Künstlergespräch: (v.l.) Isolde Hilt, Jocelyn B. Smith, Dr. Maria Baumann

Künstlergespräch mit Jocelyn B. Smith in Regensburg

Halleluja am Aschermittwoch


Regensburg, 23. Februar 2026

Ein Künstlergespräch war weltlicher Mittelpunkt des Aschermittwochs der Künstlerinnen und Künstler am 18. Februar in Regensburg. Die weltbekannte Soul- und Gospel-Legende Jocelyn B. Smith stellte sich den Fragen von Dr. Maria Baumann und setzte im Anschluss mit ihrer Musik bemerkenswerte Akzente. So wurde dieses Gespräch, das unter dem Titel „The Power of Yes“ stand, zu einem besonderen Ereignis. Es fand an einem Ort statt, an dem vorwiegend Rock- und Popmusik aufgeführt wird, und wurde doch zu einer im besten Sinne vergeistigten, vom christlichen Glauben tief geprägten Veranstaltung.

Natürlich ist Jocelyn B. Smith ein Star, natürlich hat sie ein enormes Publikum. In Regensburg saß sie beim Aschermittwoch der Künstlerinnen und Künstler auf einer kleineren Bühne, mitten unter den Regensburger Kunstschaffenden. Dr. Maria Baumann befragte sie einfühlsam nach der Kraft des „Ja“, und Jocelyn B. Smith spielte den Ball sofort weiter. „Die Göttlichkeit ist in unserer Stimme“, sagte sie zum Publikum gewandt, „sagt einander wundervolle Dinge.“ Die frohen Mienen auf den Gesichtern der aufmerksamen Zuhörer gaben ihr Recht.

„Wenn wir unserer Seele erlauben, ein ‚Ja‘ zu sprechen, kommen wir in seelisches Gleichgewicht“, fuhr Smith fort, „und daraus erwächst Kraft.“ Ausdrücklich forderte sie dazu auf, die nun beginnende Fastenzeit für eine Pause zu nutzen – und die sozialen Medien ruhen zu lassen: „Jesus hatte keine Social-Media-Kanäle, und seine Botschaft ist immer noch da, nach 2.000 Jahren.“ Ihr Rezept: „Hören wir lieber einander zu, denn aus dem liebevollen Zuhören wächst ein Miteinander, und dieses Miteinander ist Frieden.“ Sie präzisierte: „Unsere Stimme ist das Vehikel für Mitmenschlichkeit und Heilung.“

Der Verzicht auf die Nachrichten aus dem Internet sei, so Smith weiter, ein guter Weg, um mit der immer unfriedlicheren Welt umzugehen: „The Power of Yes meint, dass meine Stimme wichtiger ist als das Geräusch der Welt. Wir sollen uns das selbst sagen: Today is gonna be my peaceful day.“ Ausführlich schilderte sie auf Nachfrage von Dr. Maria Baumann, wie diese Botschaft die Menschen in Berlin berührte – zum Beispiel bei der Gedenkfeier für die Opfer des islamischen Terrors in New York vom 11. September 2001, bei der sie „Amazing Grace“ und danach das Vaterunser sang. „The Power of Yes“ – die Kraft der Vergebung.

Aber Jocelyn B. Smith beließ es nicht bei Worten, sondern gab auch ein kleines Konzert. Einfühlsamer und eindrücklicher hat wohl kaum jemand das Lied „Halleluja“ von Leonard Cohen je gehört. Die Künstlerin intonierte es am Flügel, und die Anwesenden sangen den Refrain, diese so einfache und zu Herzen gehende Tonfolge, voller Andacht mit. Smith nutzte diesen musikalischen Moment, um sich selbst zu unterbrechen – und das Stück „Viergestalt“ aus der Feder von Professor Steven J. Heelein OblOSB, das zuvor in der Kirche St. Anton uraufgeführt worden war, mit höchster Anerkennung zu loben.

Als das Lied „Halleluja“ dann eigentlich beendet war, legte sie erneut los – eine frei interpretierte Gospel-Version des Cohen-Klassikers, voller Freude am Glauben und Vertrauen in die Gemeinschaft. Spontan standen ihre Zuhörer auf, fast riss es sie von ihren Sitzen, und mit stehenden Ovationen quittierten sie die künstlerische Darbietung. Die theologische Einordnung nahm Bischof Dr. Rudolf Voderholzer vor: „Im Halleluja steckt das ‚Ja‘. Dieses ‚Ja‘ ist zugleich das Kurzwort für Jachwe, das hebräische Wort für ‚Gott‘.“ Gottes Handeln stellte er in Bezug zur Passionszeit, indem er ausführte: „Jesus ist das ‚Ja‘ und das ‚Amen‘ zu uns Menschen.“

Text: Sebastian Sigler



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