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Johannes Paul II. im Akademischen Forum

Tapferer Pole, Heiliger der Menschenwürde

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Am vergangenen Wochenende hat in Regensburg die Tagung „Im Dienst am Menschen. Karol Wojtylas Anthropologie“ stattgefunden. Veranstalter war das Akademische Forum Albertus Magnus. Anlass war der 100. Geburtstag des Papstes aus Polen, der von 1978 bis 2005 an der Spitze der Kirche stand. Prof. Dr. Sigmund Bonk, Direktor des Akademischen Forums, erinnerte gleich vorweg daran, dass Joseph Kardinal Ratzinger bereits wenige Tage nach der Wahl Johannes Paul II. durch die Kardinäle gesagt hatte: „Das eigentliche Problem unserer Zeit ist es, im Heute als Glaubende zu leben.“

Sogar noch nötiger als 1978

Dabei verwies der spätere Papst Benedikt XVI. auf das „tapfere polnische Volk“, das er somit mit Vorbildcharakter versah. Prof. Bonk sagte seinerseits, vielleicht hätten wir Johannes Paul II. heute sogar noch nötiger als 1978. Heute jedenfalls sei es wichtig, seine Gedanken „für unsere Zeit neu fruchtbar zu machen“. Der Innsbrucker Dogmatiker Józef Niewiadomski hatte den heiligen Papst einst den „Heiligen der Menschenwürde“ genannt und somit die Verbindung zwischen dem Heiligen und dem Menschlichen kurz gefasst. Mitorganisator Dr. Stefan Endriß zeigte sich hocherfreut und obendrein sehr dankbar, dass die Tagung nun trotz der Pandemie erfolgen konnte.

Im Laden des Goldschmieds

Die Verbundenheit der aktuellen Tagung mit diversen Tagungen zur Theologie des Leibes gemäß Johannes Paul II. verdeutlichte Frau Maria Groos, die Vorstandsvorsitzende des Vereins „Knotenpunkt – Begegnung verbindet“ in Eichstätt. Sie erklärte, nur scheinbar habe die Theologie des Leibes nichts mit Leid und Tod zu tun. Vor allem erinnerte M. Groos an verschiedene Werke Johannes Paul II., in denen seine Sicht auf die christliche Ehe und Sexualität zum Tragen kommt, etwa: „Der Laden des Goldschmieds“ und die sog. Mittwochskatechesen.

In den folgenden hochinteressanten Stunden entwickelten mehrere Kenner unterschiedlicher Aspekte der Lehre und des Lebens Johannes Paul II. dessen Anthropologie, stets in Rückschau und im Hinblick auf zentrale theologische Aussagen. Die Tagung fand statt in Anwesenheit von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer sowie in Anwesenheit von Domkapitular Prof. Dr. Josef Kreiml.

Letztlich ist es Blasphemie

Prof. Dr. Manfred Gerwing, emeritierter Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Theologischen Fakultät in Eichstätt, untermauerte das christliche Verständnis vom Menschen, insofern nämlich jeder Anschlag auf den Menschen ein Anschlag auch auf Gott sei, was wiederum „letztlich Blasphemie“ sei. Abzulehnen, dass Gott den Menschen geschaffen habe und dass es Gott überhaupt gibt, das vollziehe sich im atheistischen Existenzialismus, dessen höchst wirksam das Heute beeinflussender Philosoph Jean-Paul Sartre sei – Wegbereiter der Postmoderne. Existenz statt Essenz, so laute die Weichenstellung entgegen dem christlichen Menschenverständnis vom Geschaffensein des Menschen. Dr. Gerwing: „Der Mensch bestimmt sich und wie er sein soll, weil es keinen Gott gibt.“ Demgegenüber legte Karol Wojtyla den Schwerpunkt auf eine christliche Gotteslehre „ganz wesentlich“ als Christologie. Und Christus „macht dem Menschen den Menschen kund“.

Bitte mit Herzensbildung

Dr. Hans Ernst, der bis vor Kurzem als Akademischer Oberrat an der Universität Bamberg gewirkt hatte, stellte die Anthropologie bei Johannes Paul II. vor, die vor allem vom Personalismus geprägt ist. Die Person des Menschen hat immer ihr eigenes Ziel (sollte es haben, zumindest). Und die Person des Anderen dürfe nie als ein Objekt genommen werden. Insgesamt geht es um einen Paradigmenwechsel von einer normativen Pädagogik zu einer personalistischen Pädagogik. Karol Wojtyla habe gezielt philosophisch – übrigens auch im Gespräch mit Atheisten und atheistischen Machthabern – diskutiert; in der pädagogischen Praxis sei dies nicht zuletzt anschlussfähig mit den Postulaten einer Erziehung von Herz und Charakter („Herzensbildung“). Heute allerdings könne die Pädagogik nur noch wenig mit „Herz und Werten“ anfangen, sagte PD Dr. Ernst kritisch.

Tier muss, Mensch soll

Dr. Helmut Müller, vormals Akademischer Direktor an der Universität Koblenz-Landau, sprach über das Verhältnis von Natur und Person bei Johannes Paul II. Wesentlicher Unterschied zwischen Tier und Mensch sei, dass aus dem Können des Tieres ein „Müssen“, aus dem Können des Menschen allerdings ein bzw. das „Sollen“ hervorgehe. Dr. Müller: „Mit der quantitativen Naturtheorie blicken wir nur durch eine Schießscharte.“ Natur sei bei Johannes Paul II. kein Gegenbegriff zur Person, sondern in die Person „eingeschmolzen“. Helmut Müller weiter: „Natur ist bei ihm immer auch Schöpfung.“ Im Gegenzug kritisierte Philosoph Müller moraltheologische Tendenzen, in deren Rahmen Natur und Person als erratische Blöcke gesehen werden.

Transport in zerbrechlichen Gefäßen

Prof. Dr. Veit Neumann aus Regensburg sprach über Johannes Paul II. und die Medien. Laut dem Pastoraltheologen sind die Gründe für seinen weithin gelungenen Umgang mit Medien sein Wissen um deren Eigengesetzlichkeiten und sein Respekt davor, sein dynamischer Gebrauch der Medien im Sinne von Offenheit für ihre Möglichkeiten bei Kritik im Angesicht von „Bedrohungen“, die Medien mit sich bringen. Nicht zu vergessen sei seine persönliche Sympathie für Menschen, die der Aufgabe nachgehen, die Welt zu gestalten, das sind etwa: Journalisten und Journalistinnen sowie Medienschaffende, und die die persönliche Verantwortung dafür nicht scheuen. Schließlich nannte Prof. Neumann nicht zuletzt die Gabe des großen und heiligen Papstes, sich ganz als Mensch für die Überzeugungen zu geben, mit denen anderen Menschen geholfen werden soll. Theologische Botschaften über Medien transportieren heiße sie in Gefäßen zu transportieren, die zerbrechlich sind. Dessen sei sich der Jahrhundertpapst sehr bewusst gewesen; das somit gegebene Risiko habe er in Geduld getragen, die Chancen allerdings hingebungsvoll zugunsten des Evangeliums genutzt.