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Fachtagung „Epilepsie und Arbeit“:

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Fünf Prozent der deutschen Bevölkerung erleiden mindestens einmal in ihrem Leben einen epileptischen Anfall. Theoretisch kann es jeden treffen. Alles ändert sich für denjenigen, dem der Arzt Epilepsie diagnostiziert. Nichts im Leben ist mehr, wie es war, gerade auch im Berufsleben. „Epilepsie und Arbeit“ – was ist möglich, was nicht -, damit befasste sich eine Fachtagung am 22. November 2006. Veranstalter waren die Epilepsie Beratung Regensburg, eine Einrichtung der Katholischen Jugendfürsorge, und die Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universität Regensburg im Bezirksklinikum.

„Obwohl wir bereits im Jahr 2006 sind, bedeutet die Diagnose Epilepsie immer noch Vorbehalte und Stigmatisierung. Auch wenn ca. 70 Prozent aller Patienten unkompliziert und erfolgreich zu behandeln sind, haben die Patienten trotzdem gravierende Probleme im sozialen Leben“, erklärte Dr. Michael Schröder, Oberarzt und Leiter der Epilepsieambulanz an der Regensburger Klinik und Poliklinik für Neurologie. Dies fange schon damit an, dass nach einem erstmaligen Anfall bei einer beginnenden Epilepsie für ein Jahr die Fahrerlaubnis ruht. Pendler oder Berufsgruppen, die auf ein Auto angewiesen sind, könnten so ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. „Auch ist die Reaktion des Arbeitgebers oft unangemessen. Das kann aufgrund der Diagnose bis zur Kündigung gehen“, so Dr. Schröder. Dabei sei die Erkrankung meist viel weniger bedrohlich, als die Arbeitgeber vermuten, pflichtete Dipl.-Sozialpädagogin und Leiterin der Regensburger Epilepsie Beratung Petra Klein bei. Gerade Jugendliche mit Epilepsie täten sich schwer, einen Ausbildungsplatz finden.

Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit lassen sich Gefahren fürs Berufsleben gut einschätzen

Aufgrund der Brisanz des Themas, vor allem für die Betroffenen, hatten Petra Klein und Dr. Michael Schröder „Epilepsie und Arbeit“ zum Schwerpunkt ihrer Fachtagung gemacht. Als Referenten konnten sie Ralf Lürding, Neuropsychologe an der Klinik und Poliklinik für Neurologie in Regensburg, Dr. Stephan Arnold vom Medizinischen Versorgungszentrum Starnberger See und den Leiter der Epilepsie Beratung München, Peter Brodisch, gewinnen. Sie zeigten mit ihrer interdisziplinären Arbeit, dass es heute möglich ist, mit speziellen Tests das Ausmaß möglicher Beeinträchtigungen beim Epilepsiepatienten einzuschätzen und daraus eine Gefahrenbeurteilung für den Arbeitsplatz abzuleiten.
Von diesen Möglichkeiten sollte neben einem Fachpublikum, bestehend aus Ärzten und Neurologen, vor allem auch Betriebsärzte sowie Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit und des Integrationsamtes in Kenntnis gesetzt werden. Immer wieder betont wird dabei die Individualität jedes einzelnen Falles.

Epilepsie – das Gewitter im Gehirn mit vielen möglichen Ursachen

Normalerweise verständigen sich die Nervenzellen im Gehirn über geregelte elektrische Impulse. Im Falle einer Epilepsie werden zu viele Impulse ungeregelt und überschießend versandt – es kommt zum Anfall. „Es gibt dafür die verschiedensten Ursachen“, erklärte Petra Klein von der Epilepsie Beratung Regensburg, wie beispielsweise eine angeborene genetische Disposition. Daneben ist ein großer Teil symptomatisch zu verstehen, d. h. eine Kopfverletzung, ein Schlaganfall, ein Gehirntumor, eine Stoffwechselerkrankung, eine durchgemachte Entzündung des Gehirns oder eine angeborene Fehlbildung des Gehirnes kann die Ursache sein. In nicht wenigen Fällen jedoch fehlt jede erkennbare Ursache. Die Form der Epilepsie und der ausgelösten Anfälle ist sehr verschieden, so dass sich auch die Auswirkungen auf den Alltag und das Berufsleben sehr stark unterscheiden. Noch ist die Arbeitslosenzahl unter den Epilepsiepatienten deutlich höher als in anderen Gruppen chronisch Kranker oder Behinderter. Das langfristige Ziel von Klein, Dr. Schröder und ihren Kollegen ist es deshalb, die Situation für Menschen mit Epilepsie zu verbessern. Einen Arbeitsplatz zu finden und zu behalten, soll durch gezielte Aufklärung über die Krankheit leichter werden.
Mit dieser Fachtagung gehen sie einen Schritt in diese Richtung. Ihre zahlreichen Praxiserfahrungen, von denen sie berichten, zeigen: Die Pauschalaussage, Menschen mit Epilepsie seien nicht zu beschäftigen, ist falsch.