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Zur Neuigkeit
Feierliche Segnung des neuen Instituts für religiöse Alltagskultur
Die Inkarnation eröffnet christliche Bildwelten
Regensburg, 26. März 2026
Das „Institut für religiöse Alltagskultur“ der Diözese Regensburg hat nun im Herzen der Altstadt seinen würdigen Ort gefunden. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer gab dem ambitionierten Vorhaben in einer feierlichen Andacht seinen Segen und dankte den Mitarbeitern der Kunstsammlungen des Bistums Regensburg sowie allen, die an dem Bauvorhaben mitgewirkt hatten, allen voran deren Leiterin Frau Dr. Maria Baumann, sowie dem Architekten Jockl Peithner. Dompropst Dr. Franz Frühmorgen vertrat das Domkapitel, das Eigentümer des Gebäudes ist.
Den räumlichen Rahmen für die bedeutende Sammlung von Gegenständen religiöser Alltagskunst bietet der ehemalige „Ehrenfelser Hof“ des Klosters Rott, der selbst ein Baudenkmal ist und dessen Anfänge in die Zeit der Romanik zurückreichen. Das neue Institut in den Mauern eines mittelalterlichen Baudenkmals befindet sich in der Schwarze-Bären-Straße 2 im Herzen der Regensburger Altstadt; das Gebäude zählt bereits seit 1381 zum Eigentum des Domkapitels.
Für Bischof Dr. Rudolf Voderholzer ist das neue Institut ein wichtiger Ort gelebter Glaubenskultur. Nach der Begrüßung durch Dompropst Dr. Franz Frühmorgen im Rahmen der Segensfeier des Instituts am 25. März 2026, betonte der Diözesanbischof: „Wir wissen, welche Alltagskultur sich im Glauben schon im Judentum ausgeprägt hat. Wie der Glaube bis in die alltäglichen Vollzüge hineinwirkt, wie er hilft, den Tag und die Woche zu strukturieren. Wie der Glaube im Erzählen, in praktischen Vollzügen und in täglichen Symbolen an die nachfolgende Generation weitervermittelt wird und wie er die Freude am Glauben mehrt.“
Als Ausgangspunkt seiner Worte wählte der Regensburger Oberhirte das zentrale Glaubensbekenntnis des Judentums, das שְׁמַעיִשְׂרָאֵל, auf Deutsch „Höre, Israel“, aus dem Buch Deuteronomium, dem fünften Buch Mose, Kapitel 6, Verse 4 bis 9. Wenn Mose dann dem Volk aufträgt, diese Worte den Kindern zu vermitteln, am Morgen und am Abend zu rezitieren, in die Türpfosten und die Stadttore zu schreiben usw., dann haben wir „hier den ersten Anstoß für die Herausbildung einer religiösen Alltagskultur. Das Alte Testament ist freilich noch bilderlos. Das einzige Bild Gottes nach alttestamentlicher Lehre ist der Mensch. Das Bilderverbot des Alten Bundes bereitet den Weg für die Inkarnation und damit für die alles umstürzende Neuheit des Christlichen: Gott selbst wird in seinem Sohn Mensch; er kann angeschaut, er kann berührt werden.“
Die alttestamentliche Grundlegung sah der Regensburger Oberhirte im Neuen Testament zur Vollendung geführt: „Gott selbst hat mit der Menschwerdung seines Sohnes das alttestamentliche Bilderverbot aufgehoben und damit den ganzen Reichtum christlicher Bildwelten ermöglicht. Ja, die Inkarnation hat zu einer Explosion der Kreativität geführt.“ In diesem Zusammenhang verwies der Bischof auf einen „Kosmos von Bildern, Zeichen und Vergegenwärtigungen“, der den Menschen buchstäblich von der Wiege bis zur Bahre, an Festtagen wie im Alltag, begleite, „durch das Kirchenjahr und die Lebensjahre der Menschen“.
„Sinn und Zweck dieses Instituts ist es, diese Zeugnisse zu sichten, zu sammeln, sie in Zeiten radikaler Transformationen vielleicht auch dem Vergessen zu entreißen, ihre Bedeutung zu bewahren und zu vermitteln, ihre Vielfalt zu erforschen und sie kreativ weiterzuentwickeln“, so der Diözesanbischof weiter. Er dankte allen Mitarbeitern des Diözesanmuseums von Herzen für die gewaltige Arbeit, auch wenn noch große Objekte ihrer Aufstellung harrten. Mit Bezug auf den 25. März sagte er, die Segensfeier am Hochfest der Verkündigung des Herrn sei „eine besonders schöne Fügung, denn die Menschwerdung Gottes ist der tiefste Grund für die Sinnenfreude, für den Gestaltungsreichtum und nicht zuletzt für die Legitimität der christlichen Bilderverwendung und Bilderverehrung“.

