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Evolution und Gottesglaube

Der Ursprung des Lebens

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Regensburg, 14. November 2022. In seiner Auseinandersetzung mit Charles Darwins Hauptwerk „Die Entstehung der Arten“, das im November 1859 veröffentlicht wurde, kommt der Philosoph Harald Schöndorf zu folgendem Ergebnis: „Die Tatsache, dass die einzelnen Mutationen nicht aus Zweckmäßigkeit erfolgen, sagt überhaupt nichts darüber aus, ob die Evolution in ihrer Gesamtheit eine Zielrichtung besitzt oder nicht.“ Die Behauptung, die Naturwissenschaft habe nachgewiesen, dass sich die Evolution in ihrer Gesamtheit einem reinen Zufall verdankt und keinerlei Zielgerichtetheit besitzt, ist falsch. Die darwinistische Evolutionstheorie kommt gar nicht ohne die Zweckmäßigkeit aus. Eigenartigerweise will man das aber zumeist nicht wahrhaben und fixiert sich allein auf die „Zufälligkeit“ der Mutationen, als ob die Entstehung der Mutationen allein schon die ganze Evolution ausmachen würde. „Rein naturwissenschaftlich betrachtet, finden wir also auf der ersten Stufe den `Zufall´, auf der nächsten aber durchaus Zweckmäßigkeit vor. So gesehen ist die Evolutionstheorie alles andere als ein Hindernis für den Gottesglauben, sondern vielmehr eine Hilfe für ein tieferes Verständnis dafür, was Schöpfung wirklich bedeutet“ (H. Schöndorf).

Die Evolutionstheorie: eine „säkulare Religion“?

Die Evolutionstheorie hatte die Auswirkung eines Erdbebens auf die menschliche Sinnsuche. Doch Gott und Evolution gehören nicht zu derselben Erklärungskategorie. Die Evolutionsmechanismen können – so John Lennox, der emeritierter Professor für Mathematik an der Universität Oxford ist, in seinem Buch „Hat die Wissenschaft Gott begraben?“ – als vom Schöpfer gewollte Möglichkeit, Lebensvielfalt zu erzeugen, verstanden werden. Welche Beziehung besteht zwischen Evolutionstheorie und Philosophie? Michael Ruse, ein führender Evolutionsphilosoph, behauptet zu Recht, dass für viele Menschen die Evolutionstheorie „die Rolle einer säkularen Religion“ einnimmt. „Evolutionismus“ ist vielfach eine antireligiöse Philosophie, in der „Evolution“ die Rolle einer mehr oder weniger personalen Gottheit spielt.

Die Grenzen der Evolution

Siegfried Scherer („Evolution – ein kritisches Lehrbuch“, 2013) macht darauf aufmerksam, dass Lebewesen in bestimmte Grundtypen eingeteilt werden können und alle Veränderungen „mit Sicherheit innerhalb der Grundtypgrenzen geblieben“ sind. Der berühmte Biologe Pierre Grassé zeigte, dass Mutation und natürliche Selektion in ihren Fähigkeiten begrenzt sind. Grassé hat den Mythos zerstört, Evolution sei ein einfaches, allseits verstandenes Phänomen. Die Kapazität für Variation in einem Genpool scheint früh erschöpft zu sein. Für Evolution ist es – so der Biochemiker Michael Behe – „einfacher, Dinge zu zerstören als Dinge herzustellen.“ Es gibt radikale Grenzen von Zufallsmutationen. Die Isoliertheit der organischen Formen ist erstaunlich. Der atheistische Philosoph Thomas Nagel stellt fest, dass Evolutionsbiologen normalerweise behaupten, sicher zu sein, dass zufällige Mutationen für die Erklärung der komplexen chemischen Systeme, die wir in lebenden Organismen beobachten, hinreichen. Doch Nagel hat den Eindruck, dass in ihrer Argumentation jede Menge reine Rhetorik steckt, und er urteilt, dass es offensichtlich nicht genug Beweise gibt, um intelligenten Einfluss von außen auszuschließen. Der Anspruch, dass Atheismus aus der Evolutionsbiologie abgeleitet werden kann, ist einfach falsch. Die unvorstellbare Komplexität der lebenden Systeme und ihrer Regulationsmechanismen, die uns durch die Molekularbiologie bekannt sind, tragen das Merkmal einer planenden Intelligenz – mindestens genauso stark wie die Feinabstimmung des Universums, auf der diese Mechanismen letztlich beruhen.

