seinem Schrifttum ist der ganze Reichtum der abendländischen Philosophie und Theologie unausdrücklich präsent." Das Adalbert Stifter ein Vertreter des christlichen Humanismus sei, das mache sich auch noch an drei weiteren Punkten fest: Die Naturwissenschaft als Ort der Begegnung mit dem Schöpfer von Himmel und Erde, die Kunst als Dienst an der Erscheinung des Göttlichen und die Selbstvergessene Hingabe als Königsweg zum Glück. In der sich an den Vortrag anschließende Fragerunde betonte Bischof Rudolf noch einmal, Adalbert Stifter kennen die große abendländische Tradition, ohne sie in seinen Werken ausdrücklich zu zitieren, auch darin erkennen man den Klosterschüler des Benediktinerstiftes Kremsmünster. Stellte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer den Dichter Stifter vor und nicht den Maler, so wurde ihm doch die Freude zuteil, das erste Original-Stiftergemälde in der Ostdeutschen Galerie zu sehen, "Das Vonwiller-Haus in Neuwaldegg" (1841), das er dann auch gerne den anwesenden Fotografen zeigte.

 

Ein ausführliches Interview mit Bischof Rudolf Voderholzer über Adalbert Stifter können Sie hier nachlesen.