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Eine Antwort auf Martin Grichting zum „vatikanischen Synodalismus“

Ist das ein Weg – oder muss das weg?


Regensburg/Rom, 3. September 2026

Am 21. August fand sich an dieser Stelle ein pointierter, vielleicht auch polemischer Beitrag des ehemaligen Churer Generalvikars Martin Grichting. Wir lesen ihn als Einladung zur Diskussion und möchten daher auf derselben Plattform antworten.

Martin Grichting kritisiert die durch den weltkirchlichen Prozess angestoßene Synodale Arbeit als „Synodalismus“ und seine Protagonisten als „Synodalisten“. Ismen haben in unserer Sprache immer eine negative Konnotation bzw. stellen die Haltung als Extremismus (sic!) dar. Aus Demokraten etwa Demokratisten zu machen sagt wenig über die Demokratie aber viel über das Verhältnis des Bezeichners zu ihr aus. Ähnlich liest sich der Artikel von Martin Grichting.

Im besten Fall lässt sich daraus die Mahnung lesen, in der Kirche nicht in die Falle des Klerikalismus zu tappen, indem Weltchristen in (neuen) kirchlichen Gremien in die Verantwortung der Hierarchie eingebunden werden. Hier hat er den Papst an seiner Seite – und auch alle, die Synodalität als einen Prozess geistlichen Hörens und Sprechens mit Freimut verstehen und nicht als „Mitbestimmung“. Weltchristen aber in Gänze aus jedweder Form der Mitwirkung an diesem Prozess auszuschließen und ihnen in einer Analogie Staat/Zivilgesellschaft Hierarchie/Laien einen Platz zuzuweisen, der ihnen den sensus fidei und ihre Taufwürde innerkirchlich nicht zugesteht, widerspricht dem Geist des Konzils, den der Autor tendenziell beschreibt, indem er lückenhaft aus den Konzilsdokumenten zitiert.

Ein Beispiel: Grichting stützt seine Argumentation auf LG 10 (Wesensunterschied der Priestertümer) und LG 30–38 (Weltcharakter der Laien). Was fehlt, ist bezeichnend: LG 12 (Sensus fidei des ganzen Gottesvolkes – die theologische Basis jeder Konsultation), LG 37 (Recht und teils Pflicht der Laien, ihre Meinung zum Wohl der Kirche zu äußern, ausdrücklich „durch die dazu bestimmten Einrichtungen“), AA 10 und 26 (Mitwirkung der Laien am innerkirchlichen Leben, Räte auf allen Ebenen) sowie CD 27 (Pastoralräte). Die Pointe: LG 37 steht in genau dem Kapitel IV, das er als Kronzeugen anführt. Das Konzil selbst fordert institutionalisierte Kanäle für die Stimme der Laien in der Kirche – das ist die konziliare Wurzel dessen, was der Autor „Synodalismus“ nennt.

Zudem trifft der Vorwurf, Synodalität ziehe die Laien vom Weltdienst ab, die Sache nicht. Das Schlussdokument der Weltsynode hält ausdrücklich fest, dass Synodalität kein Selbstzweck ist, sondern der Sendung dient (Nr. 32). Auch das Konzil kennt beides nebeneinander: den Laien, der die säkulare Welt „von innen her" prägt (LG 31), und den Laien, der von der Hierarchie zu kirchlichen Aufgaben berufen wird (LG 33). 

Grichtings Beitrag im Detail zu analysieren lohnte sich, weil er viele Sorgen, Ängste und auch Missverständnisse widerspiegelt. Gerne lassen wir uns darauf ein, möchten aber die Plattform und die Leserschaft nicht überstrapazieren. Es sollte aber deutlich geworden sein, um was es uns geht:

Der Kommentar formuliert eine legitime Anfrage – die Gefahr der Klerikalisierung der Laien und der kirchlichen Binnenwelt –, verpackt sie aber in eine selektive Konzilslektüre, eine historisch schiefe Genealogie und eine Polemik gegen den Apostolischen Stuhl, die mit der eigenen hierarchie-theologischen Position kollidiert.

Das wollten wir so nicht stehen lassen.

Pfr. Dr. Thomas Vogl, Sekretär des Priesterrates, 
Noah Walczuch und Pfr. Holger Kruschina, Mitglieder des Synodenteams Regensburg

Hier finden Sie weitere Informationen zum Synodenteam des Bistums Regensburg.

(jas)

 

 



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