News Bild Es geht um neues Leben, um ein Wunder! Die Caritas-Schwangerenhilfe in Weiden hat seit 1. Januar eine neue Leiterin: die Litauerin Raimunda Schulze

Es geht um neues Leben, um ein Wunder! Die Caritas-Schwangerenhilfe in Weiden hat seit 1. Januar eine neue Leiterin: die Litauerin Raimunda Schulze

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Eine Beratungsstelle zu leiten, grenzt für Raimunda Schulze beinahe auch an ein Wunder. Sie hat drei Studiengänge in zwei Ländern abgeschlossen, spricht drei Sprachen fließend und hatte bereits einige Jobs im sozialen Bereich. Ein buntes Berufsleben, das erst im Rückblick auf das nun erreichte Ziel hinausläuft. Sie sagt: "Egal, was passiert, es ist immer zum Besten." Manchmal eben erst auf den zweiten Blick. Raimunda Schulze leitet seit diesem Jahr die Caritas-Schwangerschaftsberatung in Weiden. Sie folgte darin der langjährigen Leiterin Ursula Malterer nach.

Die Sozialpädagogin hat ein Team aus acht Mitarbeiterinnen. "Wir sind eine Anlaufstelle, bei der man ankommen und Hilfe finden kann", sagt Schulze. Die Caritas Schwangerenhilfe unterstützt nicht nur Frauen, die ein Kind erwarten, sondern auch Eltern von Kindern bis zum dritten Lebensjahr. "Unsere Aufgaben sind vielseitig", sagt Schulze. Die Themen und Probleme, mit denen die Frauen und Paare kommen, sind sehr unterschiedlich: Es gibt Schwangere, die sich einfach über die neue Lebenssituation informieren möchten, über Elternzeit, Elterngeld oder Rechte gegenüber dem Arbeitgeber. Es kommen aber auch Menschen in existentiellen Notlagen, die ohne Ausbildung oder Job sind und in finanziellen Problemen stecken. Immer mehr Paare lassen sich auch zu medizinethischen Themen beraten: Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es? Was tue ich, wenn ich ein behindertes Kind erwarte? Wie erfüllen wir uns einen Kinderwunsch, wenn es auf natürlichem Wege nicht klappt? Eines haben alle Fragen und Themen gemeinsam: "Es geht um neues Leben. Um ein Wunder", sagt Schulze.

In Litauen geboren und aufgewachsen, reiste Raimunda Schulze im Alter von 26 Jahren erstmals nach Deutschland, nach Köln, in die Stadt, die damals den katholischen Weltjugendtag ausrichtete. Dort arbeitete sie ein Jahr lang in einem internationalen Team aus Freiwilligen und gestaltete den Weltjugendtag mit. Sie verliebte sich in einen Bayern und blieb in Deutschland, auch über die Trennung hinaus. Die Litauerin war mittlerweile in ihrer neuen Heimat angekommen. "Im Herzen bin ich Litauerin, aber meine Heimat ist Deutschland", sagt sie. Im Jahr 2016 heiratete sie dann einen Oberpfälzer. Mit ihm lebt sie in einem kleineren Dorf bei Weiden.

In den Jahren nach dem Weltjugendtag sammelte Schulze reichlich berufliche Erfahrungen: Sie arbeitete beim Kolping-Bildungswerk in Amberg, in der Jugend- und Familienhilfe sowie in berufsvorbereitenden Maßnahmen. Sie half in einem Kinderheim in Sulzbach-Rosenberg und jobbte im Jugendzentrum in Weiden. Eines aber nagte immer an der jungen, motivierten Frau: Die beiden litauischen Studienabschlüsse in Lehramt und Erziehungs- und Bildungswissenschaften wurden in Deutschland nicht anerkannt. Schulze fühlte sich zwar als Sozialpädagogin, durfte als solche aber offiziell nicht arbeiten. Also studierte sie in Deutschland noch berufsbegleitend Soziale Arbeit an der Fachhochschule in München. Den Abschluss in der Tasche, nahm sie im Jahr 2015 ihre erste Stelle bei der Caritas in Weiden an: Asyl- und Sozialberatung, ein "Ein-Frau-Büro". Dort musste sie immer mal wieder auch schwangere Migrantinnen weitervermitteln, quasi eine Bürotür weiter, zur Schwangerschaftsberatung. Als ihre Vorgängerin in Altersteilzeit ging, war Schulze bereits bestens bekannt.

Schulze ist seit wenigen Tagen im Amt. Noch läuft nicht alles rund, viele Aufgaben stapeln sich auf ihrem Schreibtisch: Einarbeiten in Fachthemen, Vorbereiten der Online-Beratung und strukturelle Veränderungen, die im Team anstehen. Ihrer guten Laune tut das aber keinen Abbruch: "Ich freue mich jeden Tag, zur Arbeit zu gehen. Und ich möchte, dass es meinem Team genauso geht". Jeden Tag lernt sie dazu, steuert Prozesse, empfängt die ersten Klientinnen. Sie hört zu, berät, vermittelt weiter und motiviert nebenbei die Mitarbeiter. Eine Arbeit, die Kraft kostet - und ihr viel zurückgibt. Sie ist sich sicher: Alles, was geschieht, ist zu ihrem Besten.

Zusatz-Info: Caritas-Schwangerschaftsberatung

Neben der Beratung für Schwangere und deren Partner oder Familien bietet die Caritas auch soziale und lebenspraktische Unterstützung. Hierzu gehören Informationen über Sozialleistungen und Rechtsansprüche sowie die finanzielle Unterstützung aus verschiedenen Fonds und Stiftungen. Die Beratung ist kostenlos, unabhängig von Herkunft und Religion, vertraulich und auf Wunsch anonym. Vor der Geburt bis zum dritten Lebensjahr des Kindes können die Hilfen der katholischen Beratungsstellen in Anspruch genommen werden. Adressen und weitere Informationen zu "Hilfen für Schwangere": www.caritas-schwangerschaftsberatung.de.