Schneeglöckchen in Nahaufnahme, Hintergrundunschärfe

Nachhaltigkeit und Glaube

Mehr Fortschritt, mehr Verantwortung


Bonn/Regensburg, 10. März 2026

Der christliche Glaube sieht die Welt als gute und von Gott gewollte Schöpfung. Alles, was existiert, verdankt sein Dasein Gott. Daraus erwächst für den Menschen eine besondere Verantwortung: Er ist dazu berufen, die Schöpfung zu achten, zu bewahren und verantwortungsvoll zu nutzen. Nachhaltigkeit ist daher kein modisches Schlagwort, sondern Ausdruck christlicher Lebensführung. Der verstorbene Papst Franziskus hat diese Verantwortung in den Mittelpunkt kirchlicher Verkündigung gestellt.

Der Mensch als Verwalter der Schöpfung

In der Heiligen Schrift wird der Mensch als „Krone der Schöpfung“ bezeichnet. Im Buch Genesis erhält er den Auftrag, über die Erde zu herrschen (vgl. Gen 1,28). Dieser Herrschaftsauftrag ist jedoch nicht als willkürliche Ausbeutung zu verstehen, sondern als verantwortungsvolle Verwaltung im Auftrag Gottes. Der Mensch ist nicht Eigentümer der Schöpfung, sondern ihr Hüter.

Gerade angesichts moderner technischer Möglichkeiten ist dieser Gedanke von besonderer Bedeutung. Der Fortschritt hat dem Menschen großen Einfluss auf die Natur verliehen. Daraus folgt umso mehr die Pflicht, diese Macht maßvoll und im Einklang mit der Schöpfungsordnung Gottes einzusetzen.

Schöpfung und Wissenschaft – kein Widerspruch

Wenn Christinnen und Christen von „Schöpfung“ sprechen, geht es nicht um eine naturwissenschaftliche Erklärung der Entstehung der Welt. Vielmehr ist Schöpfung eine Glaubensaussage: Die Welt hat ihren Ursprung in Gott und bleibt auf ihn hingeordnet. Glaube und Wissenschaft stehen dabei nicht im Widerspruch zueinander. Der Physiker Max Planck brachte dies treffend zum Ausdruck: „Für den gläubigen Menschen steht Gott am Anfang, für den Wissenschaftler am Ende aller Überlegungen.“

Kirchliches Engagement für Mensch und Umwelt

Der verstorbene Papst Franziskus hat mit seiner Enzyklika Laudato si’ (2015) die Aufmerksamkeit der Kirche auf den verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung gelenkt. Er erinnert daran, dass Umwelt- und Menschenschutz untrennbar zusammengehören. Der Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung ist für ihn Teil gelebter Nächstenliebe.

Dabei mahnt Franziskus, nicht nur die Verletzlichkeit der Natur, sondern auch die Not der Menschen im Blick zu behalten. Die Sorge um die Schöpfung darf niemals gegen den Menschen ausgespielt werden. Beides gehört zusammen. Die Welt ist das „gemeinsame Haus“, das Gott den Menschen anvertraut hat und das es in Solidarität und Gerechtigkeit zu bewahren gilt.

Nachhaltigkeit als christliches Prinzip

Das ethische Leitprinzip hinter diesem Denken ist die Nachhaltigkeit. Sie bedeutet, dass der Mensch nur so viel von den Gütern der Erde nutzen darf, wie verantwortbar ist und kommenden Generationen nicht schadet. Dieses Prinzip ist im Kern zutiefst christlich, da es auf Maß, Verantwortung und Rücksichtnahme gründet.

Kirchliches Leben bringt dieses Verständnis auf vielfältige Weise zum Ausdruck. Der jährliche „Tag der Schöpfung“, der Anfang September begangen wird, erinnert daran, dass der Schutz der Schöpfung ein bleibender Auftrag der Kirche ist – getragen von Gebet, Bildung und praktischem Handeln.

Die Liebe zur Schöpfung aus dem Glauben heraus

Ein besonderes Vorbild christlicher Schöpfungsliebe ist der heilige Franziskus von Assisi. In seinem Sonnengesang spricht er von „Bruder Sonne“ und „Schwester Wasser“ und bringt damit eine tiefe Ehrfurcht vor Gottes Werk zum Ausdruck. Diese Haltung entspringt keinem romantischen Naturbild, sondern einem festen Gottvertrauen.

Auch die Bibel selbst ist reich an Bildern, die die Schönheit und Ordnung der Schöpfung preisen. Besonders die Psalmen laden dazu ein, Gott für seine Werke zu loben. Psalm 104 beschreibt eindrucksvoll die Vielfalt der Geschöpfe und bekennt: „Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht.“

Darin zeigt sich eine zentrale christliche Überzeugung: Jedes Geschöpf hat seinen eigenen Wert vor Gott. Aus dieser Haltung erwachsen Dankbarkeit, Ehrfurcht und Verantwortung. Der christliche Schöpfungsglaube ist damit eine feste Grundlage für den Einsatz zur Bewahrung der Schöpfung – getragen aus dem Glauben, verwurzelt in der Tradition und offen für die Zusammenarbeit mit allen Menschen guten Willens.


Text: Laura Krueger/f1rstlife

(kw)

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