News Bild Großes Lob und Dank für die Regensburger Domspatzen - Bischof Gerhard Ludwig Müller feiert Pontifikalamt am Hochfest der Auferstehung des Herrn

Großes Lob und Dank für die Regensburger Domspatzen - Bischof Gerhard Ludwig Müller feiert Pontifikalamt am Hochfest der Auferstehung des Herrn

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(pdr) Wie in der feierlichen Osternacht war auch am Vormittag des Osterfestes der Dom mit tausenden Gläubigen, die gekommen waren, die Auferstehung Jesu Christi zu feiern, dicht gefüllt. In seiner Predigt ging Bischof Gerhard Ludwig auf die Zweifel ein, die viele Menschen bezüglich der Auferstehung Jesu Christi von den Toten hegen. „Wir kommen zwar alle aus der christlichen Tradition und kommen von ihr nicht los – selbst wenn ihr Menschen diametral widersprechen. Nachhaltig geprägt sind aber alle durch den Entwurf eines rein innerweltlichen Begriffs von Sinn und Glück menschlicher Existenz seit der Popularphilosophie der Aufklärung, der Religionskritik des 19. Jahrhunderts, den atheistischen Politideologien des 20. Jahrhunderts und dem extensiv konsumistisch ausgerichteten Lebensstil der letzten Jahrzehnte.“ Mit diesen Worten fasste der Bischofe Grunddaten des Glaubenszweifels zusammen. Auch viele Christen seien zutiefst verunsichert, erklärte der Bischof, gab allerdings zu bedenken, dass sogar die Jünger Jesu an der Auferstehung gezweifelt hätten.

In den Fürbitten wurde sodann für alle Opfer von Gewalt, Missbrauch und Unrecht in Familien, Vereinen, kirchlichen und sozialen Einrichtungen und alle, die daran schuldig geworden sind, gebetet. Gebetet wurde außerdem für alle Opfer von Abtreibung, Frauenhandel und Pornographie und gleichermaßen für alle, die daran schuldig geworden sind.

An der neuen Domorgel spielte Professor Franz Josef Stoiber. Die Regensburger Domspatzen unter der Leitung Domkapellmeister Roland Büchner gestalteten das Pontifikalamt musikalisch. In einem Schlusswort sprach Bischof Gerhard Ludwig den Domspatzen großes Lob und Dank aus. „Sie sind nicht in dieser Karwoche und am Ostertag in den Ferien, sondern sie haben durch den liturgischen Gesang unsere Herzen mit dem Osterjubel erfüllt. Das ist eine ganz große Leistung, die unsere Anerkennung verdient.“ Außerdem erklärte der Bischof: „Es sind meine Domspatzen, ich stehe zu ihnen. Man kann sie nicht irgendwie verantwortlich machen für das, was vor einem halben Jahrhundert in einem Einzelfall geschehen ist. Jeder, der sich herausnimmt, in Wort oder in einer suggestiven Weise, wie sie ins Bild gesetzt werden, unseren Domspatzen etwas anzuhaben, der wird mich an der Stelle finden, wo ein Bischof stehen muss, nämlich vor ihnen, wenn die Kugeln von vorne kommen.“

Als katholischer Bischof sei er selbst „nicht abhängig von irgendwelchen Stimmungsmachern“. Ein Bischof müsse nicht gewählt werden und sich nach Mehrheitsmeinungen ausrichten. „Sondern ein katholischer Bischof ist der Zeuge der Wahrheit Jesu Christi. Und von der Religionsfreiheit, die es in unserem demokratischen Staate gibt, mache ich im vollen Umfang Gebrauch. Dort stehe ich, dort bleib ich auch stehen, nämlich wo ich die Wahrheit des Evangeliums verkünde, wenn meine Domspatzen, meine katholische Jugend und meine katholischen Priester in ungerechtfertigter Weise angegriffen werden, dann stehe ich zu ihnen, komme, was da wolle.“ In diesem Sinne erbat Bischof Gerhard Ludwig den Segen des Auferstandenen, „der uns diese Kraft gibt hinzustehen und für Christus und seine Kirche einzustehen immer, wo es um die Würde des Menschen geht“.

