Leute fahren auf dem Schiff vor der Walhalla

Mit dem Deutschen Orden auf der Donau: 21 neue Familiaren vorgestellt

„Dem Glauben in der Welt ein Gesicht geben“


Regensburg, 20. Juli 2026 

Das große Investitur-Wochenende der Familiaren des Deutschen Ordens in Regensburg hatte nicht nur geistliche Höhepunkte, sondern auch ein weltliches Programm. Neben der Besichtigung zahlreicher Sehenswürdigkeiten der UNESCO-Weltkulturerbestadt ging es am Samstagabend mit der MS Kristallkönigin auf eine Schifffahrt zur Walhalla. Zur geselligen Runde mit Blasmusik an Bord, einem gemeinsamen Abendessen und der Vorstellung der 21 neuen Familiaren gehörten Brüder und Schwestern des Ordens – allen voran Hochmeister Pater Frank Bayard OT aus Wien – sowie die Familiaren mit ihren Familien und Freunden. Als Ehrenritter des Deutschen Ordens war auch Bischof Dr. Rudolf Voderholzer mit von der Partie. Ebenfalls an Bord war Weihbischof Dr. Josef Graf, der das Amt des Geistlichen Assistenten der Komturei „An der Donau“ innehat. In ihr sind die Familiaren der Bistümer Regensburg und Passau zusammengefasst.

Viele Wege führen in das Familiaren-Institut

Der eigentliche Orden, der „Orden der Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem“, wurde 1190 als Hospitalbruderschaft vor den Toren Akkons im Heiligen Land gegründet. Später kamen die Schwestern hinzu. Das Familiaren-Institut, das mittelalterliche Vorläufer hat, wurde 1966 von Papst Paul VI. neu begründet. In ihm kommen Laien und Priester, Männer und Frauen zusammen, die im Gebet und auch materiell die vielfältige Arbeit des Deutschen Ordens unterstützen. Die Ballei Deutschland umfasst neun Komtureien und eine Subkomturei. An der Spitze der Ballei steht der Balleimeister, an der Spitze einer Komturei jeweils ein Komtur. Beim großen Pontifikalamt am Samstagvormittag waren im Dom St. Peter 21 neue Familiarinnen und Familiaren aufgenommen worden. Die Zusammensetzung der Gruppe ist sehr vielfältig. Die drei Kandidatinnen und 18 Kandidaten, darunter drei Priester und ein Ständiger Diakon, kommen aus ganz Deutschland. Besonders die im Aufbau befindliche Subkomturei „Sachsen und Thüringen“ (Bistümer Görlitz und Dresden-Meißen) erhielt gleich sieben neue Mitglieder. Unter den 27- bis 71-jährigen Neu-Familiaren sind ein Schuldirektor, eine Lehrerin und ein Gemeindereferent ebenso vertreten wie ein kaufmännischer Angestellter, ein Zollbeamter und eine Unternehmensberaterin. Dazu kommen Rechtsanwälte, ein Arzt und Universitätsprofessoren. Die Wege zum Deutschen Orden sind ebenso vielfältig. Manche Kandidaten haben Familienangehörige, die Familiaren sind; andere kommen aus Pfarreien, die von Patres des Deutschen Ordens seelsorgerisch betreut wurden. Da gibt es Suchende nach einer geistlichen Heimat in der Kirche und solche, die durch Freunde auf den Orden aufmerksam wurden. Die einen sprach der karitative Aspekt des „Helfens“ besonders an, die anderen der spirituelle des „Heilens“. Allen gemeinsam ist das Ziel, zusammen mit der großen Ordensfamilie von Brüdern, Schwestern und Familiaren dem Glauben in der Welt ein Gesicht zu geben, getreu dem jahrhundertealten Ordensmotto „Helfen und Heilen“.

Auf den Spuren des Deutschen Ordens

Die Donauschifffahrt mit der MS Kristallkönigin führte bis zur Walhalla bei Donaustauf, die von allen begeistert auf dem Oberdeck bestaunt wurde. Die klassizistische Gedenkstätte auf dem Bräuberg wurde von 1830 bis 1842 vom Architekten Leo von Klenze errichtet; Auftraggeber war König Ludwig I. von Bayern. Dort sollte an bedeutende Persönlichkeiten aus dem deutschen Sprachraum erinnert werden. Die Reihe von Büsten wurde auch nach der Fertigstellung immer wieder ergänzt. Heute befinden sich dort 132 Büsten und 65 Gedenktafeln. Darunter sind auch fünf Personen mit einem Bezug zum Deutschen Orden:

Büste 49: Wolter von Plettenberg († 1535) war der bedeutendste Landmeister des Deutschen Ordens in Livland im Baltikum.

Tafel 53: Hermann von Salza († 1239) war von 1209 bis 1239 der vierte Hochmeister des Deutschen Ordens. Zwischen Kaiser Friedrich II. und Papst Gregor IX. spielte er als Vermittler eine bedeutende Rolle.

Tafel 51: Die heilige Landgräfin Elisabeth von Thüringen († 1231) war eine Tochter des Königs Andreas II. von Ungarn. Durch ihre gelebte Nächstenliebe („Rosenwunder“) wurde sie zu einer der Patroninnen des Ordens.

Büste 62: Erzherzog Karl von Österreich, Herzog von Teschen († 1847), wurde als österreichischer Feldmarschall und Sieger in der Schlacht bei Aspern berühmt. Von 1801 bis 1804 war er der 54. Hochmeister des Deutschen Ordens.

Büste 118: Dr. Konrad Adenauer († 1967) war von 1949 bis 1963 der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. 1958 wurde er Ehrenritter des Deutschen Ordens. Die Ehrenritterschaft ist eine besondere Form der Zugehörigkeit zum Familiaren-Institut.

Der Komtur der Komturei „An der Donau“, Dr. Thomas Koch, zeigte sich sichtlich zufrieden mit dem gelungenen Abend, der viele Möglichkeiten zum Austausch unter den Familiaren geboten hatte. Am Sonntagmorgen bildete ein Dankgottesdienst in der Deutschordenskirche St. Ägid am Ägidienplatz den Abschluss. Zelebrant war Weihbischof Dr. Josef Graf, Geistlicher Assistent der Komturei „An der Donau“.

Fotos und Text: © Carl Prämaßing
(jas und SG)



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