Auf dem Foto ist ein Gitter zu sehen. Dahinter ist das Allerheiligste ausgesetzt.

Festgottesdienst zum 40-jährigen Bestehen der Immerwährenden Anbetung in Tirschenreuth

„Kein Relikt aus vergangenen Zeiten“


Tirschenreuth, 21. März 2026

Seit mehr als 350.000 Stunden wird in Tirschenreuth ununterbrochen vor dem Allerheiligsten gebetet. Am Samstag, den 21. April, wurde deshalb ein Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt gefeiert. Der Zelebrant, Stadtpfarrer Monsignore Georg Flierl, dankte allen Betern für ihr wertvolles Tun. Anstelle einer Predigt wurde ein Grußwort von Bischof Rudolf Voderholzer verlesen. Anschließend waren alle Gläubigen zu einem Vortrag bei Kaffee und Kuchen in die nahegelegene Aula der Mittelschule eingeladen. Dort sprach Prof. Dr. Wolfgang Vogl über die Geschichte der Anbetung.

24 Stunden und 7 Tage die Woche 

Genau vor 40 Jahren haben die Tirschenreuther begonnen, zu jeder Tages- und Nachtzeit vor dem ausgesetzten Allerheiligsten in der Gnadenkapelle zu beten. Die Tirschenreuther Gnadenkapelle ist schon seit dem 17. Jahrhundert ein spiritueller Anker des Stiftlands: Über die ganze Barockepoche hinweg bis hin zur Säkularisation gab es Wallfahrten zum Tirschenreuther Gnadenbild. Die Chroniken dieser Zeit sprechen von zehntausenden Pilgern im Jahr. Doch auch in der neueren Zeit flammte die spirituelle Kraft dieses Ortes immer wieder auf – so zum Beispiel während der Kriegsjahre, als sich hier Gebetsbewegungen der Angehörigen von Soldaten entwickelten. Seit 1986 wird immerwährend vor dem Allerheiligsten gebetet. Nicht einmal während der Corona-Pandemie, samt der Ausgangssperren musste die Anbetung unterbrochen werden. Die Anbeterinnen und Anbeter kommen einmal in der Woche für je eine Stunde, auch mitten in der Nacht, bei widrigster Witterung und meistens zu zweit. Insgesamt sind es knapp 350, vor allem Tirschenreuther, einige aber auch aus der näheren Umgebung. Kein Wunder, dass die Stadtpfarrkirche am Samstag, den 21. März voll besetzt war, um das 40-jährige Jubiläum mit einem Festgottesdienst zu feiern. 

„Ein ewiges Licht in der Stadt und im ganzen Bistum“

Auch wenn Bischof Rudolf dieses Mal nicht persönlich nach Tirschenreuth kommen konnte, verfasste er ein Grußwort an die Gläubigen. Dieses wurde von Kaplan Alexander Röse anstelle einer Predigt verlesen. Bischof Rudolf sprach darin seine tiefe Wertschätzung und große Dankbarkeit für dieses Werk des Gebets aus. Jede einzelne Stunde sei ein „Gang der Liebe“, begangen von unzähligen Meschen in verschiedensten Lebensumständen und Lebensaltern. Ein besonderer Dank galt dem verstorbenen Stadtpfarrer BGR Georg-Maria Witt, der den Anfang der Immerwährenden Anbetung in Tirschenreuth wagte. Ebenso dankte der Regensburger Oberhirte Monsignore Georg Flierl. Dieser war, als die Anbetung initiiert wurde, erstmals als Kaplan in Tirschenreuth. Seit 2000 führt er diese als Stadtpfarrer mit großem Engagement weiter. Doch auch all denen, die im Verborgenen organisieren, Mut machen, Ersatz suchen und wöchentlich seit Jahren und Jahrzehnten zu ihren Gebetsstunden kommen, dankte der Bischof in seinem Schreiben herzlich. Sie alle seien ein „lebendiges Zeichen dafür, dass die Eucharistie nicht nur sonntags gefeiert, sondern täglich gelebt wird“.