Am Ende des Pontifikalamtes im Hohen Dom St. Peter erteilte der Bischof den Gläubigen den päpstlichen Segen. Wieder hatten viele Menschen traditionsgemäß Osterspeisen mitgebracht, die der Bischof am Ende des Pontifikalamtes segnete.


Wortlaut der Predigt von Bischof Gerhard Ludwig Müller am Ostersonntag:

Ein bedeutender Künstler der Gegenwart hat kürzlich seine Stellung zum Christentum so beschrieben: Aufgewachsen war er in der DDR. Während seiner Schulzeit wurde der christliche Glaube dort als etwas Veraltetes hingestellt. Die Wissenschaft habe diesen Glauben schon längst als ein Märchen entlarvt. Ein moderner Mensch könne nur auf dem Boden eines atheistischen Materialismus stehen. Ein solcher nach dem Glauben seiner Erfinder wissenschaftlicher Materialismus hält die Existenz Gottes für absolut ausgeschlossen und damit auch die Individual- und Sozialethik, die sich aus dem Glauben an Gott, den Schöpfer der Welt, an den Sohn Gottes als Erlöser des Menschen und an den befreienden Heiligen Geist ergeben.

So sehr sich der atheistische Materialismus östlicher und westlicher Prägung gegen die angebliche Vertröstung auf ein imaginäres Jenseits in den Religionen zur Wehr setzt, so wenig kann er die Konsequenz der eigenen Ideologie vermeiden: Letztlich hat er den Menschen nämlich nichts anderes anzubieten als tristen Alltag und eine trostlose Zukunftsperspektive.

Der Künstler, von dem ich sprach, der sich aus der Gefangenschaft in einem innerweltlichen Denkhorizont befreit sieht, ist auf dem Weg zum christlichen Glauben, der sich ihm in seiner Botschaft und seinen Bildern zu erschließen beginnt.

Nach eigenem Bekunden fällt es ihm aber schwer, an die leibliche Auferstehung zu glauben. Diese Schwierigkeit teilt er mit vielen Menschen in unseren Breiten. Wir kommen zwar alle aus der christlichen Tradition und kommen von ihr nicht los – selbst wenn ihr Menschen diametral widersprechen. Nachhaltig geprägt sind aber alle durch den Entwurf eines rein innerweltlichen Begriffs von Sinn und Glück menschlicher Existenz seit der Popularphilosophie der Aufklärung, der Religionskritik des 19. Jahrhunderts, den atheistischen Politideologien des 20. Jahrhunderts und dem extensiv konsumistisch ausgerichteten Lebensstil der letzten Jahrzehnte. Auch viele Christen sind zutiefst verunsichert.

Man kann aber noch weiter zurückgehen. Stehen wir nicht auch in unserem Glaubensweg an jener Stelle, an der der Glaube der Jünger an Jesus zusammengebrochen war? „Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde“ (Lk 24,21), so sagen es die beiden Jünger zu dem Fremdling, der sich ihnen auf dem Weg nach Emmaus zugesellt hatte. Erst später erkannten sie ihn, als er ihnen aus der Heiligen Schrift nachgewiesen hatte, dass der Messias durch Leiden in seine Herrlichkeit eingehen müsse, und nachdem er im Haus den Lobpreis über das eucharistische Brot gesprochen und es ihnen gereicht hatte.

In den meisten Auferstehungsberichten der Evangelien hören wir vom Zweifel der Jünger gegenüber der Botschaft vom leeren Grab, die ihnen die Frauen übermittelt hatten. Diese waren am dritten Tage nach der Kreuzigung, am Ostermorgen, zum Grab gegangen, um den Leichnam Jesu zu salben. Doch sie fanden ihn nicht. Boten Gottes hatten ihnen gesagt, dass er nicht hier sei, sondern in der Herrlichkeit Gottes lebe und sich als der auferstandene Herr seinen Jüngern offenbaren werde. Die Apostel jedoch hielten das alles für Geschwätz, das aus überspannten Phantasien kommt und am Realismus abprallen muss. Schließlich weiß doch jeder normale und vernünftige Mensch, dass es keine leibliche Auferstehung eines Verstorbenen geben kann, so sehr wir uns einen geliebten Menschen auch zurückwünschen.

