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Zur Neuigkeit
Misereor begrüßt Wahlausgang in Brasilien
Erleichterung ist keine Entwarnung
Brasília/Aachen, 26. Oktober 2026
Bei der gestrigen Stichwahl hat sich der Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei (PT) gegen den rechtsextremen Flávio Bolsonaro von der Partido Liberal (PL) durchgesetzt. Lula erhielt 51,8 Prozent der Stimmen, Bolsonaro kam auf 48,2 Prozent. Misereor begrüßt den Wahlausgang in der größten Demokratie Lateinamerikas, warnt jedoch vor schwierigen Jahren für Menschenrechte und Umweltschutz: Bei den gleichzeitigen Wahlen zu Parlament und Senat sowie in den Bundesstaaten hat es einen erneuten Rechtsruck gegeben.
Regina Reinart, Brasilien-Expertin bei Misereor, hebt den Wahlerfolg als Zeichen demokratischer Stärke hervor:
„Die Mobilisierung der Nichtwählerinnen und Nichtwähler und der entschlossene Einsatz seit dem ersten Wahlgang haben sich ausgezahlt. Fünf Millionen Menschen mehr als im ersten Wahlgang haben ihre Stimme abgegeben, Lula erhielt zehn Millionen Stimmen mehr als zuvor. Das Ergebnis der ersten Runde noch einmal zu drehen, ist eine enorme Leistung. Es zeigt, wie viele Menschen sich in Brasilien für die Demokratie eingesetzt haben. Unsere Projektpartner vor Ort sind voller Freude. Für sie stand viel auf dem Spiel: der Schutz des Amazonas ebenso wie ihre Rechte als Aktivistinnen und Aktivisten und als Menschen, die sich für den Erhalt ihrer Lebensgrundlagen einsetzen. Gleichzeitig ist klar: Die kommenden Wochen und Monate werden trotzdem nicht einfach. Bolsonaro hat bereits angekündigt, das Wahlergebnis anzufechten – obwohl Lula mit mehr als vier Millionen Stimmen Vorsprung gewonnen hat. Brasilien steht weiterhin vor großen Herausforderungen.“
Claudia Fix, Leiterin der Dialog- und Verbindungsstelle von Misereor in Brasilien, hat die Wahlnacht in Brasília miterlebt und kommentiert, dass die Situation nach wie vor höchst angespannt ist:
„Unsere Partner sind erleichtert, dass der moderate Reformkurs von Präsident Lula fortgesetzt werden kann – zumindest innerhalb der Grenzen einer fehlenden parlamentarischen Mehrheit. Doch die Erleichterung ist keine Entwarnung: Der wiedergewählte Präsident wird es mit einem Kongress zu tun haben, der so konservativ und rechtsextrem ist wie nie zuvor in der brasilianischen Geschichte seit der Redemokratisierung. Die Regierung wird gezwungen sein, viel Energie darauf zu verwenden, bereits Erreichtes zu verteidigen – und wird nur geringe Spielräume zur Gestaltung haben. Auch haben die Wahlen die ideologischen Fronten noch einmal deutlich verschärft. Der Wahlsieg allein schützt unsere Partnerorganisationen noch lange nicht vor einer zerstörerischen Wirtschaftspolitik und neuen Bedrohungen der Menschenrechte.“
Text: Bischöfliches Hilfswerk Misereor e.V.
(kw)




