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Gründonnerstag: Liebe bis zur Vollendung

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Am Gründonnerstag feiert die Kirche den letzten Lebensabend Jesu. Beim Mahl mit seinen Jüngern zeigt Jesus, wie weit seine Liebe geht. Von Benedikt Bögle.

Manchmal weiß man, dass etwas hart oder schwierig werden kann. Umgangssprachlich sagen wir: „Mir graust es.“ Eine bestimmte Aufgabe, eine Situation oder einfach nur ein Gespräch sind uns unangenehm. Wir wissen schon zuvor, dass das nicht leicht werden wird. Stunden, Tage vorher sind wir nervös. Die Gedanken kreisen immer wieder um die unangenehme Stunde und nehmen uns gefangen.

So ähnlich wird es Jesus vor seinem Tod gegangen sein. Er weiß, was ihn erwartet. Er weiß, dass einer seiner Jünger ihn verrät. Er weiß, dass er sterben muss – qualvoll, am Kreuz. Er weiß um die Schmerzen, er weiß um die Pein. Die Evangelien berichten, dass er sich dennoch ausliefern lässt. Er rennt nicht vor dieser Aufgabe davon, obwohl das sicherlich möglich gewesen wäre. Er kreist auch nicht nur um das, was geschehen wird, sondern gibt sich ganz hin.

 

Jesus liebt bis zur Vollendung

Im Evangelium des Gründonnerstags (Johannes 13,1-15) heißt es: „Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung. Er zeigt seine Liebe, indem er etwas Unerhörtes tut. Er steht vom Tisch auf und beginnt, seinen Jüngern die Füße zu waschen. Das ist eine Aufgabe, die in der Antike von den niedrigsten Sklaven und Dienern verrichtet wurde. Keiner zwingt ihn, sondern er tut es freiwillig. Seine Jünger verstehen das nicht, Petrus will es gar nicht erst zulassen: „Niemals sollst du mir die Füße waschen!“ (Johannes 13,8).

Jesus entgegnet Petrus: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.“ Petrus fragt, weshalb Jesus dann nur die Füße wasche und nicht den ganzen Leib. Die Begründung: „Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen.“ Oberflächlich betrachtet stimmt das. In der Antike wurden meist Sandalen getragen, die Füße wurden schnell staubig und schmutzig. Selbst wenn man gerade vom Bad kam, waren die Füße dreckig. Deswegen gab es den Sklavendienst, bei dem Besuchern vor dem Essen die Füße gewaschen wurden. Jesus übernimmt hier eine Aufgabe, die sprichwörtliche das Letzte ist. Niemand würde so etwas freiwillig machen. Jesus zeigt seinen Jüngern damit, wie weit seine Liebe geht. Der Liebe Gottes wegen wurde Jesus Mensch und dieser Liebe wegen wird er am Kreuz sterben.

 

Von welchem Bad spricht Jesus?

Gleichzeitig könnten die Worte Jesus noch eine andere Bedeutung haben. Die Jünger kommen vom Bad – damit könnte gemeint sein: Sie kennen Jesus schon, sie haben schon Gemeinschaft mit ihm. Durch die Begegnung mit Jesus sind sie rein geworden. Für uns heute würde das bedeuten: Wir sind getauft, dadurch gehört jeder Christ zu Jesus.

Trotzdem entfernen sich die Jünger immer wieder von Jesus. Judas wird ihn verraten und Petrus verleugnen. Immer wieder brauchen sie und brauchen alle Christen die Begegnung mit Jesu, die den Dreck des Alltags wegspült. Schon die ersten Christen mussten die Erfahrung machen, dass sie weiter sündigen. Auch wer zu Christus gehört, führt kein Leben ohne Fehler. Vielleicht meint die Geste Jesu auch das: Er wäscht immer wieder die Schuld des Lebens weg.

 

Grenzenlose Liebe

Was Jesus an diesem Abend tut, ist grenzenlose Liebe. Er zeigt sein innerstes Wesen, wenn er Stunden vor seinem Tod keine anderen Sorgen hat, als den Jüngern Anteil an sich zu geben. Das Johannesevangelium erzählt dabei eine Geschichte nicht, die die anderen Evangelien schon berichten. Bei seinem letzten Mahl mit den Jüngern reichte er Brot und Wein und sagte: „Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Weil das Johannesevangelium dies nicht erwähnt, spricht die zweite Lesung des Gründonnerstags (1. Korintherbrief 11,23-26) davon. Auch hier gibt Jesus sich ganz hin und zeigt, wie weit seine Liebe geht.

 

Freiheit

Für die drei Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas ist dieses Abschiedsessen Jesu zugleich der Abend des Pesachfestes. Juden feiern an diesem Tag bis heute die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten: Gott selbst, so der Glaube, hat sein Volk von den Unterdrückern befreit. In dieser Nacht gibt Jesus sich den Menschen hin. Wieder handelt Gott, wieder befreit Gott, wieder führt er aus der Sklaverei. Durch seinen Tod befreit Jesus von Sünde und von der letzten Macht des Todes. Davon erzählt die erste Lesung des Gründonnerstags (Exodus 12,1-8.11-14)

Damit ist der Gründonnerstag das große Fest der Liebe Gottes. Egal, ob bei den synoptischen Evangelien, die vom Brechen des Brotes und Teilen des Kelches sprechen oder bei Johannes mit der Fußwaschung: Beides sind Zeichen unglaublicher Liebe. Wenn Gott sich zum Sklaven macht und Füße wäscht, wenn Gott sich freiwillig dem Tod übergibt – wo sollte diese Liebe dann eine Grenze haben?