„Macht weiter und ladet junge Menschen ein!“

In seinem Grußwort legte Bischof Rudolf den Akzent insbesondere auf die Jugend. Er erinnerte an den Weltjugendtag in Köln, bei dem Papst Benedikt XVI. über eine Million Menschen in eine tiefe, stille Begegnung mit dem Allerheiligsten geführt hat. Von diesem Ereignis nahmen viele tiefe Glaubensbewegungen ihren Anfang, die ihre besondere Kraft aus der Anbetung ziehen. Als Beispiele seien die Mehr-Konferenz in Augsburg und der Adoratio-Kongress in Altötting genannt. Gerade die Jugend erlebe Anbetung nicht als altmodisch, sondern als lebendig und heilsam, so der Bischof. Anbetung sei eben „kein Relikt aus vergangenen Zeiten“, sondern „hochaktuell“. Insbesondere in einer lauten, unruhigen Zeit sei die stille Anbetung ein starkes Zeugnis. Hier dockt die Sehnsucht der Jugendlichen an, die spüren, dass ihr Herz nach mehr verlangt. Denn gerade in einer Zeit voller Arbeits- und Termindruck, sei es wichtig, anzubeten und auch andere dazu zu ermutigen. Jesus sagte nämlich nicht „Komm, wenn du Zeit hast!“, sondern: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28). Anbetung sei kein Zeitverlust, sondern ein Zeitgewinn. Nach der Anbetungsstunde fühle man sich freier, leichter, gelassener, voller neuer Kraft und Frieden im Herzen. 

„Eine unerwartete Aktualität“

Im Anschluss an den Gottesdienst, waren die Gläubigen noch zu Kaffee und Kuchen eingeladen. 180 Anbeter und etliche Gäste fanden sich in der Aula der Tirschenreuther Mittelschule ein. Der Pfarrgemeinderat sorgte für das leibliche Wohl, während Prof. Wolfgang Vogl die Anwesenden geistlich stärkte. Wolfgang Vogl wirkte von 2005 bis 2013 als Pfarradministrator in Konnersreuth, ehe er nach Augsburg berufen wurde. Dort hat er den Lehrstuhl für Theologie des geistlichen Lebens inne. Da er schon zum 20- und 30-jährigen Jubiläum der immerwährenden Anbetung sprechen durfte, fiel ihm die Themenfindung – wie er anmerkte - „gar nicht so leicht“. Der Festvortrag befasste sich mit der Geschichte der eucharistischen Anbetung: Auch wenn es in der frühen Kirche noch keine Anbetung außerhalb der Eucharistie gegeben hat, ist die Anbetung des eucharistischen Leibes vor der Kommunion schon bei Augustinus belegt. Ab dem 9. Jahrhundert intensivierten sich die Formen der eucharistischen Anbetung, um sich insbesondere von einer rein symbolischen Verständnisweise der Eucharistie abzugrenzen. Erst ab dem 11. Jahrhundert wurde die Eucharistie auch außerhalb der Messfeier zum direkten Gegenstand der Anbetung. Eine Bewegung, die insbesondere von Frauen getragen war. In diesem Dunstkreis entwickelt sich auch das Fronleichnamsfest. Im Jahre 1592 schreibt Papst Clemens VII. für Rom erstmals eine Form der immerwährenden Anbetung vor. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wird diese unter Pius IX. unter dem Namen „Ewige Anbetung“ offiziell für die ganze Kirche empfohlen. Kommunionempfang und Anbetung stehen dabei nicht einfach entfernt und isoliert nebeneinander. Die Anbetung ist – mit Papst Benedikt XVI. gesprochen – stets nichts anderes „als die natürliche Entfaltung der Eucharistiefeier“. Anbetung verlängert und intensiviert den Kommunionempfang. Besonders heute habe dies „eine unerwartete Aktualität“. Gerade weil es oft nicht mehr gelinge, Menschen mit Worten und Aktionen für Christus zu begeistern, ist dieser Raum der Anbetung umso wichtiger. Auf diesem Weg könne man all diese Menschen im Gebet vor Gott bringen und auch die in der Anbetung erfahrene Liebe weiterschenken. So ermutigte Prof. Wolfgang Vogl die Anbeterinnen und Anbeter zum Abschluss seines Vortrags: „Gehen Sie weiterhin zu Jesus vor das Allerheiligste, ziehen Sie die Seelen hinter sich her und bringen sie diese in der Anbetung zu Jesus mit, und nichts und niemand kann Sie daran hindern.“

 

Text und Fotos: Simon Hoffmann
(jr)



Nachrichten