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Zur Neuigkeit
Papst Benedikt XVI. schlug Brücke Regensburg – Paris
Für Gott, gegen Transhumanismus
Paris / Regensburg, 2. September 2026
Im Jahre 2008 wurde eine Institution des geistlichen mittelalterlichen Paris, die über Jahrhunderte hinweg als Kaserne genutzt worden oder dem Verfall preisgegeben war, wieder einem geistlichen Zweck geweiht: das Collège des Berhardins. Einer der ersten Gäste war der amtierende Papst Benedikt XVI., und er hielt dort eine Rede, in der er direkt an die Regensburger Vorlesung vom 12. September 2006 anknüpfte. Diesen Zusammenhang greift jetzt endlich ein katholischer Publizist auf. Es ist Lothar Rilinger.
Benedikt XVI. bildet bei Rilinger den inhaltlichen Schlußstein eines bemerkenswerten Buches, das er fast nach Art einer gotischen Kathedrale inhaltlich in die Höhe strebend konzipiert hat. Papst Benedikt, dieser – hoffentlich – zukünftige Kirchenlehrer, hat speziell den Franzosen klar gegenüber umrissen, wie schädlich ihre absolut gehandhabte Trennung von Staat und Kirche ist. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, welcher Anstrengungen es bedarf, damit die jüdisch-christliche Idee Europas, geistig und geistlich auf Rom und seinen Apostelsitz gegründet, in eine gute Zukunft getragen werden kann.
Schon 2008 prangerte Benedikt XVI. in Paris an, dass Gott aus dem Denken herausdifferenziert werden solle, so berichtet Rilinger, und dass der Mensch selbst an seine Stelle treten solle. Nichts anderes ist der Transhumanismus. Und auch die vielfach propagierte Geschlechterdiversität, nach der das Geschlecht des Menschen durch ihn selbst verändert kann, gehörte hierhin. Schließlich ist auch die Antwort auf die Frage, wer wann und wie lange lebt, Gott vorbehalten. Ob hier der tragische Sagenhelde Ikarus genannt werden sollte oder es schlichtweg als Sünde betitelt wird, steht dahin. Benedikt XVI. setzt genau hier an, um zukunftsweisende Gedanken auszusprechen, und Rilinger nimmt diesen Faden auf und spinnt ihn weiter.
Benedikt XVI. wählte gerade Paris als Ort für seine Überlegungen, die ja allerorten, auch in Regensburg, von Wichtigkeit sind. Doch in Frankreich, das von Paris aus regiert wird, wird die Trennung von Staat und Kirche quasi absolut gehandhabt. Das ist eine der vielen fatalen Folgern der französischen Revolution. Wie in Regensburg hat Benedikt XVI. seine Anliegen in einen wissenschaftlichen Disput gekleidet, in dem er selbst nur die fiktiven Gesprächspartner zitiert. In dieser Atmosphäre der Offenheit schrieb er seinen rund 700 Zuhörern ins Stammbuch, wie ein gelingendes Zusammenleben in einem zukünftigen Europa aussehen kann.
Paris bietet eine Fülle von Ansätzen, um über Staat und Kirche und ihr Verhältnis zueinander nachzudenken. Es ist wichtig, derlei Gedanken jetzt, in diesem Jahren, möglichst bald zu konstruktiven Ergebnissen zu führen. Als Beispiel sei nur der Eiffelturm genannt, genau 100 Jahre der Revolution von 1789, die in Wahrheit ein grandioser Fehlschlag war, eröffnet wurde, um einer höchst religionsfernen Weltausstellung und zugleich der französischen Metropole die Überwindung der gesitlichen Sphäre zu versinnbildlichen.
Die Übermacht der Technik über die Religion – soll sie hier also im Eiffelturm, ebenso auch im Arc de Triomphe oder dem gigantisch umgebauten Louvre gezeigt werden? Rilinger ist genau davon überzeugt und diskutiert auf dieser viele weitere Fragen zu geistlichen Sphäre Europas vor dem Hintergrund der Gegebenheiten in Paris, aber gültig für den ganzen Kontinent, also auch für Deutschland, auch für das Bistum Regensburg. Höchst erhellend! Es lohnt, dies alles in seinem Band „Paris: Fluchtpunkt der Gedanken“ nachzulesen.
Text: Sebastian Sigler