Keine Hinweise auf eine evolutionäre Reihenfolge

Die Molekularbiologie hat gezeigt, dass von den Bakterien bis zu den Säugetieren der grundlegende Aufbau des Zellsystems in allen lebenden Systemen auf der Erde im Wesentlichen derselbe ist. Hinsichtlich des biochemischen Aufbaus kann kein lebendes System als Vorläufer irgendeines anderen angesehen werden. Es gibt unter den unglaublich verschiedenartigen Zellen auch nicht den geringsten empirischen Hinweis auf eine evolutionäre Reihenfolge. Für die Evolutionstheorie stellt die Existenz von nicht reduzierbaren komplexen biologischen Systemen eine enorme Herausforderung dar. Diese Herausforderung hat auch Charles Darwin gesehen. In der wissenschaftlichen Literatur gibt es keine Veröffentlichung, in der beschrieben wird, wie die molekulare Evolution irgendeines realen, komplexen biochemischen Systems vonstattenging oder zumindest hätte vonstattengehen können. Der Biochemiker James Shapiro gesteht zu, dass es keine detaillierten darwinistischen Erklärungen für die Evolution irgendeines elementaren biochemischen Systems gibt. Die Unzulänglichkeit der neodarwinistischen Theorien besteht darin, dass sie die Entstehung der nicht reduzierbaren Komplexität nicht erklären können. Die Existenz nicht reduzierbarer Komplexität im Bereich der molekularen Systeme weist unverkennbar auf intelligente Planung hin. Sir Fred Hoyle verglich die Chance eines aus sich selbst entstandenen Lebens mit der eines Tornados, der über einen Schrottplatz hinwegfegt und dabei eine Boeing 747 produziert. Zur Zeit enden alle Diskussionen über grundlegende Theorien und Experimente auf dem Gebiet „Ursprung des Lebens“ – so der renommierte Forscher Klaus Dose – „in einem Eingeständnis der Unkenntnis“. Niemand weiß, wie das Leben auf der Erde vor 3,45 Milliarden Jahren entstanden ist.

Zahlreiche Argumente sprechen für „planende Intelligenz“

Die meisten Wissenschaftler sind heute davon überzeugt, dass rein zufällige Prozesse den Ursprung komplexer informationsgeladener Systeme nicht erklären können. Die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Bildung von Leben aus unbelebter Materie beträgt eins zu einer Zahl mit 40 000 Nullen. Der Mathematiker David Berlinski benennt das gravierende Problem der Darwinisten: Angesichts solcher Wahrscheinlichkeitsrechnungen müssen sie in ihre Theorien „intelligente Planung“ einführen, was man – mit Sigmund Freud – als „Wiederkehr des Verdrängten“ bezeichnen muss. Bedenkenswert sind auch die Argumente des Kosmologen Allan Sandage und des Philosophen Antony Flew, die beide mit über 50 Jahren ihren Atheismus aufgegeben haben und Theisten geworden sind. Flew sagt, dass die biologische Erforschung der DNS „durch die geradezu unglaubliche Komplexität der Strukturen, die notwendig sind, um Leben zu erzeugen, gezeigt hat, dass Intelligenz beteiligt gewesen sein muss“. Im biblischen Schöpfungsbericht finden wir das Konzept der Information, das in neuester Zeit von der Wissenschaft als höchst bedeutsam angesehen wird. Der Biophysiker Dean Kenyon vertritt die These, dass die jüngsten Ergebnisse der Molekularbiologie eine naturalistische (allein mit natürlichen Ursachen rechnende) Erklärung der Ursprünge weniger wahrscheinlich gemacht haben. Die neueren Erkenntnisse der Biologie lassen – so John Lennox zusammenfassend – „auf einen Logos als Ursprung des Lebens schließen“.

Benedikt XVI.: Gott – der Logos am Anfang

Mit Recht hat Benedikt XVI. festgestellt: „Niemand kann die Totalität des Seins und seiner Bedingungen experimentell erfassen. An diesem Punkt erreichen wir ganz einfach die Grenzen des menschlichen Erkenntnisvermögens als solchen, und dies nicht nur unter den gegenwärtigen Bedingungen, sondern wesenhaft, unüberschreitbar“ (Auf Christus schauen. Einübung in Glaube, Hoffnung und Liebe, 2006, S. 18). Im Blick auf bestimmte evolutionistische Weltsysteme, die die Nichtexistenz Gottes zum Gebot der Vernunft erheben wollen, betont Benedikt XVI., dass der mythologische Charakter solcher Gesamtentwürfe an den wesentlichen Punkten offenkundig sei. „Die unermesslichen Lücken unseres Wissens werden durch mythologische Versatzstücke überbrückt, deren Scheinrationalität niemanden im Ernst blenden kann. Dass die Rationalität der Welt sinnvoll nicht aus der Irrationalität erklärt werden kann, ist evident. Und so bleibt der Logos am Anfang aller Dinge nach wie vor die beste Hypothese, die freilich von uns verlangt, die Gebärde der Herrschaft aufzugeben und die des demütigen Vernehmens zu wagen“ (ebd., 34). Als Fazit seiner Analysen hält John Lennox fest: Die wissenschaftlichen Ergebnisse weisen auf die Existenz Gottes hin, und das Unternehmen Wissenschaft verdankt seine Kraft der Existenz Gottes.

Domkapitular Prof. Dr. Josef Kreiml, Leiter der Hauptabteilung Schule / Hochschule im Bistum Regensburg