News Bild Immer mehr Wasserpfeifen-Raucher müssen in die Druckkammer

Immer mehr Wasserpfeifen-Raucher müssen in die Druckkammer

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Das Caritas-Krankenhaus St. Josef stellt die Zunahme der Behandlungsfälle bei Kohlenmonoxid-Vergiftung durch Shisha-Rauchen fest:
Der Trend des Shisha-Rauchens scheint ungebrochen. Doch die wenigsten der meist jugendlichen Nutzer wissen um die Gefahr, die in den harmlos wirkenden Wasserpfeifen steckt: Kohlenmonoxid (CO).  Der Rauch der Wasserpfeife enthält große Mengen dieses farb- und geruchlosen Gases. Atmet der Mensch Luft mit erhöhtem Kohlenmonoxidgehalt ein, bindet sich das CO direkt an die Transportstelle für Sauerstoff in den roten Blutkörperchen. Über den Blutkreislauf wird es dann im ganzen Körper verteilt und kann so in alle Zellen wandern. Besonders empfindlich reagieren hierauf Organe, die viel Energie in Form von Sauerstoff verbrauchen. Schon geringe Mengen des eingeatmeten Kohlenmonoxids können zu Schäden an Herz und Gehirn führen, größere Mengen sind sogar tödlich. Im Caritas-Krankenhaus St. Josef werden Patienten mit CO-Vergiftung behandelt. Denn da gibt es die dazu benötigte Druckkammer. In jüngster Zeit mussten dort acht junge Patienten infolge des Shisha-Konsums behandelt werden.

 

Es liegt in der Luft..

Das tückische Gas ist zwar auch in normalem Zigarettenrauch enthalten. Im Normalfall ist der Gehalt an schädigendem CO jedoch in einem Bereich, den der Körper aushält, insbesondere, weil sich über Wochen, Monate und Jahre hinweg ein Gewöhnungseffekt an das Gift einstellt. Beim Shisha-Rauchen kommt es seit zwei Jahren allerdings gehäuft zu Unfällen. Zunehmend mehr Menschen mit CO-Vergiftung kommen nach St. Josef. Einerseits, weil der Rauch der Wasserpfeife eine große Menge an CO enthält. Andererseits könnte es auch an schlecht gelüfteten Kneipenräumen, defekten Shisha-Pfeifen oder eben an übermäßigem Konsum liegen. Privatdozent Dr. med. Michael T. Pawlik, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, weiß, dass bereits 20 Prozent CO im Blut kritisch sind. „Seit einiger Zeit haben wir vor allem Jugendliche und junge Erwachsene hier, deren CO-Gehalt im Blut sogar 30 Prozent und mehr beträgt. Das ist lebensbedrohlich und muss sofort behandelt werden“, sagt Pawlik. Die Patienten sind benommen, schläfrig, ihr Sehvermögen und die Motorik beeinträchtigt, sie können an starken Kopfschmerzen und Übelkeit leiden, von Schüttelkrämpfen gebeutelt werden oder sind nicht selten bereits bewusstlos. Die Ärzte greifen für ihre Therapie auf die „Hyperbare Oxygenation“ (HBO) zurück: In der Druckkammer atmet der Patient dabei reinen Sauerstoff unter erhöhtem Umgebungsdruck ein. Während der HBO-Therapie kommt es zum Austausch des im Körper befindlichen Kohlenmonoxids gegen Sauerstoff.

 

Glücksfall für die Betroffenen

 

In Regensburg begann 1997 unter der Leitung von Dr. Urs Braumandl die Etablierung der Hyperbaren Sauerstofftherapie mit einer Mehrpersonen-Druckkammer. Aus wirtschaftlichen Gründen stellte Braumandl Ende 2014 den Betrieb der Druckkammer ein. Für Dr. Helmut Meyringer, Stellvertretender Direktor der Klinik für Anästhesiologie, ist es „ein Glücksfall, dass das Rettungszentrum Regensburg im Mai 2015 mit Hilfe der BMW Charity die Finanzierung einer Ein-Personen-Druckkammer initiieren konnte“. Die BMW Group Werk Regensburg, die Sparkasse Regensburg sowie die Gemeinnützige Gesellschaft zur Stärkung des Regionalbewusstseins im Landkreis Regensburg mbH haben so einen wesentlichen Beitrag zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung in Ostbayern geleistet. Nur gut, dass seit Oktober 2015 die HBO-Therapie am Caritas-Krankenhaus St. Josef Regensburg wieder möglich ist. Durch die angeschlossene Intensiv-Station ist eine 24-Stunden-Rufbereitschaft sichergestellt.

 

So dicht wie Luft

In St. Josef kommt die HBO auch nach Unfällen mit brennstoffbetriebenen Geräten, Tauchunfällen oder Suizidversuchen, beispielsweise durch das Einatmen von Autoabgasen, zum Einsatz. CO ist an sich farb-, geruch- und geschmacklos. Es kommt überall vor, ist brennbar, giftig und hat dieselbe Dichte wie Luft. Die höchsten CO-Konzentrationen sind an verkehrsreichen Straßen, in geschlossenen Garagen, Autowerkstätten und in Räumen mit schlecht ziehenden Öfen und Gasthermen sowie im Tabakrauch zu finden. Starke Zigarettenraucher können im Tagesverlauf bis zu 15 Prozent, Verkehrspolizisten in Ballungszentren bis zu zehn Prozent des CO-Hämoglobins bilden.