Der Evangelist Matthäus weiß sogar von den Zweifeln einiger der elf Jünger nach den Ostererscheinungen zu berichten, als der auferstandene Herr seiner Kirche den universalen Missionsauftrag erteilt (vgl. Mt 28,17).
Der Zweifel gegenüber der Osterbotschaft ist die natürliche Reaktion angesichts einer Aussage, die aller Erfahrung entgegensteht und einen absoluten Gegensatz darstellt zu dem, was in der Welt, so wie wir sie alltäglich wahrnehmen und wissenschaftlich analysieren können, als möglich oder unmöglich gilt.

Freilich waren die Jünger Jesu weder Materialisten noch Agnostiker. Sie waren auch keine Zyniker oder gar militante Atheisten. Die Jünger Jesu waren gläubige Juden.
Sie glaubten an Gott den Schöpfer, der sich seines Volkes Israel angenommen hatte. Gott war ihnen gegenwärtig im Gedenken an die Befreiung seines Volkes aus der ägyptischen Versklavung und der babylonischen Gefangenschaft. Im Hören des Wortes Gottes und im Gebet in den Synagogen und im Tempel von Jersualem war ihnen der lebendige Bund mit Gott der sinngebende Grund ihrer Existenz. Sie glaubten an den Gott der Verheißung, der Zukunft gibt, auch über den Tod hinaus.

Der Gedanke der leiblichen Auferstehung aber war keine jederzeit verfügbare Kategorie, die sie nur auf Jesus als Einzelperson anzuwenden brauchten, um so ohne weiteres sagen zu können: Der Herr ist auferstanden.
Nur weil er sich in den Ostererscheinungen als der Sieger über den Tod offenbarte, erkannten sie, dass hier nicht menschliche Wünsche Urheber von Illusionen ohne Basis in der Realität waren. Jesus offenbarte sich ihnen als Herr und Gott (vgl. Joh 20,28). Gott allein kann die Welt aus dem Nichts ins Dasein rufen und nur Gottes Wille zum Heil des Menschen überwindet die Grenzen dieser Welt – auch die Grenzen unserer Denkmöglichkeiten. Das ist die Bedeutung des Satzes „Was für Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich“ (Lk 18,27). Die Wirklichkeit Gottes ist immer größer als das, was Menschen machen und denken können. Der Schöpfer ist Herr über die Schöpfung.
In der antiken Welt traf die Botschaft von der leiblichen Auferstehung keineswegs auf offene Ohren. Das zeigt die Begegnung des heiligen Paulus mit den Philosophen idealistischen und materialistischen, skeptischen und zynischen Denkens auf dem Areopag in Athen (vgl. Apg 17,32). Damals wie heute steht die Botschaft von der leiblichen Auferstehung grundsätzlich quer zur Vernunft, die an den Möglichkeiten der Materie ihr Limit findet.

Sie entspricht aber der vernünftigen Hoffnung auf Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der den Menschen in seiner geist-leiblichen Einheit und seiner sozialen Verfassung geschaffen hat. Wenn er ihn erlöst und Hoffnung gibt auf Vollendung, so kann dies vernünftigerweise nur in der Leiblichkeit geschehen, die zu unserem Wesen gehört, das das WORT angenommen hat, als es Fleisch geworden ist.

