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Glaube trotzt Schlägen

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Unseren Augen ist Egino Weinerts Kunst bekannt. Heiligenplaketten, Emaille-Tafeln, Bronzeplastiken, Skulpturen, Reliefs, Kerzenständer, Ringe, Schmuck, Altäre, Taufbecken, Tabernakel, Kirchenportale und vieles mehr in vielen Ländern der Erde gehen auf ihn zurück. Der Goldschmiedemeister und Juwelier, Bildhauer und Maler lebte von 1920 bis 2012, hauptsächlich in Köln. Vor 100 Jahren, am 3. März 1920, wurde er in Berlin geboren, sein Name war Franz Stanislaus Günter Przybilski. Die Vorfahren stammten aus Schlesien. Wenige wissen, dass besondere Lebensschicksale hinter dem umfangreichen Werk stehen und dass die Oberpfälzerin Resl von Konnersreuth auch das Leben dieses Menschen maßgeblich beeinflusste. Die Seherin ließ ihn wissen, entgegen anderslautendem Rat solle er sich der religiösen Kunst widmen.


Durch seinen Vater hatte der junge Mensch Kontakt zu maßgeblichen Künstlern seiner Zeit. Er kannte Emil Nolde, Max Pechmann, Georg Grosz, Max Liebermann und Otto Dix. Nolde riet ihm ab von religiöser Kunst: „Junge, lass die Finger von diesen frommen Sachen, male lieber die Hühner in eurem Hühnerstall.“ Über einen Bischof aus Afrika, der sie besuchte, ließ Resl aber Egino ausrichten: „Male so, wie du glaubst.“ Das wirkte auf den Verunsicherten erlösend. Begegnet sind sich die beiden nie.

Weinert wurde Bruderzögling bei den Benediktinern im unterfränkischen Münsterschwarzach, behielt darüber seine Berliner Schnauze. 1938 wurde er Novize. Seine künstlerischen Fähigkeiten kamen zur Entfaltung, gleichzeitig folgten Bedrohungen und Schläge. Er verweigerte den Hitler-Gruß. Dafür sowie für andere Zeichen der Unabhängigkeit und Gottestreue (Martin Lohmann) kam er ins Gefängnis. Ein Nationalsozialist war dabei ihn zu erschießen, eine Person warf sich dazwischen. Er wurde aufgrund des Vorwurfs der Wehrkraftzersetzung eingesperrt. Als Soldat wandelte er einen von ihm geforderten Vortrag über Goebbels „Wir können nicht genug hassen“ in das „Wir können nicht genug lieben“ des heiligen Augustinus.


Die wahren Schläge folgten nach dem Krieg, als Egino noch über dessen Ende jubelte. Als er 1946 auf Bitten der Mutter in deren Berliner Wohnung eine von Russen erbetene Sicherung zur Instandsetzung der Stromzufuhr einsetzte, verlor er die rechte Hand. Die Sicherung war getarnte Sprengfalle. Zwar hatte ihn der Abt an die christliche Werkschule in Köln geschickt. Das Kloster aber wurde nicht zur Heimat: Zwei Wochen vor der endgültigen Bindung an die Gemeinschaft wurde er entlassen. Missgunst und wohl auch ein anderes Kunstverständnis spielten eine Rolle.

Die folgenden Jahre entwickelten sich abenteuerlich – und erfolgreich: Er bettelte in Bonn und Köln, schlief in Kellereingängen. Die Kunst verließ ihn nicht, er malte und schuf. Zentrum wurde ein Kohlenkeller in Bonn. „Farben und Formen hielten ihn lebendig“, schreibt Martin Lohmann. Aufträge führten ihn in die Schweiz. Das benediktinische Ora et labora wirkte weiter. Täglich betete Weinert, der Kunst und Glaube vereinte, den Rosenkranz. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer weist wiederholt auf den starken Glauben Weinerts hin, und auf sein schwer zu überbietendes Zeugnis.

Mit eigener Werkstatt ließ sich Weinert in Köln nieder, wo er bis zu seinem Tod wohnte. 1963 wurde eine zweite Werkstatt im spanischen Dénia eröffnet, später ein Ausstellungshaus in Frechen-Königsdorf. Schnell wurde er überregional bekannt. Er wirkte für Johannes XXIII. und Johannes Paul II. Weinert starb am 4. September 2012 im Alter von 92 Jahren.


100 Jahre nach der Geburt des gläubigen Künstlers ist an die Aussagen des afrikanischen Bischofs zu erinnern, den Resl beauftragte. Der Bischof berichtete, Resl habe ein Gespräch erwähnt, das der Heiland mit dem Teufel über Weinert führte. Der Teufel habe Eginos Leben gewollt. Der Heiland sagte: „Nix da, er muss noch viel für mich arbeiten.“ Der Teufel forderte die rechte Hand des Künstlers. Jesus erklärte: „Ich werde dir zeigen, wieviel er für mich auch mit nur einer Hand arbeitet, besonders über mein Kreuz.“