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Durch das Kirchenjahr: Offene Konfrontation

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… mit Benedikt

23. Sonntag im Jahreskreis A – Ezechiel 33,7-9 und Matthäus 18,15-20

„So spricht der Herr: 7Du Menschensohn, ich habe dich dem Haus Israel als Wächter gegeben; wenn du ein Wort aus meinem Mund hörst, muss du sie vor mir warnen. 8Wenn ich zum Schuldigen sage: Schuldiger, du musst sterben! und wenn du nicht redest, um den Schuldigen vor seinem Weg zu warnen, dann wird dieser Schuldige seiner Sünde wegen sterben; sein Blut aber fordere ich aus deiner Hand zurück. 9Du aber, wenn du einen Schuldigen vor seinem Weg gewarnt hast, damit er umkehrt, und er sich nicht abkehrt von seinem Weg, dann wird er seiner Sünde wegen sterben; du aber hast dein Leben gerettet.“

Ezechiel 33,7-9

„In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: 15Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. 16Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde. 17Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. 18Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, war ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. 19Weiter sage ich euch: Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. 20Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Matthäus 18,15-20

 

Andere Menschen auf ihre Fehler hinzuweisen, ist nichts Angenehmes. Genauso unangenehm ist es, von anderen auf seine eigenen Fehler hingewiesen zu werden. Und doch ist beides notwendig; das Evangelium dieses Sonntags führt es uns deutlich vor Augen. Jesus spricht dort mit seinen Jüngern darüber, wie man andere zurechtweisen soll. Das gelinge letztlich mit einem aus drei Stufen bestehenden Modell: Zunächst soll man mit dem Betreffenden unter vier Augen sprechen, dann andere Mitglieder der Gemeinde hinzuziehen, schließlich – sollten beide Versuche nicht gefruchtet haben – die offene Konfrontation vor der ganzen Gemeinde suchen.

Wer andere auf ihre Fehler aufmerksam macht, kann ja auch leicht einmal über das Ziel hinausschießen. In der Bergpredigt hatte Jesus noch davor gewarnt, den kleinen Splitter im Augen des Nächsten jederzeit zu sehen und anzusprechen, den Balken im eigenen Auge aber geflissentlich zu übersehen (Matthäus 7,1-5). Auch darin kann es enden, wenn man andere Menschen ständig auf ihre Fehler anspricht: Dass man vor lauter Kritik den kritischen Blick auf das eigene Leben verliert. Und doch ist es notwendig, andere Menschen auf ihre Schwächen hinzuweisen. Sehr deutlich macht das die erste Lesung dieses Sonntags, in der Gott zum Propheten Ezechiel spricht. Weist der Prophet einen anderen nicht auf dessen Sünde hin, ist er selbst schuld am Tod dieses Menschen. Er hätte dessen Fehlverhalten verhindern können, wollte es aber nicht.

Der Prophet hat eine Verantwortung für seine Nächsten. Gott fordert aus seiner Hand das Blut des Sünders, der aufgrund einer unterbliebenen Warnung sterben musste. Gott macht den Propheten selbst verantwortlich. Das zeigt auch, dass wir als Menschen Verantwortung füreinander tragen. Es kann uns nicht gleichgültig sein, wenn andere Menschen leiden. Das Reich Gottes verlangt von uns den vollen Einsatz für alle Menschen in Not. Das gilt aber auch für Sünde und Schuld, die das Leben ins Dunkle verstricken und auch so zu Elend und Not führen können. Es kann eben auch ein Zeichen wohlverstandener Nächstenliebe sein, die Augen vor der Schuld der anderen nicht zu verschließen – das Maß ist das entscheidende.

Jesus fordert von uns ein heilsames Ansprechen der Schuld, ein Offenlegen falschen Verhaltens.

Wenn Jesus schließlich erwähnt, dass er selbst mitten gegenwärtig ist, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, zeichnet das zugleich den Horizont, innerhalb dessen man auf die Fehler seiner Nächsten blicken muss. Es ist der Blick Jesu, der auf den anderen immer voller Liebe und Barmherzigkeit schaut. Die Kirche lehrt, dass man die Sünde hassen solle. Den Sünder selbst aber soll man lieben. Und zu dieser Liebe gehört es auch, Fehler der anderen nicht unter den Tisch zu kehren, sondern anzusprechen. Aber: liebevoll und barmherzig.