Verkündigung und Glaubensweitergabe
„Die hier gesammelten, gezeigten und zu erforschenden Objekte haben sich zum Teil schon seit Jahrhunderten als Medien der Verkündigung, Medien der Glaubensweitergabe, als Medien der Lebendigerhaltung des Glaubens im Alltag bewährt. Sie reichen von einfachsten Formen der Volkskunst bis hin zur neapolitanischen Krippe mit höchstem künstlerischem Anspruch“, so Bischof Voderholzer weiter. So eröffne sich in dieser Sammlung eine universelle Perspektive, denn die Volkskunst sei über die Grenzen von Sprachen und Kulturen hinweg ein einigendes Band.
Dankbar zeigte sich der Bischof für den architektonischen Rahmen des neuen Instituts: „Ich möchte meiner ganz besonderen Freude Ausdruck verleihen, dass wir in dieser so schön wiederhergestellten Gallus-Kapelle stehen können.“ Er dankte in diesem Zusammenhang allen Mitwirkenden, vom Diözesansteuerausschuss bis zu den Handwerkern. In seiner Antwort gab sich Architekt Jockl Peithner, der hohes Lob erfahren hatte, bescheiden. Das Gebäude blicke auf 800 Jahre Geschichte zurück – die acht Jahre der Renovierung seien davon nur ein Prozent. An den Bischof gewandt sagte er: „Ich stünde heute nicht hier ohne Ihr Vertrauen.“ Es sei im Übrigen kein Zufall, dass dieses Gebäude acht Jahrhunderte überlebt habe, denn es strahle eine Atmosphäre der Andacht und der Würde aus.
Anschließend ordnete Dr. Maria Baumann den Stellenwert des neuen Instituts ein: „Das Besondere an dieser Sammlung ist, dass nicht nur die Objekte aufbewahrt werden, sondern auch die Geschichten dazu“, und diese Geschichten seien vielfach höchst faszinierend. So gebe es hier die größte Adventskalendersammlung der Welt. Doch das Institut habe auch eine praktische Aufgabe: „Viele Menschen erben Dinge, von denen sie nicht wissen, was sie da eigentlich haben.
Diesen Menschen wollen wir mit unserem Wissen helfen; wir wollen Ansprechpartner sein.“ Wenn den Besitzern erklärt werde, warum den Vorfahren ein bestimmter Gegenstand der Alltagsreligiosität wichtig gewesen sei, dann werde häufig auch ein Denkprozess in Gang gesetzt: „Es ist nicht unser vorrangiges Anliegen, Dinge zu sammeln und zu besitzen. Wir wollen vielmehr Verständnis vermitteln, damit die religiösen Gegenstände möglichst an ihrem Ort bleiben und ihren religiösen Bezug über die Generationen hinweg behalten.“
Die musikalische Gestaltung der Segensfeier übernahm die Harfenistin Veronika Miller-Wawra. Mit Liedern, die deutliche Anklänge an jüdisches und christliches Liedgut erkennen ließen, verlieh sie der Feier eine volksmusikalische Prägung.
Der ehemalige „Ehrenfelser Hof“ des Klosters Rott weist Kelleranlagen aus dem 12. und 13. Jahrhundert auf. Im 14. Jahrhundert war er Wohnhaus des Domherrn Konrad von Megenberg, der als Naturforscher und Pfarrer an St. Ulrich in Erinnerung blieb. Der Walmdachbau wurde nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg instandgesetzt und im 18. Jahrhundert umgebaut. Spätestens dabei war auch die um 1210 errichtete, zweigeschossige Hauskapelle durch eine eingezogene Zwischendecke entstellt worden; diese wurde nun wieder entfernt. Mit der Planung und Umsetzung des Sanierungsprojekts, kaufmännisch betreut vom Katholischen Wohnungsbau- und Siedlungswerk, war das Architekturbüro Joachim „Jockl“ Peithner beauftragt. Die Maßnahmen konnten aufgrund der Gebäudesituation zeitlich parallel ausgeführt und im Zeit- und Kostenrahmen abgeschlossen werden.
