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Dritter Fastensonntag: Sind Christen dumm?

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Jeder Mensch ist auf der Suche nach etwas: Nach einem tieferen Sinn im Leben, nach dem, was das Leben gut und lebenswert macht. Das ist keine große Neuigkeit – das ist so, seit es Menschen gibt. Dieses Thema greift auch der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther auf. Er schreibt: „Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“ (1. Korinther 1,23-24) 

Die Griechen suchen Weisheit. Sie wollen die Welt ergründen. Damals wird Paulus vor allem an Philosophie gedacht haben, heute könnten das aber auch gut die Naturwissenschaften sein. Wir wollen dem logischen Beweis zugängliche Gewissheiten, die uns das Wesen der Welt zu verstehen helfen. Viele Menschen sind heute das, was im ersten Korintherbrief „Griechen“ genannt wird. Weltaufgeschlossene, gebildete und vor allem neugierige Menschen. Und das ist nicht schlecht. Die Welt lebt von neugierigen Menschen, die sich nicht mit dem Status quo zufriedengeben wollen, sondern immer weiter vordringen, immer neues sehen wollen.

 

Jesus dreht durch

Dem gegenüber stehen die Juden, sie fordern „Zeichen“. Beweise, könnten wir sagen. Auch das ist erstmal eine gute Eigenschaft. Wer will schon leichtgläubig und naiv sein? Niemand. Lieber will man Beweise sehen oder Argumente hören, die bestimmte Aussagen unterstützen können. Und genau das machen die Menschen im Evangelium des dritten Fastensonntags (Johannes 2,13-25): Jesus dreht durch. Er ist zu Besuch im Tempel, und sieht dort statt der Andacht des Gebets eigentlich nur eifrige Geschäfte: Händler verkaufen Schafe, Tauben, Rinder. Geldwechsler wechseln die übliche Währung in eine spezielle Tempelwährung.

 

Welche Legitimation hat Jesus?

Jesus passt das nicht. Er vertreibt die Händler, wirft die Tische der Geldwechsler um. Möglicherweise war es damals noch nicht üblich, dass sie ihre Geschäfte direkt im Tempel verrichteten. Aus irgendeinem Grund reagiert Jesus mehr als emotional. Natürlich kommen sofort andere Menschen herbei und fragen Jesus, wie er so etwas denn machen konnte: „Welches Zeichen lässt du uns sehen, dass du dies tun darfst?“ (Johannes 2,18) Klar, wenn er die Händler aus dem Tempel vertreibt, braucht er irgendeine Legitimation. Heute würde man sich vermutlich den Dienstausweis von der Gewerbebehörde zeigen lassen. Sie wollen einen Beweis, ein Zeichen dafür sehen, dass Jesus das, was er tut, darf; dass er wirklich der ist, der er behauptet. Und Jesus gibt so etwas wie einen Beweis.

Jesus sagt: Reißt diesen Tempel ein, in drei Tagen werde ich ihn wiederaufbauen. Die Leute, die um ihn herumstehen, denken: Klar, er meint diesen Tempel. Die Steine, die Mauern, die Dächer, der Altar. Und sie müssen sich wundern. 46 Jahre dauerte es einst, den Tempel zu errichten, Jesus will das in drei Tagen und noch dazu alleine schaffen? Kaum möglich. Aber Jesus spricht gar nicht von den Steinen des Tempels. Er spricht von sich selbst, von seinem Tod und seiner Auferstehung. Das kommt dem Einreißen und Wiederaufbauen sehr nahe. Seine Jünger, die diese Äußerungen zunächst wohl auch nicht ganz verstehen konnten, sollten sich nach der Auferstehung an diese Aussage erinnern. Im Nachhinein gab er damit so etwas wie einen Beweis, dass er durfte, was er tat, und dass er war, wer er behauptete zu sein.

 

Beweise – Weisheit – Dummheit?

Der Apostel Paulus stellt dem Verlangen der Juden nach Beweisen und der Suche der Griechen nach Weisheit die Aussage der Christen gegenüber: „Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten“. Das hört sich so an, als wären die Christen dumm. Während die Juden nicht naiv sind, sondern Beweise fordern, tun die Christen das nicht. Während die Griechen auf Weisheit aus sind, sind es die Christen nicht. So wird Paulus es nicht gemeint haben. Denn das, was die Christen verkünden, muss allen anderen wirklich dumm vorkommen. Den Juden ist es sogar ein „Ärgernis“: Die Behauptung, Jesus sei der Sohn Gottes, ja sogar göttliche Person, und dennoch am Kreuz gestorben, ist Gotteslästerung. Den Griechen erscheint das zwangsläufig als Dummheit. Wie kann man denn an einen Gott glauben, der so schwach ist, dass er nicht Armeen anführt und regiert, sondern am Kreuz stirbt?

Für die Christen aber ist Christus Gottes Kraft und Weisheit, heißt es im ersten Korintherbrief. Das ersetzt nicht das Streben nach Beweisen und nach Weisheit. Es ist aber auch alles andere als dumm. Es ist eine Botschaft, auf die man sich erst einmal einlassen muss – zugegeben. Aber es lohnt sich.