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"Heilige Walburga bitte für uns"

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Bischof Rudolf Voderholzer hielt sein Versprechen und feierte am 25.2.2014 mit den Pilgern aus der Region in der vollbesetzten Wallfahrtskirche auf dem Lamberg das Patronatsfest der Heiligen Walburga. Nach der Eucharistiefeier wurde ausgiebig im neu hergerichteten Wirtshaus neben der Wallfahrtskirche gegessen und getrunken. Wie es sich für eine gute Wallfahrt gehört.

Im Anschluss finden Sie die Predigt des Bischofs.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die heilige Walburga – Vorbild für eine Solidarität in Glaube, Hoffnung und Liebe

Predigt von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer

Leben und Verehrung der heiligen Walburga

Dass es auch bei uns hier im östlichen Bayern eine Walburgaverehrung gibt, ist nicht selbstverständlich. Sie konzentriert sich eher auf das Frankenland, das Rheinland und Belgien und hat natürlich besonders in Eichstätt ein Zentrum. Dort werden seit der Erhebung im Jahre 870 ihre Gebeine verehrt. Aber es gibt vereinzelt auch Wal-burgakirchen in Österreich und im östlichen Bayern. Die heilige Walburga ist eine über jeden Zweifel erhabene historische Gestalt und sie zeigt, dass bei der Missionierung unserer Heimat, bei der Grundlegung des Glaubens in Bayern und Deutschland auch Frauen maßgeblich beteiligt waren. Die heilige Walburga gilt als Tochter des christlichen, westsächsischen Königs Richard von Wessex und wird von den meisten Quellen als Nichte des Apostels der Deutschen, des heiligen Bonifatius und als Schwester der heiligen Willibald und Wunibald angesehen. Sie war also in einer Familie groß geworden, in der der Glaube in ganz besonderer Weise lebendig war, so lebendig, dass die jungen Leute ihre Heimat verlassen haben, um hier auf dem Festland den Glauben an Jesus Christus zu verkündigen. Der hl. Bonifatius, der 754 das Martyrium erlitt, gilt als einer der ersten, der gezielt Frauen in der Mission einsetzte. Was für eine große Frau muss die heilige Walburga gewesen sein: Äbtissin nicht nur eines Frauenklosters in Tauberbischofsheim, sondern einige Zeit lang auch noch zusätzlich eines Männerklosters in Heidenheim an der Brenz. Sie war eine wahrhaft starke, mutige und zugleich mütterliche Frau. Im Alter von 70 Jahren starb sie an ihrer Wirkungsstätte in Heidenheim am 25. Februar 779, nach anderen Quellen erst im Jahr 780. Als Äbtissin wurde Walburga zu einer der bedeutendsten Frauen des christlichen Europas. Über ihr seelsorgliches und organisatorisches Wirken hinaus werden ihr eine Reihe von Heilungen zugesprochen. An ihrer Verehrung kann man eine frühe Form der Heiligsprechung ablesen. Ihre Gebeine wurden am 1. Mai des Jahres 870 erhoben (die Nacht vom 30. April auf 1. Mai ist deshalb die Walpurgisnacht) und von ihrem Sterbeort Heidenheim nach Eichstätt überführt, wo sie bis auf den heutigen Tag ruhen und verehrt werden. Das ist die frühe Form der Heiligsprechung: die Erhebung der Gebeine zum Zwecke der besonderen Aufbewahrung und Verehrung.


Walburga als Verkörperung einer der „klugen Jungfrauen“ (Mt 25,1–13)