Schnittstelle von Kunst, Glaube und Identität
Mit der Einweihung des Gebäudes am 25. März 2026 nahm etwas Neues seinen Anfang. Das „Institut für religiöse Alltagskultur“, geleitet von der Fachstelle Religiöse Volkskunst der Abteilung Kunst und Denkmalpflege des Bistums Regensburg, ist Forschungszentrum und Schaudepot. Es gibt Sammlungsräume zu verschiedenen Objekt- und Themenkomplexen, eine Werkstatt für öffentliche Kurse sowie für Restaurierungsarbeiten. Ein Schaufenster in den Stadtraum wird im Lauf des Kirchenjahres immer wieder mit besonderen Stücken der Sammlung neue Einblicke geben.
Ein Hauptaspekt der Arbeit des neuen Instituts ist die Wertschätzung der Volkskunst an der Schnittstelle von Kunst, Frömmigkeit und Verkündigung. Träger ist die Diözese. Sie hat die Räume vom Domkapitel angemietet. In Deutschland gibt es bisher keine vergleichbare Einrichtung, die sich explizit der Erforschung religiöser Volkskunst widmet. 2018 entstand daher die Idee, hier einen weiteren Schwerpunkt in der kulturellen Arbeit des Bistums zu setzen.
Religiöse Volkskunst umfasst handwerkliche Erzeugnisse mit spirituellem Bezug, die meist für die private Andacht, als Wallfahrtsandenken, als Zeichen der Dankbarkeit, etwa in Form von Votivgaben, oder im Vertrauen auf himmlischen Beistand an besonderen Lebensstationen, in Not und Krankheit gefertigt wurden. Im Gegensatz zur akademischen Sakralkunst („Ars Sacra“), die oft für Kirchenoberhäupter oder Adelige entstand, spiegelt sie die Glaubenswelt und den Alltag breiterer Bevölkerungsschichten wider. Sie erzählt von Gottesvorstellungen und dem täglichen Leben der Generationen, davon, was Menschen durch Jahrhunderte wichtig war, woran sie geglaubt, worauf sie gehofft und wie sie Feste im Jahreslauf gefeiert haben.
„Unser Anliegen ist es, Kostbarkeiten der religiösen Volkskunst als Zeugnis von Identität und kultureller Herkunft vor dem Verschwinden zu retten, sie der Nachwelt zu erhalten und den kommenden Generationen zu erschließen. Sie hilft uns, unsere Wurzeln zu verstehen“, erklärt Dr. Maria Baumann, Leiterin der Abteilung Kunst und Denkmalpflege des Bistums Regensburg. Die Sammlung des Bistums bilde die Bandbreite und Fülle des Brauchtums und seiner handwerklichen Zeugnisse hinsichtlich Regionen, Materialien und Epochen ab; sie gehöre wesentlich zum Sammlungsauftrag für diözesane Museen: „In ihrem Umfang und in ihrem Objektbestand stellt sie inzwischen eine der bedeutendsten Sammlungen in Europa dar.“
Forschungszentrum, Schaudepot und Fachstelle
Das Institut für religiöse Alltagskultur öffnet sich als Forschungszentrum, Schaudepot und Fachstelle für Privatleute und Institutionen. Forschungszentrum für religiöse Volkskunst heißt: interdisziplinäres Arbeiten mit und an der Sammlung, Neubewertung im Kontext kultur- und kunstwissenschaftlicher Forschung, Wiederentdeckung der Volkskunst als Bedeutungsträger christlicher Verkündigung und Glaubensvermittlung. In der Forschungsstelle stehen die Objekte – von Hinterglasbildern über Wettersegen, Lichtmesskerzen, Votivtiere, Wachsstöcke, Weihnachts- und Passionskrippen und Holzscheitelmadonnen bis zu außergewöhnlichen Stücken wie Wehenfläschchen, Neidfeige und Vanitasrosenkranz – zur wissenschaftlichen Bearbeitung zur Verfügung.
An die Fachstelle unter der Leitung von Christa Haubelt-Schlosser können sich Privatleute und Institutionen mit ihren Anliegen und Fragen aus dem Bereich der religiösen Volkskunst wenden. Dort werden Wanderausstellungen konzipiert, Workshops und Kurse sowie Aktionsführungen für Kinder angeboten, ab 2027 auch Lehrerfortbildungen. Die Fachstelle versteht sich als Kompetenzzentrum, Beratungsstelle und Fachinstitution. Lehren und Lernen am außerschulischen Ort sollen hier konkret umgesetzt werden. Das Institut wird vom „Verein zur Förderung religiöser Volkskunst“ unterstützt.
Text: Dr. Maria Baumann / Dr. Sebastian Sigler
Fotos: Lea Grosser/ Christian Beirowski
(SG/jas/chb)

















