News Bild Fotoausstellung in St. Rupert: Jenseits von Lampedusa – Willkommen in Kalabrien

Fotoausstellung in St. Rupert: Jenseits von Lampedusa – Willkommen in Kalabrien

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Und es geht doch: Wie Flüchtlinge und Einheimische gut zusammen finden können und von Orten gelebter Humanität erzählt der Berliner Verein Courage gegen Fremdenhass e.V. in seiner neuen Wanderausstellung, die in Regensburg erstmals gezeigt wird. Am 28. Juni um 19 Uhr werden Bischof Dr. Rudolf Voderholzer und Oberbürgermeister Joachim Wolbergs gemeinsam in der romanischen Kirche St. Rupert bei der Basilika St. Emmeram die Schau „Jenseits von Lampedusa – Willkommen in Kalabrien“ eröffnen, veranstaltet von der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. und der Stadt Regensburg.  

Am Mittwoch, 29. Juni 2016, um 19 Uhr wird in St. Rupert, Emmeramsplatz 3, ein Erzähl-Café geöffnet: „Wie alles begann und wie es weitergeht“. Moderatorin Esther Koppel, Journalistin aus Rom ist im Gespräch mit Domenico Lucano, Bürgermeister von Riace, und Gerardo Mannello, ehemaliger Bürgermeister von Badolato.

Am Donnerstag, 30. Juni 2016, um 19 Uhr wird im Vorgarten der Basilika St. Emmeram ein besonderer Ausstellungsabend angeboten – mit einer Lesung von Texten von Georg K. Glaser, Marie NDiaye und Navid Kermani sowie einem Konzert mit Liedern und Balladen aus Kalabrien mit Francesca Salerno (Gesang) und Luigi Morelli (Gesang, Gitarre).

Die Fotoausstellung „Jenseits von Lampedusa – Willkommen in Kalabrien“ ist zu sehen bis 24. Juli, geöffnet täglich von 14 bis 18 Uhr. Die Aufsicht der Ausstellung übernehmen junge Flüchtlinge, die im Regensburger Kinderzentrum St. Vincent betreut werden.

 

Die Armen verweigern den Kampf gegen die noch Ärmeren

In der Ausstellungsreihe „Topographien der Menschlichkeit“ werden Beispiele widerständiger Gesellschaften präsentiert, denen es gelingt, sich dem Druck entmenschlichender Tendenzen entgegen zu stellen. Es gab und gibt auch heute doch immer gute Alternativen, dem Fremden und Verfolgten zu begegnen, eben das Richtige zu tun - und da ist das Handeln Einzelner entscheidend. Das dritte Projekt feiert nun in Regensburg Premiere. In Fotos und Texten stellt die Ausstellung einige kleine Orte in Kalabrien vor, in denen seit zwei Jahrzehnten ein eigenes Kapitel europäischer Einwanderungsgeschichte geschrieben wird.

Lampedusa. Es ist eine Chiffre geworden für das Schicksal Abertausender von Flüchtlingen, die Jahr für Jahr ihre Heimat verlassen, um in Europa Sicherheit und die Möglichkeit für ein menschenwürdiges Leben zu suchen. Krieg, Folter, Gefängnis, eine Odyssee durch Flüchtlingslager haben die meisten von ihnen hinter sich. Auf der Überfahrt in meist seeuntüchtigen Seelenverkäufern geht es ums nackte Überleben. Viele haben Menschen, darunter Kinder und Greise, sterben sehen. Nun sicherer Boden unter den Füßen? Mit Stacheldraht eingezäunt, bewacht, ohne ausreichende sanitäre Einrichtungen warten sie zusammengepfercht unter haftähnlichen Bedingungen auf ihre unsichere Anerkennung als Flüchtlinge.

Mit dem 3. Ausstellungsprojekt „Jenseits von Lampedusa – Willkommen in Kalabrien“ widmet sich Courage gegen Fremdenhass e. V. den nunmehr 20-jährigen Erfahrungen, die einige kleine Orte in Kalabrien, der ärmsten Gegend Italiens, mit der Aufnahme von Flüchtlingen gemacht haben und immer noch machen. Hier kontrastiert alles mit den herkömmlichen Bildern, die wir mit Flüchtlingsschicksalen verbinden. Die Unaufgeregtheit und die unerschütterliche Solidarität mit den noch Ärmeren ist das hervorstechendste Merkmal der Alltagskultur der Einheimischen.

Den Satz „Wir hier wissen sehr genau, was Emigration bedeutet“ hört man allenthalben, auch von ehemaligen Gastarbeitern, die ihre Rente in der alten Heimat genießen. Man geht klug und human an die täglichen Herausforderungen heran, idyllisch ist das gewiss nicht, aber es bleibt solidarisch, pragmatisch und bar jeglicher Hysterie. Die kalabrischen Einheimischen sind selbst vielfältiger Armut und Arbeitslosigkeit ausgesetzt, soziale Untiefen, durch die Krise noch weiter verschärft, treffen sie mit aller Härte. Zu Recht fühlen sie sich von Italien und Europa verlassen.

Ihre moralische Festigkeit ist jedoch beeindruckend: Sie fordern zwar Unterstützung auch für sich ein, sie verbinden dies jedoch nicht mit Hetzparolen gegen die noch Schwächeren. Sie begegnen den Fremden mit Gastfreundschaft und Empathie. Dies beeindruckt am meisten: Die Armen verweigern den Kampf gegen die noch ärmeren. So trägt man im armen Kalabrien mutig und entschlossen zu dem größten und wertvollsten Reichtum Europas bei: einer gelebten Humanität.

In der Reihe „Topographien der Menschlichkeit“ wird der Fokus auf die aufnehmenden Gesellschaften gesetzt. Die Ausstellung präsentiert erneut positive und inspirierende Beispiele. Es geht um das Festhalten an ethisch-moralischen Grundwerten auch in schwierigeren Zeiten und um den Schutz der Seele Europas.

Informationen finden Sie auf: www.bistumsmuseen-regensburg.de