Erlösung durch Gott ohne Einbeziehung unserer Leiblichkeit und unserer Sozialnatur ist in der Logik Gottes vernunftwidrig! Darum ist im Licht der Liebe Gottes zu uns Menschen, die im Kreuz Jesu die allerkonkreteste Gestalt angenommen hat – einer Liebe, die ergreift, fasziniert und überzeugt – der Glaube an die Auferstehung nicht eine infantile Bewusstseinsstufe oder ein Relikt aus einer überholten Denkepoche vorwissenschaftlicher Zeiten.
Der Glaube an die leibliche Auferstehung der Toten und das ewige Leben ist vernünftig. Weil Gott Christus von den Toten auferweckt hat, ist diese Hoffnung wohl begründet. Nur deswegen kann Paulus die Glaubenskraft Abrahams rühmen: „Er zweifelte nicht im Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern wurde stark im Glauben, und er erwies Gott Ehre, fest davon überzeugt, dass Gott die Macht besitzt zu tun, was er verheißen hat. Darum wurde der Glaube ihm als Gerechtigkeit angerechnet“ (Röm 4,20ff.). Denn Gott selbst gibt uns das ausschlaggebende Argument für seine Existenz und seinen Heilswillen uns gegenüber in dem, was er für uns tut. Gott ist der, „der die Toten lebendig macht und das, was nicht ist, ins Dasein ruft“ (Röm 4,17).

Jesus tritt in unsere Mitte, auch wenn wir erschrecken und meinen, ein Opfer unserer illusionären Hoffnungen zu sein. So fragt er auch uns: „Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an, und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.“ (Lk 24,38f.).
Indem er dem zweifelnden Apostel Thomas die Wunden seines Leidens zeigt, offenbart sich Christus als der gekreuzigte und auferstandene Herr. Zu unserem zögernden Glauben spricht Jesus das befreiende Wort, durch das aller Zweifel schwindet: „Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ (Joh 20,27) – Tun wir es dem Apostel Thomas gleich und bekennen wir mit seinen Worten: „Mein Herr und mein Gott“ (Joh 20,28).
Ja, der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja!


Wortlaut des Schlussworts von Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller im Ostergottesdienst:

Schlusswort des Bischof von Regensburg beim Abschluss der Pontifikalmesse zum Ostersonntag 2010
Es ist mir auch ein großes Bedürfnis, an diesem Tag unsere Domspatzen zu loben und den jungen Männern ganz herzlich zu danken. Sie sind nicht in dieser Karwoche und am Ostertag in den Ferien, sondern sie haben durch den liturgischen Gesang unsere Herzen mit dem Osterjubel erfüllt. Das ist eine ganz große Leistung, die unsere Anerkennung verdient.
Ich sage es auch nochmals für alle, die es hören wollen oder noch nicht gehört haben: Es sind meine Domspatzen, ich stehe zu ihnen. Man kann sie nicht irgendwie verantwortlich machen für das, was vor einem halben Jahrhundert in einem Einzelfall geschehen ist.
Jeder, der sich herausnimmt, in Wort oder in einer suggestiven Weise, wie sie ins Bild gesetzt werden, unseren Domspatzen etwas anzuhaben, der wird mich an der Stelle finden, wo ein Bischof stehen muss, nämlich vor ihnen, wenn die Kugeln von vorne kommen.

Vielleicht haben es manche noch nicht begriffen und verstehen es auch nicht, was ein katholischer Bischof ist. Ich bin nicht abhängig von irgendwelchen Stimmungsmachern. Ein Bischof muss nicht gewählt werden und sich nach Mehrheitsmeinungen ausrichten. Sondern ein katholischer Bischof ist der Zeuge der Wahrheit Jesu Christi. Und von der Religionsfreiheit, die es in unserem demokratischen Staate gibt, mache ich im vollen Umfang Gebrauch. Dort stehe ich, dort bleib ich auch stehen, nämlich wo ich die Wahrheit des Evangeliums verkünde, wenn meine Domspatzen, meine katholische Jugend und meine katholischen Priester in ungerechtfertigter Weise angegriffen werden, dann stehe ich zu ihnen, komme, was da wolle. Und diesem Sinne wollen wir den Segen des Auferstandenen erbitten, der alle Menschenfurcht vertreibt, der uns diese Kraft gibt hinzustehen und für Christus und seine Kirche einzustehen immer, wo es um die Würde des Menschen geht. Dafür treten wir ein. Und dass uns diese Kraft und dieser Mut, diese Klarsicht erhalten bleibt, dafür erflehen wir den Segen des dreifaltigen Gottes, des auferstandenen Herren, der uns sagt: „Seid ohne Furcht. Ich habe die Welt überwunden. Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“


Fürbittgebet im Bistum Regensburg für die Opfer von Gewalt und Missbrauch