Die Liturgie der Kirche stellt uns Walburga vor als eine kluge Jungfrau, als eine Frau, die vorausschauend Öl gesammelt hat, um für die Begegnung mit dem erwarteten Bräutigam bereit zu sein: Walburga eine Frau, die das Ölgefäß ihres Lebens reich gefüllt hatte. Die Ausleger des Gleichnisses von den klugen und den törichten Jungfrauen deuten dieses Ölgefäß und das darin gesammelte Öl als Vorrat an Glaube, Hoffnung und Liebe. Walburga wird uns also vorgestellt als eine Frau, die aus der Sehnsucht nach der Begegnung mit Christus dem Bräutigam eine Fülle dieses Öls angesammelt hatte und auf diese Weise bereit war, Christus, dem Bräutigam der Kirche entgegen zu gehen. Von diesem Öl heißt es im Evangelium – und das mag vielleicht immer wieder verwundern –, dass man es nicht teilen konnte. Die klugen Jungfrauen werden ja von den anderen, die nicht Vorsorge getroffen haben, gebeten: „Gebt uns von eurem Öl“ (Mt 25,8). Aber dieses Öl, so heißt es im Evangelium, kann man gar nicht mitteilen. Es muss sich bei diesem Öl um etwas handeln, was sehr individuell, nur für einen Menschen persönlich anzusammeln möglich ist. Dieses Öl ist nicht einfach da von einer Stunde zur nächsten. Es muss wachsen, es muss reifen in meinem Herzen.
Es geht um die Heiligkeit, die wir mit Glaube, Hoffnung und Liebe erfüllen. Und beim Heiligwerden geht es um etwas, wo wir zunächst einmal nicht vertretbar sind. „Wir können nicht sagen: Mein Vater war ein halber Heiliger und ich mache jetzt die zweite Hälfte.“ (Jörg Splett) Beim Heiligsein muss jeder von vorne anfangen. Heilig können wir nur je einzeln, individuell und selber werden.

 

Walburga macht das Geheimnis der Stellvertretung sichtbar

Aber: Mit der Verehrung der heiligen Walburga verbindet sich ein Phänomen, das uns in diesem Zusammenhang noch tiefer in das Geheimnis des Glaubens führt. Seit dem 11. Jahrhundert tritt in Eichstätt am Grab der heiligen Walburga ein merkwürdiges Phänomen auf. Seit 1042 soll unter Walburgas Reliquienschrein alljährlich von Oktober bis Ende Februar eine Flüssigkeit, das sogenannte Walpurgisöl austreten. Pilger können es in Fläschchen abgefüllt im Kloster bekommen. Vor allem am 25. Februar, dem Gedenktag der heiligen Walburga, strömen zahlreiche Pilger zu dem wundertätigen Schrein in Eichstätt. Seit dem 15. Jahrhundert wurde die hl. Walburga auch auf Gemälden stets mit dem Ölgefäß abgebildet. [2011 ließ der Kriminalbiologe Mark Benecke eine Probe der Flüssigkeit untersuchen; es handelt sich um hartes Wasser mit einem neutralen PH-Wert.] Was hat es damit auf sich? Die Kirche war immer vorsichtig, von einem Wunder zu sprechen. Denn wir wissen nicht, wo dieses Öl, diese merkwürdige Flüssigkeit herkommt. Aber bildlich und sinnbildlich genommen, führt es uns in die Mitte unseres Glaubens hinein. Während die klugen Jungfrauen im Evangelium noch nicht in der Lage sind, von ihrem Öl etwas mitzuteilen, fließt das Öl der klugen Jungfrau Walburga bis auf den heutigen Tag. Andere Menschen können von ihrem Öl sozusagen profitieren, können an ihrem gesammelten Öl von Glaube, Hoffnung und Liebe Anteil bekommen. Wie ist das möglich?

 

