News Bild Neues Ölgemälde mit der Ansicht des Benediktinerklosters in Prüfening für das Diözesanmuseum St. Ulrich

Neues Ölgemälde mit der Ansicht des Benediktinerklosters in Prüfening für das Diözesanmuseum St. Ulrich

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(pdr) Ein neues Ölgemälde mit der Ansicht des Benediktinerklosters in Prüfening hat das Diözesanmuseum St. Ulrich erhalten. Das bravourös gemalte Bild ist eine hervorragende Ergänzung für die Barockabteilung im Diözesanmuseum. Das Ölgemälde war eine der Wiederentdeckungen bei der Konzeption der Ausstellung "Mönche, Künstler und Fürsten. 900 Jahre Gründung Kloster Prüfening" im Oktober 2009 im Museum Obermünster. Das 1,20 Meter mal 0,90 Meter große Ölgemälde zeigt das Benediktinerkloster in Prüfening mit seinen vier Patronen. Im Hintergrund des Bildes ist die Reichsstadt Regensburg zu sehen. Das Bild stammt von den Künstlern Johann und Otto Gebhard und ist um das Jahr 1750 entstanden. Das Bild hing bis zu der damaligen Ausstellung unidentifiziert im Kloster Säben in Südtirol.

„Die Südtiroler konnten natürlich nicht erkennen, dass es sich bei dem Bild um das Schloss Prüfening handelte und dass im Hintergrund die Stadt Regensburg zu sehen war“, sagte Dr. Maria Baumann vom Diözesanmuseum. Doch letztendlich konnte es identifiziert und für die Ausstellung nach Regensburg geholt und restauriert werden.

Nun wurde es sogar möglich gemacht, das Bild dauerhaft in Regensburg zu sehen. Am Donnerstag, 11. August, nahm der Leiter des Diözesanmuseums Dr. Hermann Reidel das großformatige Ölbild in St. Ulrich in Empfang. Übergeben wurde das Gemälde von der Verlegerin Elisabeth Pustet. Aufgrund familiärer Beziehungen zur Abtei Säben konnte Frau Pustet das Kunstwerk als Dauerleihgabe für Regensburg vermitteln und das Gemälde nach Regensburg transportieren.

Zum Bild: Das Barockgemälde ist in mehrerlei Hinsicht ein interessantes wie künstlerisch ansprechendes Zeitdokument. Im unteren Teil bildet es die Ansicht des Klosters Prüfening aus der Vogelperspektive ab. Die Ansicht ist wie eine Landschaft inszeniert und zeigt die Einbettung des Klosters in seine Umgebung. Im Gegensatz zu den bekannten graphischen Klosteransichten des 18. Jahrhunderts sind am Horizont mit der Kirchturmspitze des Nachbarortes Dechbetten und einem Teil der Stadtsilhouette von Regensburg weitere örtliche Fixpunkte zu sehen. Die Darstellung der Klosteranlage ist an diejenige angelehnt, die 1753 in Regensburg von Georg Heinrich Paritius in seinem Werk „Historische Nachricht von allen in und außer der Stadt Regensburg gelegenen Reichsstiften, Hauptkirchen und Klöstern“ veröffentlicht wurde.

Gut zwei Drittel des Hochformats nimmt eine Himmelsszenerie mit den vier Patronen des Klosters ein. In der Mitte der Wolkenformation kniet Otto von Bamberg, der durch Brustkreuz, Pluviale, Stab und Mitra als Bischof gekennzeichnet ist. Dass er den Benediktinerhabit trägt, erklärt sich aus seiner Rolle als Stifter des Klosters Prüfening. Zwei Inschriften, die eine auf der Banderolle, auf die der Putto zu seiner Rechten weist, die andere vom Himmel auf das Kloster „herabschwebend“, beziehen sich auf die Gründungslegende Prüfenings, die Engelsvision Bischof Ottos. Erminold, der erste Abt des neuen Konvents, ist rechts neben Otto von Bamberg zu sehen. Er ist als Benediktinerabt mit Brustkreuz, Stab und Buch dargestellt. In seiner rechten Hand hält er als Attribut einen Stab, der auf seine Ermordung durch einen Mitbruder anspielt. Links außen ist der Kirchenpatron Georg gezeigt, im römischen Brustpanzer mit Schild und Lanze auf dem erlegten Drachen sitzend. Im Hintergrund schließlich gibt sich der hl. Benedikt als Benediktinerabt und mit dem Regelbuch als Ordensvater zu erkennen.

Das Gemälde stammt aus Kloster Säben bei Klausen, das seit seiner Gründung 1686 mit Kloster Prüfening verbunden war. Säben wurde mit Benediktinerinnen aus Kloster Nonnberg bei Salzburg besiedelt. Mit diesen gelangte auch der Prüfeninger Mönch und Nonnberger Beichtvater Otto Krafft nach Säben. Dort fungierte er nicht nur als Beichtvater, sondern auch als Administrator und zeigte unermüdlichen Einsatz bei der Festigung des Konvents und bei der Errichtung der Klostergebäude. Diesem Eintreten verdankte Krafft wohl seine Wahl zum Abt von Prüfening, die am 17. Dezember 1693 erfolgte. Als Krafft von Säben wieder nach Prüfening übersiedelte, nahm er Franz Metz und Johann Gebhard mit. Ersterer war Frater und von Beruf Maler, Gebhard dessen Lehrjunge und Ministrantenknabe in Säben gewesen. In Prüfening trat Franz Metz in den Benediktinerorden ein und wurde Laienbruder im Kloster. Seinen Ruf als „begnadeter“ Maler begründete er als Schöpfer des Wessobrunner Gnadenbildes, das die Mutter der Schönen Liebe als anmutiges Mädchen mit Blumenschmuck zeigt.

Johann Gebhard dagegen wurde Kammerdiener von Abt Otto Krafft, heiratete später dessen Haushälterin und machte sich in der Klosterhofmark Prüfening als Maler ansässig. In seiner Werkstätte entstand das vorliegende Gemälde, wie die stilistischen Merkmale zeigen, wie aber auch die Tatsache belegt, dass die Malerfamilie Gebhard in Prüfening unter dem Mäzenatentum der Äbte lebte. Als Auftraggeber des Gemäldes kommt der zur Entstehungszeit amtierende Abt infrage. Es dürfte als Geschenk für Säben gedacht gewesen sein, denn das Benediktinerkloster stellte weiterhin den Beichtvater für die Nonnen auf dem Säbener Burgberg.

Aufgrund der Parallelen der Klosteransicht zu dem 1753 publizierten Kupferstich, aber auch aus stilistischen Gründen ist als Entstehungszeit des Barockgemäldes die Zeit um 1750 anzunehmen. Damals arbeitete bereits Otto Gebhard, der älteste Sohn von Johann Gebhard, in der väterlichen Malerwerkstätte. Eine Händescheidung zwischen Johann und Otto ist zu dieser Zeit nahezu unmöglich. Der Sohn hatte jedoch damals bereits für frischen Wind gesorgt, da er sich für das Deckenmalen begeisterte. Nach dem Tod des Vaters 1756 führte er die Werkstätte weiter, und indem er Cosmas Damian Asam als Vorbild sah, brachte er dessen Stil von Regensburg aus in die entlegensten Orte. Insgesamt gesehen zählen Johann und Otto Gebhard zu den meistbeschäftigten Malern der Oberpfalz.

(Aus: Dr. Christine Grimminger, in: Mönche, Künstler und Fürsten. 900 Jahre Gründung Kloster Prüfening, hrsg. v. Kunstsammlungen des Bistums Regensburg, 2009)