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Zur Neuigkeit
Literarisches Café der Ackermann-Gemeinde mit den „Målaboum“
Egerländer Kultur bewahren
Regensburg, 24. Februar 2026
In die diesjährige Veranstaltungsreihe „Literarisches Café“ startete die Ackermann-Gemeinde in der Diözese Regensburg mit einer „Egerländer Autorenlesung mit Zitherbegleitung“ im Regensburger Café Pernsteiner by Sipl. Betitelt war die von etwa 25 Gästen besuchte Lesung mit „Målaboum: daham!“ Dahinter verbergen sich Richard Šulko und sein Sohn Vojtěch aus Netschetin (Nečtiny) im Egerland - alles andere als Unbekannte in diesem Bereich.
Nach einem einleitenden Lied und der Begrüßung durch den Diözesanvorsitzenden Prof. Dr. Bernhard Dick stellte Moderator Marcus Reinert die beiden „Gäste aus dem Egerland“ kurz vor. Die Texte, Musik und Lieder würden, so Reinert, auch in eine Zeit führen, „die anders als heute ist, in eine Zeit mit anderen Herausforderungen“. Den Målaboum sei aber wichtig, mit Zuversicht das egerländische Erbe zu erhalten und weiterzugeben. Richard Šulko tut dies auch als Vorsitzender des Bundes der Deutschen in Böhmen.
In seinen einführenden Worten verwies Šulko neben der im Jahr 1991 erfolgten Gründung des Verbandes auf seinen Urgroßvater, der als deutscher Sozialdemokrat nicht vertrieben wurde, und auf seine Mitarbeit bei mehreren Radiosendern, wo er egerländische Kultur in die Öffentlichkeit bringt. „Ich bin der letzte Autor, der seine Texte noch in egerländischer Mundart verfasst“, bekannte er. Und dieses Kulturgut wolle er vorstellen.
„Daham bleibt daham!“
Unter den gut 20 Text- und Liedbeiträgen waren auch einige in Hochdeutsch. Ganz neu, weil erst vor sechs Wochen entstanden, war eine Erzählung über die Heiligen Drei Könige. Diese schenken – ähnlich wie bei Otfried Preußlers „Die Flucht nach Ägypten. Königlich böhmischer Teil“ – dem Jesuskind regionale Produkte, unter anderem deftiges Essen und Bier. In einem weiteren Text ging es mit Blick auf einen vertriebenen Onkel um die Frage, ob „geblieben“ besser als „vertrieben“ sei. Šulkos Fazit: „Daham bleibt daham!“ Der Text „Stumme Zeugen“ handelt von Personen, die auf die deutsche Vergangenheit verweisen, mit Namen etwa in Kirchen und Kapellen verewigt sind und daher vor allem an christlichen Feiertagen öffentlich deutlich werden. „Mein Schicksal wird hier lebendig“, lautete ein Satz. Denn der Autor deutete auch Schicksale aus der eigenen Familienhistorie an. In seiner unmittelbaren Heimatregion spielt die ebenfalls erst kürzlich – im Fasching – geschriebene Kurzgeschichte „Der Geist vom schwarzen Teichl“, die ihren Ausgangspunkt in einem Faschingstreiben hat. Die von Šulko verfassten und vorgetragenen Gedichte beinhalten die Liebe in unterschiedlichen Kontexten (auch Heimatliebe) oder die fünf Finger und deren Bedeutung im Laufe des Lebens. In seine Heimatregion ging es mit der Wintergeschichte „Schwanen-Wald“ und einem Text zum Brauch des Federnschleißens – verbunden mit Erinnerungen bis ins Jahr 1939 und damit auch Spuren der Vergangenheit. Šulkos tiefe christlich-katholische Prägung zeigt sich auch im Gedicht „Ostern“ und in den in fast allen Texten durchschimmernden Botschaften von Nächstenliebe, Nachsicht und Verständnis.

Viele traditionelle Lieder
Die Lieder, bei denen Richard Šulkos Sohn Vojtěch ihn mit der Zither begleitet, waren traditionelle Stücke aus dem Egerland beziehungsweise dem Erzgebirge. Inhaltlich ging es unter anderem um die Liebe in ihren vielfältigen Kategorien (zur Mutter, Heimat, Natur, Christenliebe). So sang Šulko das Lied „Die Gärtnerin“, in dem es um versprochene, aber letztlich nicht eingehaltene Liebe geht. „Das älteste Lied, das ich singe“, ist „Es war amal a Müllerin“, das von einer stolzen Müllerin erzählt, die ihr Handwerk selbst ausüben möchte. Nicht fehlen durften bekannte Lieder wie „Grüß dich Gott, mei Erzgebirg“ oder „Heint scheint der Mond so schia".
Vertreibung der Deutschen in Tschechien noch nicht verarbeitet
Nach seinen Text- und Liedvorträgen beantwortete Šulko die Fragen aus dem Publikum. Dabei ging er auf die Strukturen der Vereinigungen und Verbände der Deutschen in Tschechien ein, verwies auf die Schwierigkeiten in der Jugend- und Nachwuchsarbeit und stellte fest, dass in der tschechischen Gesellschaft die Vertreibung der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges und auch die Zeit des Kommunismus größtenteils noch nicht verarbeitet seien. Natürlich erläuterte er auch den Hausnamen „Målaboum“ (vom Maler-Beruf der Vorfahren). Und zum definitiven Abschluss beziehungsweise als Zugabe sang er das Lied „S’is Feieromd“. Im Anschluss signierte er gerne das 74 Seiten umfassende Buch „Målaboum: daham!“ mit Gedichten und Geschichten in Egerländer Mundart und in Deutsch sowie einer CD mit Musik der „Målaboum“ und weiterer Ensembles.
Text: Markus Bauer
(kw)