Christsein heißt füreinander da sein

Wir können dies verstehen mit dem Gedanken der „Stellvertretung“. Jesus Christus, unser Herr, an den auch die heilige Walburga geglaubt und dem sie ihr ganzes Leben anvertraut hat, hat stellvertretend für uns den ganzen Glauben, die ganze Hoffnung und die ganze Liebe verwirklicht, die uns letztlich mit Gott versöhnt und so Erlösung geschenkt hat. Er hat stellvertretend für uns alle genug getan an Glaube, Hoffnung und Liebe. Und in ihm, der für uns genug getan hat, sind wir alle erlöst. Das feiern wir, sooft wir uns um den Altar versammeln, wo in der Mitte unseres Hochgebetes gesagt wird: „Das ist mein Leib für euch … das ist mein Blut, hingegeben für alle … für das Leben der Welt.“ Und in diesem Jesus Christus, der sein Leben hingegeben hat für uns alle, sind wir hineingenommen in dieses „Für“, in dieses „Füreinander“. Wer an Jesus Christus Maß nimmt, wer am Altar die Lebenshingabe Jesu für uns feiert und in der Feier der Eucharistie hineintritt in dieses „Für“ Jesu Christi für andere, der bekommt auch die Gnade geschenkt für andere da sein zu können. Und so ist es der heiligen Walburga geschenkt, vom Öl ihres Glaubens, ihrer Hoffnung und ihrer Liebe weiterschenken zu können. Und wie viele werden wohl schon in Eichstätt aber auch hier auf dem Lamberg bei ihr Trost und Zuversicht und Stärkung ihres Glaubens erfahren haben? Ja, wie viele Menschen sind wohl schon hier auf den Lamberg gekommen, beladen mit vielen Sorgen und Nöten, Sorgen vielleicht nicht so sehr um ihr eigenes Leben und ihr eigenes Schicksal, sondern mit Sorgen für andere: für liebe Menschen, für Angehörige, vielleicht für die Kinder, bei denen die Glaubensweitergabe nicht so gut funktioniert hat, für einen lieben Menschen, der in eine schwere Krankheit gefallen ist, aber auch für andere Menschen, die in Not geraten sind. Ja, wie viele Fürbittgebete werden schon zur heiligen Walburga gebracht worden sein, ihr in die Hände gelegt worden sein, dass sie sie vor den Herrn trägt und dass die Solidarität in Glaube, Hoffnung und Liebe hier Gestalt gewonnen hat? Liebe Schwestern und Brüder, die heilige Walburga führt uns hin zu diesem tiefen Geheimnis unseres christlichen Glaubens: Wer glaubt, ist nie allein! Wir können und dürfen im Glauben füreinander da sein, stellvertretend das Leid der anderen mitnehmen, stellvertretend auch die Tränen der anderen vor Gott bringen. Wir sind als Christen in einem großen Netz des Füreinanders geborgen und aufgerufen, auch diejenigen immer wieder mitzunehmen, die aus welchen Gründen auch immer meinen nicht mehr glauben, nicht mehr beten zu können und nach außen hin zumindest den Eindruck erwecken, keine Glut des Glaubens mehr in ihrem Herzen zu haben. Die heilige Walburga steht vor uns als eine Frau, deren Ölquelle, deren Vorrat an Glaube, Hoffnung und Liebe bis in unsere Zeit hinein reicht und wohl noch weit hinein in die Zukunft reichen wird, weil sie eine Frau war, die von Jesus Christus her und auf ihn hin gelebt hat, von ihm das Geheimnis der Stellvertretung empfangen hat, und so für viele von uns zur Quelle von Trost und Zuversicht geworden ist.

 

Einladung zum Gebet für andere

Und wer, liebe Schwestern und Brüder, in der Taufe und in der Firmung mit dem heiligen Öl des Chrisams gesalbt worden ist, der ist nun seinerseits hineingenommen in dieses Geheimnis der Stellvertretung. Wir dürfen und wir können als Christen füreinander beten, füreinander da sein. Und ich freue mich, zu sehen, wie viele Menschen heute gekommen sind, die vermutlich mit einem Anliegen im Herzen für einen lieben Menschen, um vom reichen Vorrat an Glaube, Hoffnung und Liebe der heiligen Walburga etwas zu empfangen und es sozusagen selber umzumünzen und für andere weiter zu schenken. Ich bitte Sie alle, die Wallfahrt zur heiligen Walburga auf dem Lamberg hoch zu schätzen, alles dafür zu tun, dass diese Wallfahrt lebendig bleibt und immer lebendiger wird. Und dass diese Wallfahrt immer unter dem großen Zeichen des „Für“, des Füreinander steht, dass Sie sich in den Wallfahrtsgruppen als eine Gemeinschaft im Glauben erleben, dass Sie füreinander einstehen im Glauben und die Anliegen von Kirche und Welt hier mit herauf nehmen und vor den lebendigen Gott tragen und im Vertrauen auf die heilige Walburga Gott und den Himmel bestürmen. Ja, wir dürfen füreinander beten. Wer glaubt, ist nie allein. Und wenn wir hier vielleicht auch absolut gesehen eine kleine Schar sind, im Geiste ist die ganze Kirche präsent und darüber hinaus die ganze Welt, denn die Kirche ist nicht für sich selber da, sondern für alle.

 

Wir dürfen für alle und füreinander beten: Heilige Walburga, du große Frau, du königliche Frau, du apostolische Frau, du starke Glaubenszeugin, du Trösterin und Mutter vieler Betrübten, lass uns erkennen, dass du stellvertretend für viele geglaubt und gebetet hast und viele mit ins Gebet hineingenommen hast, lass uns von dir lernen, füreinander da zu sein und zeige uns Jesus Christus, der am Kreuz für uns und die ganze Welt sein Leben hingegeben hat. Heilige Walburga, bitte für uns. Amen.